Keinen Zweifel ließ Amtsrichter Bäumler an der Unschuld eines offensichtlich zu Unrecht beschuldigten Mannes. Der ehemalige Angestellte und heutige Gelegenheitsjobber aus Villingen-Schwenningen war beschuldigt worden, einen Kaufmann nicht nur um 50 000 Euro erpresst zu haben, sondern ihn sowie dessen Tochter mit körperlicher Gewalt und sogar mit dem Tode bedroht zu haben. Als Beweis diente hier nach Ansicht der Staatsanwaltschaft aus Konstanz eine dem Bedrohten zugestellte SMS, in der es unter anderem hieß: "Wir kommen in der Nacht und dann sollst Du mal erleben, wie arabische Kamelscheiße brennt".

In der Verhandlung, zu der fünf Zeugen geladen waren, ging es in erster Linie darum, dem Angeklagten nachzuweisen, dass diese Drohungen als SMS über sein Handy verschickt worden seien. Und genau daran hakte die gesamte Beweisführung. Es wurde nicht nur festgestellt, dass die Handynummer niemals dem Angeklagten zugeordnet werden konnte, sondern dass darüber hinaus sogar einige Indizien auf einen anderen Täter hinwiesen. So räumte selbst der Vertreter der Anklage in seinem Plädoyer ein, dass der Angeklagte wohl nicht schuldig und somit freizusprechen sei. Dies hatte auch die Rechtsanwältin gefordert.

Das sei ihm in sieben Jahren als Anklagevertreter noch nicht passiert, so der Staatsanwalt, der im Übrigen die Ermittlungen nicht persönlich geleitet hatte. Hier sei bereits bei den Ermittlungen einiges schief gelaufen: In den weiteren Ermittlungen war nämlich festgestellt worden, dass das Täterhandy unter einem falschen Namen angemeldet gewesen sei. Man habe einen Verdacht, wer der wahre Täter sein könnte, allerdings keien Beweise. Zwar habe man die Funkzelle bestimmen können, aus der heraus die SMS verschickt worden war, aber da es sich hierbei um ein Wohngebiet in Villingen-Schwenningen mit dichter Bebauung handele, sei es auch dadurch nicht möglich gewesen, eine konkrete Zuordnung zu gewährleisten. Da könne man nichts machen, um den Handybesitzer zu ermitteln.