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Ein außergewöhnliches Kunstprojekt werden im Herbst die Soroptimistinnen in Villingen-Schwenningen zusammen mit der kleinen Kulturschmiede und der Künstlerin Marja Scholten-Reniers umsetzen. Der Serviceclub Soroptimist International steht nur Frauen offen und setzt sich für eine menschlichere Gesellschaft ein. Die Rechtsanwältin Beatrice Hesselbach ist VS-Präsidentin, Anja Rudolf, Kunsthistorikerin und Gründerin der Kulturschmiede, eine Mitschwester. Sie holte Scholten-Reniers mit ins Boots. Durch diese Verbindung erklärt sich eine außergewöhnliche Veranstaltung, die am Freitag, 25. Oktober, zwischen 14 und 19 Uhr, sowie am Samstag, 16. November, zwischen 10 und 14 Uhr in den Räumen des Schwenninger Heimatvereins über die Bühne geht.

Sticken als Protest

Ausschließlich Frauen sind dazu aufgefordert, sich Gedanken zu machen, was ihnen weltweit durch oder nach Erfahrungen mit physischer, psychischer, beispielsweise durch Bevormundung, oder sexueller Gewalt verloren geht. Sie sollen ihre Überlegungen in Form eines Textes oder Symbols in Weiß auf orangefarbige Textilien sticken. Die Beiträge werden dann von Scholten-Reniers zu einem Überzug vernäht, der wiederum über Punching-Bälle gezogen wird. Diese Bälle werden voraussichtlich in der Vorweihnachtszeit als stumme Mahnwachen auf einem öffentlichen Platz aufgestellt. Wo das in Villingen-Schwenningen sein wird, möchte Rudolf noch nicht verraten, denn zunächst muss die Stadtverwaltung noch ihre Bewilligung geben und dem wolle die Kunsthistorikerin nicht vorgreifen.

Idee stößt auf viel Interesse

Allerdings gestalten sich bereits die Vorbereitungen als so bemerkenswert, dass bei Hesselbach bereits die ersten Anfragen eingingen, ob einige der Mahnmale nicht danach auch noch in Firmenräume oder Praxen aufgestellt werden können. Auch die Schaffhausener Soroptimistinnen zeigten bereits Interesse, sodass eine kleine Wanderausstellung im Bereich des Möglichen liegt.

Künstlerin setzt Idee um

Den „Orange Day“, begehen neben vielen Organisationen auch die Soroptimistinnen, eine der Vorgängerinnen von Hesselbach, Cornelia Woll, stellte daher die Frage in den Raum, was Villingen-Schwenningen machen könne. Anja Rudolf brachte die Idee eines Kunstprojekts ins Spiel, ins Detail ausgearbeitet und mit Leben gefüllt hat es dann Marja Scholten-Reniers. Die 1957 in den Niederlanden geborene Künstlerin lebt seit vielen Jahren in Villingen, stellte hier auch schon aus, zum Beispiel die „Heimwehtaschentücher“, arbeitet viel mit Textilien und stickt „wahnsinnig gern“.

Zeit für Gespräche

Die Sticktechnik wollte sie in dieses Projekt mitnehmen, denn es sei eine zunächst einmal als typisch weiblich angesehene Technik. Zudem werde sie in Slow-Motion – in Zeitlupe – ausgeführt, es bleibe also ausreichend Zeit für Gespräche, Austausch und Gedanken. Auch Teilnehmerinnen, die nicht sticken können oder wollen, seien nicht ausgeschlossen. Sicherlich finden sich weitere Frauen, die ihre Ideen verarbeiten, denn auch dies sei Ziel des Zusammenkommens, füreinander einzustehen, betont Anja Rudolf. Die Teilnehmerinnen müssen nicht Opfer von Gewalt geworden sein, jede könne sich über die Folgen Gedanken machen. Mit den gestickten Begriffen und Symbolen werde ein als typisch männlich empfundenes Objekt, der Punching-Ball, überzogen.

Frauen müssen sich anmelden

Eingeladen seien Frauen jeglichen Alters, Religion oder Herkunft, Ziel sei es, nicht nur zu sticken, sondern auch Tee zu trinken und Gemeinsamkeit zu erleben. Die Initiatorinnen würden sich freuen, wenn Teilnehmerinnen aus anderen Ländern ein orangefarbenes Stoffstück aus der Heimat mitbringen könnten. Aktuell gehen die Drei von etwa 50 Teilnehmerinnen aus. Allerdings sollte sich Interessierte aus organisatorischen Gründen anmelden – unter folgender Internetseite: https://diekleinekulturschmiede.de/events/orange-the-world-stand-up-for-women/. Die Veranstaltung findet an den zwei Tagen in den Räumen des Schwenninger Heimatvereins statt, wofür ihm Rudolf ausdrücklich dankt.