Anlieger aus dem Haslach klagten am Dienstag über eine massive Geruchsbelästigung im Wohngebiet. Als Quelle des Gestanks haben die Nasen mehrerer Anwohner unabhängig von einander das Asphaltmischwerk an der nahegelegenen Sommertshauser Halde identifiziert. „Es stank den ganzen Tag bestialisch nach Teer-Bitumen vom Mischwerk“, berichtete Egon Käfer aus der Königsberger Straße dem SÜDKURIER.

Falsche Versprechungen

Es stank bereits, so schildert Käfer, als er morgens zum Bäcker Tritschler fuhr, es stank noch mittags, als er um 12.30 Uhr das Haus erneut verließ und abends um 17 Uhr „war es noch schlimmer“, sagt Käfer. „Da hat es dann bei mir schon im ganzen Haus gestunken“. Das Problem, berichtet Käfer, bestehe schon seit zehn Jahren, seit es diese Anlage im Gewerbegebiet an der Sommertshauser Halde beim ehemaligen Ziegelwerk gibt. Damals sei den Bewohnern des Haslach seitens des Betreibers und der Stadt versprochen worden, dass es keine Geruchsprobleme gebe. Die Realität sehe anders aus. Zu der Verkehrsbelastung durch die zahlreichen Lastwagen, die täglich zum Asphaltmischwerk hin- und wieder wegfahren, hätten die Anlieger auch eine dauerhafte Geruchsbelästigung bekommen. Die Anlage, in der Asphalt für den Straßenbau hergestellt wird, sei den Anliegern von den Behörden damals „stillschweigend aufs Auge gedrückt worden“.

Folgenlose Beschwerde

„Hier war es ganz übel“, bestätigte Dieter Henke, ebenfalls Anlieger der Königsberger Straße, den Dauergestank. Auch er konstatiert, dass die Bewohner des Haslach schon seit der Fertigstellung der neuen Anlage vor zehn Jahren damit konfrontiert seien. Damals hätten sich Anwohner beim Gewerbeaufsichtsamt beschwert, die Beschwerde sei im Sande verlaufen. Das Ehepaar Henke hatte damals aber den Rat der Behörde aufgegriffen und jedes Mal Notizen gemacht, wenn es vom Asphaltwerk gerochen oder gestunken hat. Gestern holte Dieter Henke diese Statistik hervor.

Die Gestanks-Statistik

In den Jahren 2012 bis 2014, räumt er ein, weisen die Aufzeichnungen Lücken auf, vermutlich seien einige Notizen verloren gegangen. Seine Statistik der vergangenen Jahre sieht indes wie folgt aus: 2016 wurden Geruchsbelästigungen unterschiedlicher Intensität an 25 Tagen notiert, 2017 an 15 Tage, 2018 an 18 und 2019 bisher an 13 Tagen. „Oftmals währt die Belästigung eine halbe Stunde bis eine Stunde, manchmal aber auch mehrmals am Tag oder dauerhaft den halben oder den ganzen Tag.“ Dieter Henke ergänzt: „Unsere Beobachtungen sind sicher nicht vollständig und hängen zudem von der Wetterlage und der Windrichtung ab.“

Sorge vor Schadstoffen

Auch für Peter Sachse aus der Danziger Straße ist der Asphaltgeruch seit Jahren ein Thema. „Das fängt schon morgens ab 6.30 Uhr an.“ Angesichts der Geruchswolke, so Sachse, machten sich die Anlieger schon Gedanken, „was da neben dem Teergeruch noch so durch die Luft fliegt.“

Auch Obereschach betroffen

Die Geruchsbelästigung ist im Übrigen nicht aufs Wohngebiet Haslach beschränkt. „Wir riechen das auch, das hängt immer von der Windrichtung ab“, bestätigt ein Bürger aus Obereschach. Auch zwischen Königsfeld und Mönchweiler oder im Bereich der Firma Conti habe er den Teergeruch schon beim Radfahren in der Nase gehabt. „Wir fühlen uns schon sehr belästigt“, betont der Obereschacher. „Manchmal riecht es im ganzen Haus“. Wie Peter Sachse macht auch er sich Gedanken über mögliche Schadstoffe aus dem Schornstein der Asphaltmischanlage. Manchmal beobachtet er dort eine gelbliche Rauchfahne. „Die Behören sollten die Emmissionen einmal richtig durchmessen“, fordert er. Obereschachs Ortsvorsteher Klaus Martin indes sagt, er wisse nichts von Geruchsbelästigungen. Auf der Ortsverwaltung seien bisher keine Beschwerden eingegangen. Schwerwiegender sei für Obereschach der Schwerlastverkehr, der durch den Ort zum Asphaltwerke rolle.

Verantwortliche im Urlaub

Seitens des Betreibers der Anlage, der Deutschen Asphalt GmbH, einem Tochterunternehmen des Strabag-Baukonzerns, war gestern keine Stellungnahme zu bekommen. Die Verantwortlichen seien im Urlaub. Auch vom Gewerbeaufsichtsamt war urlaubsbedingt keine Stellungnahme zu bekommen. Eine Anfrage des SÜDKURIER soll nächste Woche beantwortet werden.