Im Frühjahr schien es, als würde die Natur den Abriss, besser gesagt den Rückbau, des alten Klinikums in Schwenningen lahm legen. Mauersegler hatten sich eingenistet und brüteten. Das wurde von einer dortigen Anwohnerin zur Kenntnis gebracht, denn die Tiere sind artengeschützt und dürfen während der Brutzeit nicht gestört werden.

"Gestoppt wurde indes der Abbruch nicht", erklärt Architekt und Stadtentwickler Gregor Braun gegenüber dem SÜDKURIER. Auch habe es keinen Stillstand beim Rückbau gegeben. Die Logistik habe etwas angepasst werden müssen und die Arbeiten seien einfach in einen anderen Bereich verlagert worden, sodass die Mauersegler nicht gestört wurden. "Die einzigen Umstände waren, dass die ganzen Maschinen neu positioniert werden mussten", erklärt Gregor Braun, während er gelassen das Tun des Abbruchbaggers verfolgt, der sich Bissen für Bissen durch das Gebäudeskelett frisst. "Wir haben alles, was an Eventualitäten passieren kann, hinter uns." Dazu gehörten beispielsweise archäologische Untersuchungen, um zu überprüfen, ob noch Reste von Keltengräbern existieren.
 

Gregor Braun ist zufrieden mit dem Fortschritt der Arbeiten am alten Klinikareal.
Gregor Braun ist zufrieden mit dem Fortschritt der Arbeiten am alten Klinikareal. | Bild: Sabine Naiemi

Auffallend auf der Baustelle ist, dass lediglich hin und wieder verschiedene Container befüllt werden. Es gibt keine Lastwagen, die irgendetwas abtransportieren. Es gibt keinen Bauschutt, der irgendwelche Müllhalden vergrößert. Das habe einen einfachen Grund, erklärt Braun. Der ganze Gebäudekomplex werde recycelt, also wieder verwendet. Auch der Beton? "Gerade der Beton", betont Braun und erläutert: "Vor dem Abriss wurde das komplette Klinikgebäude entkernt." Das habe rund ein halbes Jahr in Anspruch genommen. Drei Kategorien Material würden beim Rückbau anfallen. Zu den Wertstoffen gehöre beispielsweise Kupfer, Metalle, Glas, Holz, Heizungen. Unter die Kategorie Schadstoffe falle Dämmmaterial und Asbest. Alles andere, wie Mauerwerk und Beton, gehört zu den recyclingfähigen Stoffen. "Darüber wurden zuvor genaue Berechnungen angestellt", erklärt Gregor Braun weiter. Der Clou sei, dass durch die Wiederverwendung kein Füllmaterial für die Erschließung zugekauft werden müsse. Mit dem ständig laufenden Steinbrecher wird daher das Material in die benötigten Größen zerkleinert.

Mittlerweile sind zwei Drittel des oberirdischen Rückbaus erledigt. Etwa vier Wochen noch, schätzt Braun, dann sei von der Klinik oberirdisch nichts mehr zu sehen. Für die unterirdischen Gänge und Keller veranschlage er noch einmal etwa zwei Monate. Das sollte bis November erledigt sein. Parallel sei auf den bereits freien Flächen schon die Kanalverlegung im Gange. Der Zeitplan sieht vor, dass im Frühjahr 77 neue Bäume auf dem Areal gepflanzt und Retentionsflächen angelegt werden.

Der Baumbestand an der Röntgenstraße bleibe erhalten. Braun: "Das ist Bestandteil des Bebauungsplanes." Im Juni 2018 geht das erschlossene Areal nach Abnahme an die Stadt zurück. Alles läuft also nach Plan. Kann noch etwas schief gehen? "Der schlimmste Fall, der jetzt noch passieren könnte, wäre, wenn das unter Denkmalschutz stehende, drei mal fünf Meter große Mosaik im verbliebenen Gebäudeteil bei den Abrissarbeiten zerstört wird", sagt Braun. Deshalb taste man sich mit dem Bagger vorsichtig Stück für Stück vorwärts. Was mit dem Mosaik passiert, könne er noch nicht sagen. Zwar gebe es Interessenten, jedoch noch keine feste Zusage. Finde sich da nicht in den nächsten drei Wochen jemand, müsse er das Mosaik einlagern.

Das Baugebiet

Das Baugebiet Eschelen ist etwa 80 000 Quadratmeter groß. Es ist in neun Quartiere mit einer Größe von jeweils 4500 bis 6000 Quadratmeter unterteilt. Die Firma Rebholz kaufte ein Quartier direkt von der Klinik. Von den verbliebenen acht Quartieren sind sechs bereits verkauft. "Ein Bauträger aus Österreich/Vorarlberg hat sich zwei Quartiere gesichert", so Braun. In dem Gebiet sollen rund 370 Wohneinheiten (sowohl Miete als auch Eigentum) in Geschossbauweise entstehen. In dem Teil zur Röntgenstraße hin sind mehrere Stadtvillen vorgesehen. Im Quartier 7 werden auch ein Nahversorger und eine Bäckerei mit angegliedertem Café ihren Platz finden.