Vor der fulminanten Kulisse der Rietstraße samt Riettor zelebrierte die Historische Narrozunft bei ihren Fastnachtsbällen am Freitag und Samstag das pralle Leben aus dem heimischen Städtle. Alles unter dem Motto: "Z' Villinge i de Narrestadt – im Städtle isch ebbs los." Wohl wahr: Fürs Publikum ein bunter Strauß an Unterhaltung mit viel Lokalkolorit, farbigen Tänzen und lustigen Schwänken. Und am Ende, da rockten Auswärtige die Tonhalle. Die "Brotäne Herdäpfel", eine fetzige Bläsertruppe aus Wolterdingen, brachten die Zuschauer nach dreistündigem Sitzen auf die Beine und in Stimmung.

  • Tolle Kindernnummer: Einen der Höhepunkt gab es gleich zu Beginn. Eine tolle Kindernummer, die der zweite Zunftmeister Alex Brüderle einstudiert hat. Vier kleine Wueschte ziehen durch die Stadt, treffen auf zwei Glonki-Mädels und strählen sich durchs Stadtgeschehen. Die Verunreinigung des Schwenninger Trinkwassers im letzten Sommer, so reklamierte der kleinste Knirps (Simon Brüderle) zum Ergötzen des Publikums, "des wared mir"! "Mir sinn zum Schwenninger Hochbehälter gloffe, dort henn mir ins Wasser gs... und Schwenninger, die henn's gsoffe." Stürmischer Applaus war der Lohn für die Frechdachse.
  • Keine Liebe zwischen V und S: Überhaupt die Schwenninger: Sie mussten wieder kräftig herhalten. Beispielsweise bei der Persiflage auf das Theaterstück "Romeo und Julia in VS", das bei der 1200-Jahr-Feier aufgeführt wurde.
    Die närrische Version erfolgte in drei Akten auf der Zunftballbühne, wobei klar wurde, dass es die Liebe zwischen dem "langsamen Schwenninger" (eine Paraderolle für Alex Brüderle) und der quirligen Ummenhoferin aus Villingen (Alina Wöhrle) nichts werden würde. Von Paketdienst-Fahrzeugen durch die Fußgängerzone gejagt, umworben von einer Tierschutz-Aktivistin, die sich für "Fastnachtstiere in Not" einsetzt (herrlich komisch Steffi Brüderle) ist der Schwenninger Romeo völlig überfordert und muss erleben, wie die geliebte Julia am Ende mit einem feurigen Italiener und Zunftrats-Aspiranten durchbrennt.
  • Die Jugend im Kommen: Wenn Narros, Glonkis, Hexen und Katzen gemeinsam in der öffentlichen Toilette austreten, gibt es ebenfalls viel zu lachen. Wenn dann noch der Zunftmeister der Schwenninger Narrenzunft dazustößt, um sich mit einem Kanister frisches Wasser zu holen, weil in Villingen nicht nur die Fasnet schöner ist, sondern auch das Wasser besser schmeckt, gibt es sozusagen kein Halten mehr. Für ihren lustigen Schwank, denn die Nachwuchsakteure erstmals selbst geschrieben und inszeniert haben, gab es verdienten Beifall.
  • Kubons Geschenk: Dass die andere Hälfte der Doppelstadt auch beim geplanten Bau eines neuen Verwaltungszentrums in Villingen eine Rolle spielt, wurde dem Publikum beim Ortstermin mit dem Gemeinderat deutlich. Die Narren enthüllten die Pläne für die neue Penthouse-Wohnung des OBs auf dem Dach des Neubaus.
    Wobei die Gemeinderäte versicherten, dass die zehn Millionen Euro Mehrkosten keine Rolle spielten. Denn das neue Rathaus sei die "versammelte Rache der Villinger" für die vielen Millionen, die in Schwenningen in der Muslen-Sanierung, am Deutenberg oder in der neuen Neckarhalle verschwinden. Und es sei ein Geschenk Kubons an die Villinger, damit diese ihn auch mal wählen.
  • Reine Spaßnummern: Neben den politischen Sticheleien gab es aber auch manch reine Spaßnummer. Drei neue Politessen der Stadt mit sächsischem Migrationshintergrund versuchten vergeblich, das Chaos in der Fußgängerzone in den Griff zu bekommen. Eine herrliche Varieté-und Gesangsnummer im Stile der Jakob-Sisters. Oder die Einblicke in das Seelenleben der Grillwürste, die Metzger Bächle jeden Samstag in der Fußgängerzone auf den Grill wirft. Die um die Gunst des Publikums rivalisierenden Würste waren ein besonders lustiger Einfall. Und selbstverständlich durfte auch der Sommeraufreger nicht fehlen: Die moderne Kunst auf dem Latschariplatz, die gelben Klebestreifen. Auf der Bühne wurde die Aktionskunst von der Wueschgruppe um Roland Weisser als Dilettantismus verulkt. Ganz nach dem Motto: "Kunscht isch es, wenn mer's nit ka, sonscht isch es ja koa Kunscht."
  • Krönender Abschluss: Für richtig Stimmung im Saal sorgten wie jedes Jahr die Barden um Gitarrist Peter Metzger, die dieses Mal als singende Bedienungen aus den Rietstraßen-Cafés antraten. Da stand das Publikum und sang begeistert mit. Für Stimmung und Zugaben sorgten natürlich auch die Auftritte der drei Ballette. Den krönenden Abschluss unter einen gelungenen Zunftball 2018 setzten am Ende die fetzigen Bläser aus Wolterdingen.