VS-Villingen – Vergnügt planschen Emil, Suzan, Jona und Julius im warmen Wasser, während ihnen Marzella Ade mit einem Becher behutsam Wasser über den Kopf schüttet. Selbst das kurze Untertauchen macht den Kindern nichts aus. Auch wenn sie erst ein paar Monate alt sind. Die vier Babys kommen nämlich regelmäßig zum Babyschwimmen in die Schwimmschule von Marzella Ade und sind ganz entspannt im nassen Element.

Der skeptische Blick trügt: Jona hat mächtig viel Spaß beim Babyschwimmen.
Der skeptische Blick trügt: Jona hat mächtig viel Spaß beim Babyschwimmen. | Bild: Sprich, Roland

Die Idee, eine Schwimmschule zu eröffnen, ist aus einem Zufall heraus entstanden. Als junge Mutter wollte Marzella Ade ihren wenige Monate alten Sohn Christof gerne baden, doch gab es im Haus der Familie keine Badewanne. So nutzte die junge Mutter das ehemalige Bewegungsbecken des Großvaters im Keller des Hauses. Das war früher das Kneipphaus an der Waldstraße und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vom Urgroßvater von Christof, Karl-Rudolf Ade, gepachtet und quasi als öffentliche Badeanstalt genutzt. Der Großvater, der ebenfalls Karl-Rudolf hieß, baute später besagtes Bewegungsbecken ein. Bald gesellten sich andere Kinder zu den Bade-Terminen. Die Kinder hatten großen Spaß und so entstand die Idee, Babyschwimmen anzubieten.

Damit hat alles angefangen: Marzella Ade mit einem Bild des ehemaligen Kneipphauses in der Waldstraße. In dem Gebäude lehrt sie heute Babys das Schwimmen. Das Schwimmbecken ist natürlich längst erneuert.
Damit hat alles angefangen: Marzella Ade mit einem Bild des ehemaligen Kneipphauses in der Waldstraße. In dem Gebäude lehrt sie heute Babys das Schwimmen. Das Schwimmbecken ist natürlich längst erneuert.

Die gebürtige Tschechin Ade ließ sich in Tschechien zur Schwimmlehrerin ausbilden, 1999 fanden die ersten Schwimmkurse statt. "Anfangs hatten wir fünf Kinder in drei Kursen, nach einem halben Jahr hatten wir bereits 100 Kinder", blickt Marzella Ade zurück. Heute lernen wöchentlich 300 Kinder in ihrer Schwimmschule schwimmen. Die Warteliste ist lang. Zehn Schwimmlehrer kümmern sich heute um die Ausbildung, von der ersten Berührung mit dem Wasser bei Säuglingen bis zum Seeräuberabzeichen für Vorschulkinder.

Auf dem Arm von Mama Sandra hat der kleine Julius keine Angst vor dem Wasser.
Auf dem Arm von Mama Sandra hat der kleine Julius keine Angst vor dem Wasser. | Bild: Sprich, Roland

Zurück zum Babyschwimmen. Das ehemalige Bewegungsbecken ist längst durch ein modernes Schwimmbecken ersetzt worden. Die Mütter der vier Babys stehen im Kreis zueinander und singen ein Lied, während sie ihre Babys hin und her wiegen. Es wird viel gesungen und viel gelacht während der halbstündigen Einheit in dem 30 Grad warmen Wasser des kleinen Beckens, das Marzella Ade liebevoll "Laich-Teich" nennt. "Denn hier bekommen die Säuglinge die Grundlage für das spätere Schwimmenlernen", sagt die Schwimmlehrerin.

Fürs Foto ruhen sich die Babys auch mal auf der Insel aus. Aber ansonsten sind die Kinder nur im Wasser. Links Schwimmlehrerin Marzella Ade. Bilder: Roland Sprich
Fürs Foto ruhen sich die Babys auch mal auf der Insel aus. Aber ansonsten sind die Kinder nur im Wasser. Links Schwimmlehrerin Marzella Ade. Bilder: Roland Sprich | Bild: Sprich, Roland

Nicht nur für die Kinder, auch für die Mütter ist das Babyschwimmen wichtig. "Es ist gut für die Motorik und die gesamte Entwicklung des Kindes. Es festigt die Bindung zwischen Mutter und Kind. Und man ist als Mutter nicht gleich beunruhigt, wenn das Kind beim Baden zuhause mal mit dem Kopf unter Wasser kommt", zählen die Mütter auf.

Video: Roland Sprich

Mit dem Angebot des Babyschwimmens legt Marzella Ade für die Kinder den Grundstein, als Kleinkind das Schwimmen richtig zu lernen. In den Schwimmkursen, die in kleinen Gruppen in den Bädern der Geriatrie am Klosterwald und im Lehrschwimmbecken der Carl-Orff-Schule stattfinden, bekommen die Kinder Schwimmunterricht. "Die meisten Kinder, die zu uns kommen, können schon richtig schwimmen, noch bevor sie dann in die Schule kommen", sagt Marzella Ade mit sichtlichem Stolz.

So sah das Kneipphaus an der Waldstraße früher aus: Eine Aufnahme von 1936.
So sah das Kneipphaus an der Waldstraße früher aus: Eine Aufnahme von 1936.

Übrigens: Sohn Christof, dem indirekt quasi alle Kinder in den vergangenen 20 Jahren zu verdanken haben, dass sie bei Marzella Ade schwimmen lernen können, feiert genau heute seinen 21. Geburtstag. Und er ist dem nassen Element bis heute treu geblieben. Allerdings nicht als Schwimmer. Vielmehr genießt er das Wasser vom Segelboot aus.

Video: Roland Sprich
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