Seit dem Jahr 2016 wird die Halle der alten Ziegelei in Villingen zur Zwischenlagerung von Gießerei-Altsanden genutzt. Jetzt will die Eigentümerin, die Firma Koch, dort – zusätzlich zu der bisherigen Nutzung – auch Klärschlämme und sogenanntes KSP-Glas zwischenlagern. Sie will dazu in Kürze den Genehmigungantrag beim Landratsamt stellen.

  • Was ist KSP-Glas?: Bei diesen speziellen Glasabfällen handelt es sich um feinen Sand, der bei der Verwertung der normalen Glasabfälle übrig bleibt. Dieser sei nicht schadstoffbelastet, rieche nicht und sei umweltverträglich, so die Firma bei einem Pressegespräch im Landratsamt. Das KSP-Glas soll im Zementwerk in Dotternhausen als Zusatzstoff in der Zementproduktion weiterverarbeitet werden. Das reduziere dort den Bedarf an Rohmaterial aus der lokalen Kalkgrube.
  • Was ist Klärschlamm?: Hier gehe es um mechanisch entwässerten Klärschlamm mit einem Wassergehalt von 60 bis 70 Prozent, wie er in jeder Kläranlage anfalle, so die Verantwortlichen. Er sei staubfrei und fast geruchsneutral. Seit 2018 dürften diese Klärschlämme nicht mehr auf den Feldern ausgebracht werden und müssten fachgerecht entsorgt werden. Er eigene sich aber bestens als Brennstoff bei der energieaufwändigen Zementproduktion – und damit als Ersatz für Braunkohle.
Das ist die alte Ziegelei, wo zukünftig neben den Gießerei-Altsanden auch Klärschlamm und KSP-Glas (Sand) bis zur Verwendungen in der Zementindustrie zwischengelagert werden sollen.
Das ist die alte Ziegelei, wo zukünftig neben den Gießerei-Altsanden auch Klärschlamm und KSP-Glas (Sand) bis zur Verwendungen in der Zementindustrie zwischengelagert werden sollen. | Bild: Hans-Juergen Goetz
  • Warum ein Zwischenlager?: Im Laufe eines Jahres fallen unterschiedliche Mengen von Klärschlamm und KSP-Glas an. Auf der Abnehmerseite werden die Öfen in der Zementproduktion jedes Jahr einer längeren Revision unterzogen und können in dieser Zeit keine Roh- und Brennstoffe abnehmen. Somit braucht es regionale und überdachte Lagerkapazitäten als Zwischenpuffer. Angeliefert werden Abfallprodukte im Zwischenlager eher flexibel mit kleinen Fahrzeugen. Dagegen erfolgt der Weitertransport zu den Zementwerken mit großen Lastern.
  • Warum Villingen?: Weil es hier schon ein funktionierendes, genehmigtes Zwischenlager gibt, das noch freie Kapazitäten aufweist. Außerdem liegt es günstig zwischen den Lieferanten und den Abnehmern dieser Abfallprodukte.
  • Welche Mengen sind geplant?: Bisher werden pro Jahr bereits 10 000 Tonnen Gießerei-Altsande in der Halle zwischengelagert. Nun sollen zusätzlich noch bis zu 3000 Tonnen Klärschlamm und weitere 1000 Tonnen KSP-Glas dazu kommen.
  • Wieviel mehr Laster-Verkehr bedeutet das?: Der Betreiber rechnet vor, dass das übers Jahr hochgerechnet 1,5 Laster pro Tag an zusätzlichem Verkehr bedeutet. Dabei fahren die großen 40-Tonner mit ihrer Ladung für die Zementwerke ausschließlich über die B 523 und den Nordbogen zur alten Ziegelei an und ab.
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  • Welche zusätzlichen Emissionen sind zu erwarten?: Der Betreiber hat als Grundlage zur angestrebten Genehmigung bereits drei neue Umweltgutachten in Auftrag gegeben. Danach komme es in der allernächsten Umgebung kaum zu einer zusätzlichen Geruchsbelastung, hieß es. Bereits in den ersten Häusern im Haslach sei demnach rein gar nichts mehr zu riechen. Der Lärm nehme dort demnach um maximal ein Dezibel zu. Das sei über das Jahresmittel gerechnet, wobei diese Anlage nur an Werktagen betrieben werde. Das wasserrechtliche Gutachten zeigt keine Verschlechterung auf, da die Anlage komplett überdacht ist und der betonierte Boden eine zuverlässige Abdichtung gegenüber dem Erdreich gewährleiste.
  • Wie geht es nun weiter?: Nach der gestrigen Information für die Öffentlichkeit will die Betreiberfirma den Genehmigungsantrag beim Landratsamt in den kommenden Tagen einreichen. Laut Joachim Gwinner, Erster Landesbeamter des Landkreises, ist nur ein vereinfachtes Verfahren notwendig, da es sich nur um eine Steigerung der Lager- und Umschlagsmengen von weiteren umweltverträglichen Abfallstoffen handele. Dabei werde die Stadt Villingen-Schwenningen um ihr Einvernehmen angefragt. Nach bisherigen Kenntnisstand rechnet Gwinner mit einem Abschluss noch im ersten Halbjahr – vorausgesetzt, es gebe keine Einsprüche aus der Bevölkerung. Bürgermeister Detlev Bührer machte klar, dass die endgültige Entscheidungsbefugnis beim Landkreis liege, nicht bei der Stadt.
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