Der Start der Freibadsaison in Villingen wird erneut verschoben. Das Kneippbad kann erst am 28. Juli eröffnen, das geben die Stadtwerke bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Dienstagmorgen bekannt. „Wir sind völlig überrascht worden, dass es nun doch unerwartet zu einer weiteren Bauverzögerung kommt“, sagt der Geschäftsführer der Stadtwerke, Ulrich Köngeter. „Eigentlich hielten wir das für ausgeschlossen.“

Wegen einer Kältewelle im Frühjahr, einer überfluteten Baustelle und dem Bau eines ungeplanten Hochwasserschutzes hatte sich die Eröffnung bereits einmal, von Mitte Juni, auf Anfang Juli verschoben. „Es tut uns wirklich leid, dass wir das Bad nicht wie gewohnt pünktlich zur Saison eröffnen konnten und den Termin immer wieder verschieben mussten", sagt Köngeter. Der Zeitplan für den Neubau eines Freibads sei immer ambitioniert – allein, weil man von den Wetterverhältnissen abhängig sei. "Mit der Situation, wie sie sich jetzt darstellt, konnte keiner rechnen“, so Köngeter.

Bis zuletzt seien sie davon ausgegangen, dass der 7. Juli als Eröffnungstermin gehalten werden könne. Der Grund für die Verzögerung liege laut Köngeter darin, dass man die Komplexität der einzelnen Gewerke im Technikgebäude unterschätzt habe. "Ein Gewerk baut auf das nächste auf, was eine minutiöse Planung voraussetzt. Kommt diese Planung nur ein minimales Bisschen durcheinander, kann ein Verzug entstehen. Das mussten wir nun bitter lernen.“ Als kleiner Ersatz soll das Hallenbad länger geöffnet bleiben, als üblich: bis zum Freitag, 27. Juli.

Eine Teilöffnung des Bades – beispielsweise nur ein Schwimmbecken und ein Stück Liegewiese – sei zwar überlegt worden, praktisch jedoch nicht umsetzbar, da die Technikinstallation dazu noch hätte weiter fortgeschritten sein müssen. „Keine unserer (Zwischen-)Lösungsideen konnten wir umsetzen. Schlussendlich müssen wir uns jetzt der Situation stellen und das Beste daraus machen“, sagt Ulrich Köngeter.

Rund 25 Personen sind derzeit mit den Arbeiten im Kneippbad beschäftigt. Aktuell wird die Technik für die Badwasseraufbereitung, sowie die Steuer- und Überwachungseinrichtungen installiert. Außerdem werden die Rohrleitungen im Außenbereich verlegt.

Was den finanziellen Verlust angeht, dazu sagt Köngeter auf Nachfrage: "Der Einnahmeverlust ist nicht auszugleichen, außer durch einen Super-Besucherandrang." Bäder, so Köngeter weiter, seien ein verlustgeborener Betrieb. Eine Kostendeckung sei nicht zu erreichen. "Rein betriebswirtschaftlich gesehen, dürften wir diese Saison nicht öffnen, sondern müssten in Ruhe die Bauarbeiten zu Ende führen." Da man jedoch von Seiten der Stadt einen sozialen Auftrag zu erfüllen habe, zu dem auch die Freizeitgestaltung in den Ferien zählt, wolle man diesem mit einer Öffnung zu den Sommerferien nachkommen.

Einer der ersten Besucher wird dann Andreas Steck sein. Seit 16 Jahren geht Steck, 58 Jahre alt, jeden Tag ins Kneippbad. Seit diesem Jahr kommt er viel in anderen Bädern rum. "Ich muss halt jetzt ausweichen", sagt er. Nach Donaueschingen, Bad Dürrheim, Haslach oder Waldshut. "Ich finde es natürlich schade", sagt er. Und: "Dass es mal renoviert werden musste, war klar." Dass es etwas länger dauert, hatte Steck sich noch am Dienstagmorgen gedacht, kurz vor die Stadtwerke offiziell eine Verzögerung bekanntgaben, war er an der Baustelle vorbei gekommen und hatte gedacht: "Das wird noch mindestens bis August dauern."