Viel Applaus erhielt Peer-Michael Dick gegen Ende seiner Rede bei der Mitgliederversammlung der Südwestmetall-Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau im neuen Verbandsgebäude Am Hoptbühl in Villingen. Grund war folgende Aussage des Hauptgeschäftsführers des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg: "Die Zeiten sind vorbei, in denen wir uns das haben gefallen lassen." Dick bezog sich dabei auf die abgeschlossenen Tarifverhandlungen mit der IG Metall. Diese hätten es in sich gehabt, so Dick.

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Bei der letzten Tarifrunde hatten die Gewerkschafter unter anderem Lohnerhöhungen um 4,3 Prozent durchgesetzt. Seit diesem Jahr erhalten die Beschäftigten der tarifgebundenen Betriebe der Metall- und Elektroindustrie auch ein Zusatzgeld in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatsgehalts. Beschäftigte mit Kindern unter acht Jahren oder pflegebedürftigen Angehörigen sowie jene, die seit mindestens zehn Jahren in Schichtarbeit tätig sind, können anstelle des Zusatzgeldes auch acht zusätzliche freie Tage beziehen.

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"Wir sehen uns mit einer äußerst komplexen Tariflandschaft konfrontiert, die KMU-feindlich ist", resümierte Dick vor regionalen Unternehmern der Metall- und Elektroindustrie. Mit KMU meint Dick kleine und mittlere Unternehmen. Für diese sei der mit den tariflichen Bestimmungen verbundene Verwaltungsaufwand fast nicht zu bewältigen. Größere Unternehmen hätten es da zwar einfacher, doch sei es auch für sie eine Belastung, so Dick. Deshalb setze Südwestmetall alles daran, sich solche Tarif-Abschlüsse nicht mehr gefallen zu lassen.

"Für kleine und mittlere Unternehmen ist der mit den tariflichen Bestimmungen verbundene Verwaltungsaufwand fast nicht zu bewältigen", sagt Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer Südwestmetall.
"Für kleine und mittlere Unternehmen ist der mit den tariflichen Bestimmungen verbundene Verwaltungsaufwand fast nicht zu bewältigen", sagt Peer-Michael Dick, Hauptgeschäftsführer Südwestmetall. | Bild: Marcel Jud

Scharfe Kritik äußerte auch der Vorsitzende der Südwestmetall-Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau, Joachim Schulz, in seiner Begrüßung zu Beginn der Mitgliederversammlung. Er zielte dabei jedoch nicht wie Dick auf die Sozialpartner, sondern nahm die Bundesregierung in Berlin ins Visier: "Wir vermissen bei der Großen Koalition den Mut, etwas für die Wirtschaft zu tun."

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Vor allem die Lohnnebenkosten seien durch die GroKo in die Höhe getrieben worden. Die Rentenpläne etwa stellten eine milliardenschwere Zusatzbelastung für künftige Generationen dar. Schulz kritisierte auch die Parität bei den Krankenkassenbeiträgen. "Unternehmer haben schon früher einen Großteil gezahlt. Jetzt kommt noch ein Schwung obendrauf", so der Bezirksgruppen-Vorsitzende.

Nachholbedarf bei digitaler Infrastruktur

Die Politik müsse sich auch überlegen, ob es richtig sei, immer mehr Geld in den sozialen Sektor zu stecken, wenn sie stattdessen dringend in die Infrastruktur investieren müsste. "Da muss erheblich repariert werden. In der Politik scheint man vergessen zu haben, dass wir uns in einem Standortwettbewerb befinden", betonte Schulz.

"Bei der digitalen Infrastruktur stehen wir im weltweiten Vergleich ganz hinten", sagt Joachim Schulz, Vorsitzender Südwestmetall-Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau.
"Bei der digitalen Infrastruktur stehen wir im weltweiten Vergleich ganz hinten", sagt Joachim Schulz, Vorsitzender Südwestmetall-Bezirksgruppe Schwarzwald-Hegau. | Bild: Marcel Jud

Vor allem bei der digitalen Infrastruktur gebe es erheblichen Nachholbedarf. "Da stehen wir im weltweiten Vergleich ganz hinten", so Schulz. Gerade die Region Schwarzwald-Hegau sei aber ein gutes Beispiel dafür, dass es auch in ländlichen Gegenden starke Unternehmen gebe. "Es braucht Investitionsanreize, damit mehr in die digitale Infrastruktur investiert wird", so Schulz.

"Es braucht mehr Zuwanderung"

Seine Regierungsschelte schloss Schulz mit der Forderung nach gesetzlichen Rahmenbedingungen, die den aktuellen Veränderungsprozessen in der Automobilwirtschaft und der Digitalisierung Rechnung trügen. Zudem machte er sich für eine gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften stark.

Vor allem für kleine und mittlere Unternehmen der Region werde es immer schwieriger, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden. Die GroKo müsse daher sicherstellen, dass das Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz zu Beginn des kommenden Jahres auch tatsächlich in Kraft trete: "Ohne Zuwanderung von Fachkräften werden wir unseren Wohlstand nicht halten können."