Kurz vor 18 Uhr ist die Klosterkiche St. Ursula gut gefüllt, mehr als 100 Besucher sind zur Trauermette gekommen, der ersten von insgesamt drei. Ein Vokalensemble mit Münsterkantor Roman Laub, Markus und Veronika Kreutz, Agnes Suzter und Jolande Berberich tragen die Klagelieder des Propheten Jeremia vor, vertont von Emilio de Cavalieri im 16. Jahrhundert. Sie werden von Matthias Eschbach an der Orgel und Elisabeth Vöhringer am Cello begleitet.

'Matthias Eschbach an der Orgel begleitet Agnes Suzter, Veronika Kreutz, Jolande Berberich, Markus Kreutz und Roman Laub. Bilder: Jochen Hahne
'Matthias Eschbach an der Orgel begleitet Agnes Suzter, Veronika Kreutz, Jolande Berberich, Markus Kreutz und Roman Laub. Bilder: Jochen Hahne

Es sind berührende, klagende Klänge, die einen mitten ins Herz treffen. Wer so direkt aus dem Alltagsgeschäft in die Kirche eilt, taucht ein in eine andere Welt, erlebt Ruhe, Stille und den im Raum schwebenden Gesang. Auf die Klagelieder folgt ein Antwortgesang eines Sängers und der Gemeinde. Bis auf eine kurze Begrüßung durch Markus Kreutz, ein gemeinsames Vaterunser und das Schlussgebet mit Segnung wird nicht gesprochen, die erste Trauermette steht ganz im Zeichen der Musik.

Die Gesamtkonzeption stammt von Markus Kreutz, der diese Metten im Rahmen eines Pastoralkurses zur Ausbildung als ständiger Diakon erdacht hat. Bislang gab es eine Trauermette in Villingen am Mittwoch, sein Konzept sieht die traditionellen drei Termine an den Kartagen vor. Lediglich der Gründonnerstag wurde auf den Mittwoch vorverlegt. Kreutz arbeitet mit dem Musiklehrer Matthias Eschbach und dem Künstler Axel Heil zusammen und so hat jede Trauermette einen unterschiedlichen Schwerpunkt: Am Mittwoch war es die Musik, am Karfreitag ist es das Wort und am Samstag die Kunst – Axel Heil hat Altarverhüllungen „Sombras del Hombres“ geschaffen.

Markus Kreutz wollte etwas kirchlich "nicht Verstaubtes“ umsetzen, sondern eine lebendige Form finden. Durch die Trauermetten bietet sich auch eine gute Gelegenheit die Klosterkirche wieder zu öffnen und im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern, meint Matthias Eschbach.

Im Mittelpunkt der Trauermetten stehen die Klagelieder des Propheten Jeremia, traditioneller Bestandteil der Osterliturgie in der Karwoche. Die Klagelieder thematisieren die Zerstörung Jerusalems 587 vor Christus durch die Babylonier und versuchen, das große Leid auch zu erklären. „Die Aktualität des Klageliedes ist faszinierend“, so Markus Kreutz und weist auf die Themen Tod, Zerstörung, Flucht und Vertreibung hin: „Das sind keine Themen aus der Vergangenheit, das sind Themen, die heute zu unserem Leben gehören.“

Am Karfreitag um 8 Uhr trägt Markus Kreutz seine Gedanken zu den Lesungstexten aus den Klageliedern des Propheten Jeremia vor. Am Karsamstag steht die Installation „Sombras del Hombres“ von Axel Heil im Mittelpunkt (Beginn 8 Uhr). Das Wort Mette kommt von dem lateinischen (hora) matutina, Morgenstunde. Die Karmetten werden auch Tenebrae (von lat. Dunkelheit, wörtlich Schatten), Finstermette oder düstere Mette genannt. (cho)