In Hand- und Fußfesseln hatten ihn Justizbeamte in den Saal des Amtsgerichts Villingen-Schwenningen geführt: Gegen Ende der Verhandlung sagte der 23-jährige Angeklagte an seine Opfer gerichtet: „Es tut mir wirklich leid. Mehr kann ich nicht sagen.“ Er hatte das letzte Wort, bevor ihn das Schöffengericht wegen gefährlicher Körperverletzung in einem Fall und vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilte. Er muss nun 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und die Kosten des Verfahrens tragen.

Dem Urteil war eine zähe, über vier Stunden andauernde Verhandlung vorausgegangen. Erst nach und nach konnte anhand der Zeugenaussagen rekonstruiert werden, was sich an einem frühen Sonntagmorgen Anfang September 2018 in der Villinger Innenstadt zugetragen hatte. Gegen fünf Uhr morgens verließen ein Ehepaar, deren 20-jährige Tochter und der Bruder des Vaters in Begleitung eines Kollegen der Tochter den Irish Pub in der Färberstraße. Bei einem nahegelegenen Parkplatz wollten sie auf den Vater des 19-jährigen Kollegen der Tochter warten, der sie mit dem Auto abholen sollte.

Vor dem Pub kamen die Tochter der Familie und ihr Kollege mit dem Angeklagten ins Gespräch, der mit anderen jungen Männern unterwegs war. Der aus Syrien stammende 23-Jährige sagte dann ein paar Worte in seiner Muttersprache und fragte seine Gesprächspartner, ob sie ihn verstünden. Als diese scherzhaft bejahten, wurde der Angeklagte aggressiv und schrie um sich.

„Seine Kollegen haben ihn festgehalten und versuchten, ihn zu beruhigen“, beschrieb der 19-jährige Kollege der Tochter das Geschehen. Sie seien dann weitergegangen. Kurz darauf sei es losgegangen: Der Angeklagte habe sich losgerissen und eine Flasche geworfen.

Laut den Aussagen der Geschädigten endete das Ganze in einem Tumult, in dessen Verlauf der Familienvater mit dem Hinterkopf auf dem Boden aufschlug und das Bewusstsein verlor, seine Frau auf den Hinterkopf geschlagen wurde und sein Bruder vom Angeklagten so heftig geschlagen und gezerrt wurde, dass dieser an einem Arm einen doppelten Sehnenabriss im Schultergelenk davontrug. Dazwischen ging der Angeklagte auch noch kurz auf den Kollegen der Tochter los, schlug ihm ins Gesicht und trat ihm gegen das Knie, bevor er wieder auf sein am Boden sitzendes Opfer einschlug.

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Als die Polizei anrückte, floh die Gruppe des Angeklagten. Er selbst blieb zurück und wurde noch vor Ort festgenommen. Später kam er in Untersuchungshaft, wo er bis zum Prozessauftakt einsaß. Er gestand die Schläge gegen den Bruder des Familienvaters und räumte ein, es könne sein, dass er der Familienmutter unabsichtlich einen Schlag verpasst habe. Zu den Schlägen gegen den Kollegen der Tochter wollte er keine Erklärung abgeben.

Diese sah die Staatsanwältin jedoch als erwiesen an, im Gegensatz zu dem in der Anklageschrift erhobenen Vorwurf der Mitverantwortung des Angeklagten am Sturz des Familienvaters. Kein Zeuge habe sagen können, wie dieser zu Boden gekommen sei, so die Staatsanwältin. Sie forderte in ihrem Schlussplädoyer eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren. Diese könne jedoch zur Bewährung ausgesetzt werden, da der Angeklagte das erste Mal vor Gericht stehe und durch die Untersuchungshaft bereits vier Monate Hafterfahrung gesammelt habe.

Angeklagter stand unter Alkohol- und Cannabiseinfluss

Auch der Anwalt des 23-Jährigen bestätigte, dass die Zeit im Gefängnis für seinen Mandanten einschneidend gewesen sei. Zudem verwies er darauf, dass der Angeklagte laut eines toxikologische Gutachtens zur Tatzeit unter Alkohol- und Cannabiseinfluss gestanden habe. „Dennoch muss aufgrund der Tat eine Freiheitsstrafe ausgesprochen werden“, betonte der Anwalt und plädierte für ein Jahr auf Bewährung. Diese begründete er auch mit der erbrachten Integrationsleistung seines Mandanten, der als Geflüchteter nach Deutschland gekommen war, schnell Deutsch gelernt hatte und im Herbst eine Ausbildung beginnt.

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Das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft in allen Punkten. Richter Christian Bäumler ermahnte den Angeklagten nach dem Urteil, dass er in Haft komme, wenn er noch einmal eine Straftat begehe. „Sie haben eine furchtbare Tat begangen, die bei den Geschädigten Angst und Schrecken ausgelöst hat“, so Bäumler.