Abgesehen von der Baustelle in der Rietstraße sieht das Marktgeschehen auf der "Villinger Mess" fast aus wie immer. Der Regen vom Donnerstag und die zahlreichen Händler sind verlässliche Zeichen für vier Tage Marktgeschehen in der Innenstadt. Auf der Mess' kauft man Dinge, die man in der Regel in den Geschäften nicht oder nur sehr selten bekommt. Näher hingeschaut gibt es auch Dienstleistungen, die man beim Kauf kostenlos dazubekommt.

Wenn ein Gürtel zu lang ist, wird er gleich von Richard Strömisch gekürzt.
Wenn ein Gürtel zu lang ist, wird er gleich von Richard Strömisch gekürzt. | Bild: Roland Dürrhammer

In der Bickenstraße steht seit 15 Jahren, immer an derselben Stelle, Richard Strömich mit seinem unerschöpflichen Sortiment an Ledergürteln, ganz klassisch in glattem Leder oder auch mit Nieten und Ösen bestickt in allen Längen und Breiten. Breite ist gut. Wo gibt es denn sonst Gürtel mit fünf Zentimetern Breite? Er hat für jeden etwas Passendes und was nicht passt, wird fachmännisch angepasst. Mit einer kleinen handbetriebenen Nähmaschine führt Strömich auch kleinere Reparaturen aus. "Da muss mal eine Schnalle ersetzt werden oder etwas nachgenäht werden", sagt Strömich, der sich über die vielen Stammkunden freut.

Nicht ganz so zentral, dafür aber sehr sonnig ist der Standplatz von Robert Reuter in der Niederen Straße, der bei gefühlten 25 Grad mit Fell gefütterte Lederhandschuhe, Hausschuhe und Lammfellsohlen verkaufen möchte. Auf die Frage, wie das geht antwortet Reuter ganz entspannt: "Wir verkaufen auch bei 30 Grad im Sommer, weil unsere Kunden die Qualität unsere Produkte schätzen und wir zwei Mal in Jahr hier sind." Was im Frühjahr von den Kunden bestellt wird, das holen sie im Herbst ab. Reuter fertigt im heimischen Großostheim alles rund um Lederwaren mit Lamm- oder Schaffell: Sitzauflagen für Rollstuhlfahrer, Bettauflagen, Hausschuhe, auch wenn jemand unterschiedliche Schuhgrößen hat. Alle Lammfell-Einlegesohlen für die ersten Kinderschuhe ab Größe 19/20 bis hin zu Größe 50/51 haben eine Korkauflage, die mit dem Lammfell vernäht ist. Reuter kommt seit 32 Jahren zwei Mal in Jahr nach Villingen.

Mit bunten Sabbertüchern und Mützen bestickt mit netten Sprüchen ist Beatrice Pape zum ersten Mal auf der Villingen Mess in der Oberen Straße.Bild: Roland Dürrhammer
Mit bunten Sabbertüchern und Mützen bestickt mit netten Sprüchen ist Beatrice Pape zum ersten Mal auf der Villingen Mess in der Oberen Straße. | Bild: Roland Dürrhammer

Dagegen muss sich Beatrice Pape aus dem Odenwald erst ihre Stammkundschaft in Villingen aufbauen. Sie ist mit ihrem Stand in der Oberen Straße zum ersten Mal auf der Villinger Mess', aber das Marktgeschehen kennt sie seit 15 Jahren. Pape näht bunte Sabbertücher und Mützen für Babys und Kleinkinder und bestickt sie noch mit netten Sprüchen. Sie ist mit ihrem kleinen Stand auf den Märkten in ganz Süddeutschland unterwegs und hat ein eigenes Label namens Bellua Bambini.

Während der Villingen Mess hat Misch Eugster seine Allerley Store von der Brunnnenstraße in die Niedere Straße verlegt.
Während der Villingen Mess hat Misch Eugster seine Allerley Store von der Brunnnenstraße in die Niedere Straße verlegt. | Bild: Roland Dürrhammer

Zurück in die Niedere Straße, Ecke Schlösslegasse: Dort kann man bei Mischa Eugster in den Szene Shop für Gothic, Steampunk, Rockabilly, Heavy Metal, Wornstar, Stagewear, Alchemy England und Mittelalter eintauchen. Er hatte sicher die kürzeste Anreise unter den Händlern. "Während der Markttage ist in unserem Allerley Store in der Brunnenstraße nicht viel los, und deshalb haben wir uns vor drei Jahren für einen Stand auf der Messe entschieden", sagt Eugster. Auch der Allerley Store hat wie Pape mit "Cut OFF" ein eigenes Label für Rock-& Stagewear. Neben den Kleiderständern fällt auch ein Regal mit Zylindern auf.

Pinzetten gibt es am Stand von Malgorazata Zawada in der Niederen Straße in allen Größen und Formen.
Pinzetten gibt es am Stand von Malgorazata Zawada in der Niederen Straße in allen Größen und Formen. | Bild: Roland Dürrhammer

Weiter die Niedere Straße hinauf kommt man am Stand von Faude Instruments vorbei. Der erste Eindruck ist, dass es hier alles für den Hobbymediziner gibt: Skalpelle, Pinzetten in allen Varianten, Zahnspiegel, Scheren und Stetoskope. "So ist das nicht", sagt Malgorazata Zawada. "Viele unserer Kunden benutzen die Instrumente für Bastelarbeiten, im Modellbau, der Werbetechnik oder als kosmetische Instrumente für Maniküre und Pediküre. Auffallend ist das riesige Sortiment an Pinzetten, gebogen, gerundet, spitz, mit Lupe oder auch Pinzetten zum Kochen. "Alle Pinzetten haben einen Spezialschliff und unsere Auswahl ist einzigartig", sagt Zawada. Aber was ist mit den Stetoskopen, das wäre doch was für den Hobbymediziner? Zawada grinst. "Die Stetoskope kaufen bei uns vor allem ältere Leute zum Puls messen."

Der kleine Rundgang zeigte einen Ausschnitt aus dem vielfältigen Angebot der Villinger Mess und dass es sich lohnt, nicht nur an den Ständen vorbei zu schlendern, sondern auch mal näher hinzuschauen. Vielleicht findet man dabei das, was man schon lange gesucht hat.