Viele Straßen in der Stadt sind beschädigt und müssen erneuert werden. Doch nicht nur diese. Auch die Feldwege befinden sich auf der Gemarkung der Stadt in einem desolaten Zustand. Auf die Kommune rollt hier eine weitere Kostenlawine in Millionenhöhe zu. Das bisherige engmaschige Wegenetz für die Landwirtschaft wird nicht mehr im bisherigen Umfang unterhalten werden können. Davon ist Ulf Millauer überzeugt, der neue Chef im Stadtbauamt.

  • Erbärmlicher Zustand: Feldwege, das sind Wirtschaftswege, die für die Landwirte angelegt werden, damit diese mit ihren Maschinen auf ihre Felder fahren können. Die meisten wurden irgendwann asphaltiert. Doch viele befinden sich in einem erbärmlichen Zustand. Besonders in Villingen-Schwenningen. Zum einen, weil die Kommune bei der Straßen- und Wegeunterhaltung nicht mehr hinterkommt, Stichwort Investitionsstau. Zum anderen, weil die landwirtschaftlichen Maschinen in den vergangenen Jahren immer größer und schwerer werden und die vor vielen Jahren erstellten Wirtschaftswege dieser Belastung nicht mehr standhalten.
Immer größer und schwerer werden die Maschinen und Fahrzeuge der Landwirte. Die Feldwege wie hier bei Marbach müssen daher verbreitert und verstärkt werden. <em>Bilder: Hans-Jürgen Götz</em>
Immer größer und schwerer werden die Maschinen und Fahrzeuge der Landwirte. Die Feldwege wie hier bei Marbach müssen daher verbreitert und verstärkt werden. Bilder: Hans-Jürgen Götz | Bild: Hans-Juergen Goetz
  • Maschinen-Ungetüme: Ernst Reiser, Stadtrat und ehemaliger Vollerwerbslandwirt aus Nordstetten, erinnert sich, dass er einst mit einem Jauchefass von zwei Kubikmeter Fassungsvermögen seine Felder gedüngt hat. Heutige Jauchefässer, die von einem Schlepper gezogen werden, haben ein Volumen von 27 bis 30 Kubikmetern, das sind bis zu 30 Tonnen Gewicht. Auch die Traktoren, Mähdrescher oder Hexlermaschinen sind heute riesige Ungetüme mit erheblichem Gewicht. Die großen Maschinen bezeugen den Wandel der Landwirtschaft. Wer heute davon leben will, braucht immer größere Flächen und immer größere Maschinen und einen immer größeren Kapitaleinsatz. „Das sind die Folgen der EU-Agrarpolitik“, sagt Ernst Reiser. Die Auswirkungen dieser Politik schlagen sich in vielfältiger Weise nieder, auch auf den Feldwegen, die unter dem Gewicht der Maschinen immer mehr zerbröseln. „Unser gesamtes Feldwegenetz zu richten, ist unmöglich, das geht ja in die Millionen“, urteilt Reiser.
So desolat wie dieser Feldweg bei Tannheim sehen die meisten auf der Gemarkung von Villingen-Schwenningen aus.
So desolat wie dieser Feldweg bei Tannheim sehen die meisten auf der Gemarkung von Villingen-Schwenningen aus. | Bild: Hans-Juergen Goetz
  • Abstriche für Landwirte: Die Stadt ist daher gefodert, die Feldwege künftig auf eine Breite von 3,50 Meter und mehr sowie auf eine Belastung von bis zu 40 Tonnen auszubauen. „Das ist ein Riesenfass, das wir aufmachen müssen“, sagt Amtsleiter Ulf Millauer. Finanziell und baulich sei eine Komplettsanierung aller vorhandenen Feldwege nicht leistbar. Künftig werde man sich wohl auf einige wenige Hauptwege, die von den Dörfern auf die Felder hinausführen, beschränken müssen. Gespräche mit den den Ortschaftsräten und den Landwirtschaftsverbänden seien bald vorgesehen. „Das werden interessante Diskussionen werden“, vermutet Amtsleiter Millauer.
Die Landmaschinen werden immer breiter. Auf den Feldwegen gibt es keinen Platz mehr für Gegenverkehr.
Die Landmaschinen werden immer breiter. Auf den Feldwegen gibt es keinen Platz mehr für Gegenverkehr. | Bild: Hans-Juergen Goetz
  • Prioritätenliste: Dass der Zustand der Feldwege desolat ist, bestätigt auch Jochen Hauser, Landwirt vom Zollhaus, der Vorsitzende des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) der Ortsgruppe Villingen. Berufskollegen von auswärts haben bereits attestiert, dass sie „so schlechte Feldwege wie bei uns noch nie gesehen“ hätten, berichtet er. Der Ortsverband Villingen hat daher auf seiner letzten Hauptversammlung eine Prioritätenliste aufgestellt, welche der landwirtschaftlichen Wirtschaftswege gerichtet werden sollten. Denn auch für Landwirte laufen die Schlaglochpisten inzwischen richtig ins Geld. „50 Prozent unserers Maschinenverschleißes erfolgt auf dem Transport auf den Feldwegen“, berichtet de Landwirt. Die Prioritätenliste sei von den Landwirten auf das Notwendigste begrenzt worden. „Uns wäre geholfen, wenn diese gemacht werden“, sagt Hauser. Der Dialog mit der Stadt steht nun bevor.
Die Landmaschinen werden immer breiter. Auf den Feldwegen gibt es keinen Platz mehr für Gegenverkehr.
Die Landmaschinen werden immer breiter. Auf den Feldwegen gibt es keinen Platz mehr für Gegenverkehr. | Bild: Hans-Juergen Goetz
  • Neue Piste: Wie die neuen Pisten für die Landwirte aussehen werden, lässt sich beim neuen Industriegebiet Salzgrube bewundern. Dort wurde eine Umfahrung des Gebietes bereits gebaut, ausgeführt im Übrigen in Regie des städtischen Forstamtes, das über entsprechende Expertise aus dem Forstwegebau verfügt.
Dieser Feldweg beim neuen Industriegebiet "Salzgrube" im Zentralbereich wurde neu gemacht und soll das Vorbild für weitere Sanierungen sein.
Dieser Feldweg beim neuen Industriegebiet "Salzgrube" im Zentralbereich wurde neu gemacht und soll das Vorbild für weitere Sanierungen sein. | Bild: Hans-Juergen Goetz