„Ich wohne Auf der Wanne – das Lied des Lärms kenne ich mittlerweile auswendig.“ Richard Schmidt nimmt die Situation mit Galgenhumor. Denn, wenn man auf dem Balkon im ersten Stockwerk seines Wohnhauses steht, hört sich dieses Lied eher wie ein stetig lautes Brummen an. Ganz egal: Am liebsten würde der 75-Jährige die störenden Klänge sowieso möglichst schnell vergessen. Seit 2004 setzt er sich dafür ein, dass etwas gegen den von der Bundesstraße 33 zum Kopsbühl nach oben schallenden Lärm getan wird. „Mehr oder weniger erfolgreich“, gibt der Rentner zu.

 

Er erinnert sich daran, wie vor zehn Jahren das Tempolimit der Bundesstraße in der Ortsdurchfahrt Villingen aus Sicherheitsgründen von 100 auf 80 Stundenkilometer reduziert wurde. Vom Gehör sei eine solche Reduzierung allerdings gar nicht wahrnehmbar, ist sich der Ingenieur im Ruhestand sicher. „Erst eine Absenkung auf Tempo 70 hätte einen Unterschied ausgemacht." Ein Jahrzehnt ist seither vergangen. "In dieser Zeit hat sich das Verkehrsaufkommen noch immens erhöht", betont Schmidt.

Er begrüßt deshalb, dass der Gemeinderat einem Vorschlag der SPD-Fraktion zur Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit um weitere zehn Stundenkilometer zugestimmt hat. Nun liegt es am Regierungspräsidium Freiburg, diesemAntrag zuzustimmen. Schmidt sieht das skeptisch. Er glaubt nicht, dass es eine Bestätigung für die Temporeduzierung geben wird. "Dabei wäre es wünschenswert. Ungefähr 2000 Anwohner sind letztlich davon betroffen."

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Der SÜDKURIER hat sich bei einigen von ihnen umgehört. Nicht alle teilen Schmidts Meinung. Maria Lambrecht, seit 30 Jahren ebenfalls wohnhaft Auf der Wanne, kennt die Geräuschkulisse nur zu gut. Aber: „Mittlerweile nehme ich das gar nicht mehr wahr", berichtet sie. Da sie sich grundsätzlich nicht gestört fühlt, spielt es für sie keine Rolle, ob die Geschwindigkeit gesenkt wird oder nicht.

Brigitte und Wolfgang Dalberg haben vor vier Jahren Konsequenzen gezogen und sich lärmdichte Fenster einbauen lassen. Sie bestätigen, dass die Lärmbeeinträchtigung durch die Bundesstraße besonders bei Regen schlimm sei. "Aber wir glauben nicht daran, dass eine Tempoverringerung einen großen Effekt haben würde", erklärt das Ehepaar.

Renate Riegger wohnt wiederum Am Blutrain: „Ich bin nicht durch den Lärm beeinträchtigt", erklärt sie. "Ich mache nachts einfach den Fensterladen zu." Trotzdem fände sie es gut, wenn es zu einer weiteren Geschwindigkeitsbegrenzung käme: "Die Straße ist nämlich sehr gefährlich.“ Diese Einschätzung teilt auch Sanyukta Runkel: "Einfach aus Sicherheitsgründen wäre es sinnvoll die Geschwindigkeit auf der B33 herabzusetzen."

Andere Anwohner seiner Straße wiederum teilen Richard Schmidts Einschätzung. Der gebürtige Villinger Helmut Wehrle sagt: „Gerade der Lärm durch die Lastwagen ist ein Graus. Es ist wirklich arg, wie auf der B33 gefahren wird." Im Gegensatz zu vielen seiner Nachbarn ist Wehrle überzeugt davon, dass bereits eine Minderung der Geschwindigkeit auf Tempo 70 einen deutlichen Nutzen haben könnte.

Zurück auf seinem Balkon würde Richard Schmidt gerne sogar noch einen Schritt weiter gehen: "Ich wünsche mir nachts eine Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometer an der B33, so wie es in der Innenstadt von Freiburg an einer Bundesstraße bereits gilt. Dann könnte ich im Sommer bei offenem Fenster schlafen und müsste nicht alles zuriegeln", äußert der Anlieger.

 

Die aktuelle Lärmsituation

Gemeinderatsbeschluss: Als Teil eines umfangreichen Lärmaktionsplans hat der Gemeinderat im April der Temposenkung auf der Bundesstraße 33 von 80 auf 70 Stundenkilometer zugestimmt. Ob es tatsächlich zur Umsetzung dieser Idee kommt ist aber noch vollkommen offen. Denn, obwohl die Straßenverkehrsbehörde Villingen-Schwenningen zuständig für Geschwindigkeitsbegrenzungen im Stadtgebiet ist, muss im Falle einer Lärmschutzanordnung das Regierungspräsidium Freiburg seine offizielle Zustimmung geben. Bisher ging in Freiburg noch kein entsprechender Antrag ein. Sobald das der Fall ist, verspricht das Regierungspräsidium zu prüfen, ob durch die Maßnahme wirklich ein spürbarer Lärmschutz für die Anwohner erreicht werden kann.

Weitere Maßnahmen: Als weiterer Teil des Aktionsplans verabschiedete der Gemeinderat einen Antrag, der den Kindertagesstätten Am Kopsbühl und Am Schwalbenhaag einen Zuschuss für Lärmschutzwände gewähren wird. Außerdem können Anwohner von zwölf Straßen in VS eine Bezuschussung von Lärmschutzfenstern und Lüftern bei der Gemeinde beantragen. Bürger können sich auf der Internetseite der Stadt darüber informieren, ob auch ihr Haus als Lärmbrennpunkt eingestuft ist und somit bezuschusst werden kann. (das)

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