In der Villinger Innenstadt geht ein tief greifender Wandel vor sich. Bereits jetzt kaufen Architekten oder Handwerker ganze Häuser auf und sanieren sie aufwendig. Der Vorteil: Die einzigartige mittelalterliche Substanz bleibt erhalten, Häuser verfallen, bis auf wenige Ausnahmen, nicht. Der Nachteil: Die Mietpreise für die modernisierten Wohnungen steigen enorm – und manchmal fragt man sich doch: Wer kann das bezahlen? So sieht unser Wirtschaftssystem aus und meist geht die Veränderung leise vor sich, denn die Immobilien werden oft erst dann erneuert, wenn sie ohnehin leer stehen.

So lange wollte eine Objektentwicklungs-Gesellschaft in der Bickenstraße 14 nicht warten. Ganz die feine Methode wendet sie dabei nicht an – und das ist dann auch der gewichtige Unterschied: Der Ton macht die Musik und der klingt dann doch so, als ob sie die Mieter möglichst schnell draußen haben möchte. Mobile Toiletten, Duschcontainer im Hof, Baulärm und Staubbelastung über zwei Jahre hinweg und die Betroffenen sollen sich innerhalb von 20 Tagen entscheiden, ob sie eine Auszugsprämie in Anspruch nehmen möchten. Außerdem werde bei der Sanierung des Treppenhauses der Zugang zu einzelnen Wohnungen erschwert. Da wird Druck aufgebaut – doch wohin sollen die Bewohner gehen, wenn sie zum Beispiel als Rentner auf günstigen Wohnraum angewiesen sind? In der Innenstadt wird es immer teurer und außerhalb grassiert die Wohnungsnot genauso.

Die Baugenossenschaften werden mit Anfragen überhäuft – die Stadtverwaltung wollte dem mit einer Wohnraumstrategie entgegenwirken. Doch die liegt wie berichtet auf Eis. Allerdings zeigt gerade auch dieser Fall, dass die Schaffung von günstigen Wohnungen keinen Aufschub verträgt. Selbst wenn sich die Mieter wie angekündigt wehren und sie auch Erfolg haben, ist es doch fraglich, ob sie eine Sanierung auf lange Sicht verhindern können. Sie haben dann Zeit gewonnen, um eine günstige Wohnung zu finden – in der Bickenstraße 14 wird sie womöglich nicht mehr sein.