Dürfen sich ausländische Geschäftsleute in der Villinger Innenstadt mit ihren Auslagen vor dem Laden unverhältnismäßig und ungestraft breit machen, während die deutschen Geschäftsleute vom städtischen Bürgeramt wegen kleiner Verstöße gegängelt werden? Ein Thema, das derzeit im Einzelhandel eifrig diskutiert wird. Die Stadt weist derlei Behauptungen zurück.

Kuno Broghammer, alteingesessener Geschäftsmann und ehemaliger Sprecher des Villinger Einzelhandels, brachte das Thema am Donnerstag bei der Informationsveranstaltung über die bevorstehende Sanierung der Rietstraße zur Sprache. "Ein großes Ärgernis" in der Fußgängerzone, so trug Broghammer vor, seien die überbordenden Auslagen einiger Geschäfte. Gemeint sind offenbar die ausladenden Fronten mit Kleiderständern einiger Billiganbieter. Einige ausländische Mitbürger, so der Eindruck von Broghammer, hätten augenscheinlich keinerlei Probleme mit ihren "übertriebenen Auslagen" und würden vom Bürgeramt nicht in die Schranken gewiesen. Ganz im Gegensatz zu einheimischen Inhabern, die wegen Kleinigkeiten gemaßregelt würden.

Zu denen, die sich von der Stadt gemaßregelt fühlen, gehört etwa Obst- und Gemüsehändler Reiner Schmitt, der sich als Villingens "Banana Joe" vermarktet. Vor Kurzem hat er seine Geschäftsräume von der Paradiesgasse in die Niedere Straße verlegt und sein neues Schaufenster mit zwei gelben Schriftzügen "Banana Joe" beklebt. Inzwischen aber wurde er von Mitarbeitern der Stadt belehrt, dass die Werbeaufschrift unzulässig ist. Die städtische Werbesatzung gestattet seit ihrer Neufassung von 2013 nur noch weiße Buchstaben, die nur waagerecht, und nicht schräg, wie bei Schmitt, verlaufen dürfen. Er wurde aufgefordert, den Schriftzug entsprechend zu ändern.

Schmitt tut sich damit schwer. Unzählige Schaufenster in der Innenstadt seien mit bunten Aufschriften beklebt. Und nur er soll seine ändern? Ihm wurde entgegnet, dass die Geschäfte, die vor 2013 bereits bunte Aufschriften hatten, Bestandsschutz genießen und keine Änderung vornehmen müssen. So ist die Rechtslage. Schmitt hält das Ganze für einen Witz. "Bananen sind nun mal gelb", sagt er. Bevor er seinen Schriftzug ändere, will er erst einmal sehen, dass die großen Geschäfte ihre Schriftzüge ebenfalls ändern. Im Übrigen findet auch er, dass sein Schriftzug weniger stört, als manche Warenauslage in seiner Nachbarschaft.

Oxana Brunner, die Pressesprecherin der Stadt, betont, dass hier unterschiedliche Themen in einen Topf geworfen werden. Die Regelung von Werbeaufschriften auf Schaufenstern sei in der Werbesatzung der Stadt klar geregelt, um hier einen völligen Wildwuchs der Werbemittel in der historischen Innenstadt zu verhindern. Diese sei vom Gemeinderat so beschlossen worden und damit geltendes Recht. Es sei die Pflicht der Gewerbetreibenden, sich darüber zu informieren. Größere Probleme habe es in den vergangenen Jahren damit nie gegeben. Die Mitarbeiter der Stadt seien bestrebt, Verstöße im persönlichen Gespräch zu klären.

In einer weiteren Satzung, der Satzung über die Sondernutzung öffentlicher Straßen, ist dagegen die Art und Weise geregelt, wie Einzelhändler ihre Waren auf öffentlichen Straßen, etwa der Fußgängerzone, präsentieren dürfen. Darin ist unter anderem die maximale Größe der Auslagen geregelt und die Durchgangsmöglichkeiten für die Fußgänger. Dem Eindruck, dass hier mit zweierlei Maß gemessen werde, "muss ich ganz klar widersprechen", betont Brunner. "Da müssen wir alle gleich behandeln, und das tun wir auch."

Wenn Bürger den Eindruck hätten, dass es an einer Stelle übertrieben werde mit der Auslage, sollten sie sich einfach an die Stadt wenden, empfiehlt die Rathaus-Sprecherin. Klar sei aber auch, so Brunner, dass die Stadt nicht reglementiere, was die Händler verkaufen. Hier gelte Gewerbefreiheit. Fragen der Qualität und Ästhetik der Auslagen könnten daher von der Stadt nicht geregelt werden.