Nanu, denkt sich der Sparkassenkunde dieser Tage beim Besuch an der Hauptstelle an der Villinger Gerberstraße: Was ist da denn los: Alle Herren tragen keine Krawatte. Was bei dieser Hitze eigentlich selbstverständlich ist, das darf genau hier als durchaus besonders gelten. Weil: In diesem Geldinstitut gilt das Tragen von Schlips und Anzug als obligatorisch. Und jetzt – Sparkasse? Um es vorweg zu nehmen: Es ist epochal, was sich hier derzeit ereignet. Zum allerersten Mal in der Ära des Vorstandsvorsitzenden Arendt Gruben kam vorgestern der Erlass aus der Chefetage: Runter mit den Dingern – bei dieser Hitze. Und- man ahnte es, in Nullkommanichts waren die Binder weg und die Hemdenkragen offen.

Tief durchatmen. Arendt Gruben muss selbst schmunzeln, wenn er kurz nachdenkt: Ja – so etwas gab es bei ihm in der Sparkasse noch nie. Strenger Chef? Iwo. "Daran sieht man nun einfach, wie heiß es aktuell ist", witzelt Gruben ein wenig auch über sich selbst.

Falsche Hoffnungen darf sich bei den Sparkässlern niemand machen. Vorerst bis zum 10. August gilt der Erlass. Prolongation nicht ausgeschlossen, doch der legere Offene-Kragen-Sommer, irgendwann wird er hier enden. Wo kommen wir da auch sonst hin? Schließlich trägt man hier auch am 1. und 15 eines jeden Monats einheitlich den roten Schlips (RAL 3020, Verkehrsrot), was wiederum nichts mit einem wie auch immer gearteten Zahltag zu tun haben soll, wie es aus Belegschaftskreisen munkelt. Derweil atmen sie im Traditionshaus tief durch, heben die Mineralwasserflasche und stoßen an – auf einen nie endenden Sommer.