Zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe, einem einjährigen Berufsverbot sowie einer Geldstrafe und 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit wurde vor dem Amtsgericht Villingen ein Rechtsanwalt verurteilt. Der 44-jährige Jurist, Anwalt in einer renommierten Kanzlei in Villingen-Schwenningen, hatte eine Summe aus einem Immobilienverkauf, die ihm treuhänderisch anvertraut wurde, veruntreut.

Geld stammt aus Immobilienverkauf

Im Frühjahr 2015 wurde der Jurist damit beauftragt, 180 000 Euro aus einem Immobilien- und Grundstückverkauf treuhänderisch zu verwalten. Anstatt eines Treuhandkontos gab der Anwalt jedoch seine eigene Bankverbindung an; von dem Konto wurden regelmäßig Abbuchungen und Überweisungen an Dritte vorgenommen. In gutem Glauben zahlte die Geschädigte die Summe auf jene Kontoverbindung ein. Dass etwas nicht stimmt, bemerkte die Geschädigte erst einige Monate später: Als sie eine Gebäudeversicherung abschließen wollte und die Bank ihr mitteilte, dass sie nicht als Eigentümerin im Grundbuch stehe, weil bislang kein Geldeingang bei der Bank zu verzeichnen war.

Anwalt fälscht Kontoauszug

Auf Nachfrage bei dem Anwalt gab dieser an, dass das Geld inzwischen per Onlineüberweisung eingezahlt worden sei. Zum Beweis legte er einen, wie sich im Nachhinein herausstellte, gefälschten Kontoauszug vor. Die Situation spitzte sich für die Geschädigte zu, weil sie über mehrere Monate Angst hatte, dass sowohl ihr Geld weg ist, als auch das Haus von der Zwangsversteigerung bedroht war und sie plötzlich auf der Straße sitzen würde. "Ich hatte Angst, dass das Geld weg ist und ich als alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern auf der Straße sitze", schilderte die Geschädigte im Zeugenstand.

Nur noch elf Euro auf dem Konto

Vor Gericht legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab. Von dem veruntreuten Geld ist nichts mehr übrig. Ende 2017 lag der Kontostand, der zwischenzeitlich mehr als 200 000 Euro betrug, gerade noch bei elf Euro. Wofür der Anwalt das Geld ausgegeben hatte, dazu machte er vor Gericht keine Angaben. Inzwischen hat er der Geschädigten die veruntreute Summe zurückbezahlt. Das Geld stammt, wie er sagt, von einem befreundeten Unternehmer, der ihm die Summe als Darlehen zur Verfügung gestellt habe. Er selbst könne wegen schwerer psychischer Probleme nur eingeschränkt arbeiten. Er sei nach wie vor in der Anwaltskanzlei tätig.

Berufsverbot für ein Jahr für den Anwalt

Das Gericht blieb mit seinem Urteil geringfügig unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß und verurteilte ihn zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. Außerdem muss er je 1500 Euro an zwei soziale Einrichtungen in Villingen, die Tafel und die Wärmestube, bezahlen. Zudem wurden ihm 80 Stunden gemeinnützige Arbeit "als persönlichen Unrechtsausgleich" auferlegt. Seinen Beruf als Rechtsanwalt darf er ein Jahr lang nicht ausüben.

Verteidigern: "Ansehen der Anwaltschaft beschmutzt"

"Dieser Fall hat das Ansehen der Anwaltschaft schwer beschmutzt. Aber es darf nicht der Eindruck entstehen, dass alle Anwälte so sind", sagte die Verteidigerin in ihrem Plädoyer. Der Angeklagte entschuldigte sich vor Gericht bei der Geschädigten "für die Beeinträchtigung und schwierige Zeit, die sie durchmachen musste."