Ist der einseitige Aufbau von „Fichtenmonokulturen„, wie ihn die Förster vor 100 Jahren im Schwarzwald aus wirtschaftlichen Gründen begonnen haben, Schuld daran, das sich die Borkenkäfer-Schädlinge verstärkt ausbreiten? Wie berichtet, schwebt über den deutschen Wäldern in diesem Jahr das Damoklesschwert einer Borkenkäferplage. Das gilt auch für den Stadtwald von Villingen-Schwenningen, immerhin der größte kommunale Forstbetrieb in Baden-Württemberg.

Bild: Stadler, Eberhard

Ist der Borkenkäfer also mithin ungewollte Frucht der forstwirtschaftlichen Bemühungen des legendären Villinger Oberförsters Hubert Ganter (1848 -1895) und seiner Zeitgenossen? Roland Brauner, der stellvertretende Leiter des Forstamtes Villingen-Schwenningen, weist diese landläufige These entschieden zurück. Er betont, dass die Schädlingsvermehrung aus seiner Erfahrung die Folge des Klimawandels infolge der Erderwärmung sei. Unter dem Klimawandel würden hierzulande mittlerweile fast alle Bäume leiden, sagt er. Auch die Eichen und Buchen stünden derzeit stark unter Stress. Entlang der Autobahn beim sächsischen Dresden habe er aktuell viele Buchenwälder mit geschädigten Bäumen gesehen. Auch die Eichen seien betroffen.

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Außerdem: Die klassischen Fichtenmonokulturen wie nach dem Zweiten Weltkrieg im Stadtwald Villingen-Schwenningen vorhanden, seien ohnehin kaum mehr zu finden, die Durchmischung werde immer größer (siehe auch Grafik). Allerdings bleibe die Fichte im VS-Stadtwald weiterhin die stärkste Baumart. Aus einfachem Grund: „Wir sind hier ein Rückzugsgebiet der Fichte.“ Sie habe hier ihr natürliches biologisches Umfeld. Allerdings sei der Forst bestrebt, den Fichtenbestand weiter zu reduzieren und den Anteil der Weißtannen zu erhöhen, da diese weniger sturmanfällig seien.

Weniger gut sieht es perspektivisch für die heimischen Kiefern aus. „Die Kiefern werden wir wohl verlieren“, vermutet Brauner. Der Stadtwald stehe zu dicht und habe zu wenig Lichtungen für diese Baumart. „Wir wollen an diesen Standorten lieber die Tanne haben“, so der Forstmann. In den Hanglagen soll der Anteil der Buchen deutlich auf einen Gesamtanteil von zehn Prozent erhöht werden. Allerdings zeige das neue Phänomen des „Buchensterbens“ in vielen Regionen, dass auch die Buche nicht das Allheilmittel sei. Der Klimawandel werde die Diskussion um den richtigen Waldaufbau neu befeuern, vermutet Brauner. „Wir müssen uns vermutlich noch viel über neue Mischungen der Baumbestände und neue Herkünfte der Bäume Gedanken machen.“

Aufgrund von 2000 Jahre alten Baumsamen, die in einem kleinen Moorgebiet im Stadtwald gefunden werden, wissen die Förster relativ genau, wie der „Urzustand“ des Waldes am Rande von Schwarzwald und Baar um die Zeit von Christi Geburt wohl ausgesehen hat. Damals wuchsen hier rund 40 Prozent Weißtanne, 10 bis 15 Prozent Fichten und 15 Prozent Kiefern, aber so gut wie kein Laubwald. Die These vom gut durchmischten Laub- und Nadelwald als natürlicher Zustand gilt damit offenbar nicht für die Höhenlage um Villingen-Schwenningen. Der städtische Forst versucht gleichwohl, mit einer Ausbreitung der Weißtanne und einer Verringerung der Fichtenbestände die Bestände wieder an den einstigen Naturzustand anzugleichen.