Um es gleich vorneweg zu beschreiben, was die Württembergische Landesbühne da mit dem Stück „Shockheaded Peter/Struwwelpeter“ auf die Bühne gebracht hat, ist sehr gut. Und hätte ein vielfach größeres Publikum verdient, als das, was sich im Villinger Theater am Ring eingefunden hatte. Sei es wie es ist, das von den Machern als „Junk-Oper für Erwachsene“ betitelte Musical, zeigt sich jedenfalls als ein kurzweiliges Erlebnis mit extrem hohen Spaßfaktor.

Doch worum geht es? Genau in dieser Frage ist wahrscheinlich der Grund zu finden, warum überwiegend ältere Zuschauer den Weg ins Theater fanden. Denn mit Verlaub, wer kennt denn noch die Geschichte um den Struwwelpeter, vom fliegenden Robert oder von Paulinchen? Vom wilden Jäger, der vom Hasen totgeschossen wird, ganz zu schweigen.

Es ist die Vor-68-er-Generation, der diese Geschichten des psychiatrischen Arztes Heinrich Hoffmann noch wohlvertraut sind. In der heutigen Zeit undenkbare pädagogische Hinweise sind es allesamt, die im 19. Jahrhundert den Zeitgeist trafen und in hunderttausendfacher Auflage in den Kinderstuben der Welt zu finden waren.

So auch in England, wo diese Geschichten dem Musiker Martyn Jacques wohl so sehr verfolgten, dass er Ende der 90-er Jahre mit seiner Band Tiger Lillies das Musical „Shockheaded Peter“ einspielte. Und diese Interpretation der Struwwelpeter-Geschichte ist eindeutig. Da wird gejammert und gemordet, dass es eine Freude ist. Und die Kinder und Erwachsenen, um die es geht, sind immer die Verlierer. Geht es im Original meist noch einigermaßen glimpflich aus, endet bei dieser Freak-Show alles mit dem Tod – und das wird dann grandios besungen.

Der bitterböse Friederich, der vom Hund nur ins Bein gebissen wird, bekommt vom Arzt den finalen Elektroschock verpasst. Der Daumenlutscher, nachdem ihm der Schneider mit beschwingtem Schnitt die Finger abgeschnitten hat, verblutet gar grässlich. „Tot, tot, tot“ singen die Darsteller. Der Zappel-Philipp wird von herunterfallenden Messern und Gabeln durchbohrt. Tot, genau wie der Hans Guckindieluft, der ertrinkt.

Dies alles treiben die Darsteller auf der fantasievollen Bühne mit solcher Lust am schwarz-englischen Humor, dass es eine echte Freude ist. Dazu kommt die Musik einer toll aufspielenden Band, die von Rock über Jazz bis hin zum Reggae alles aufbietet, was Stimmung bringt. Dem kleinen Publikum jedenfalls gefällt vortrefflich. Zum Ende der Schau gibt es stürmischen Applaus.