Die Fastnacht rückt näher und damit auch die großen Umzüge in Villingen und Schwenningen, aber auch im Stadtbezirk Marbach. Die veranstaltenden Vereine stehen dabei vor der Aufgabe, die im vergangenen Jahr mit der Stadtverwaltung vereinbarten Auflagen eines neuen Sicherheitskonzepts umzusetzen, das in Zusammenarbeit mit einem externen Sicherheitsexperten ausgearbeitet wurde.

Die Herausforderung in diesem Jahr: Alle Umzugswagen, die von einer motorisierten Zugmaschine oder einem Traktor gezogen werden, benötigen dieses Mal einen Notausknopf. Ohne diese Sicherheitseinrichtung soll kein Wagen mehr für die Umzüge zugelassen werden.

Roland Nopper von der Hexenzunft steht vor dem großen Hexenwagen und zeigt das neue Sicherheitssystem, eine Funkklingel. Die Wagenbegleiter bekommen einen Sender in die Hand (links), der im Notfall gedrückt wird. Dann ertönt an der Empfängerbox (rechts), die im Führerhaus installiert wird, ein lauter Klingelton. Der Fahrzeugführer stoppt darauf das Fahrzeug. <em>Bild: Jochen Hahne</em>
Roland Nopper von der Hexenzunft steht vor dem großen Hexenwagen und zeigt das neue Sicherheitssystem, eine Funkklingel. Die Wagenbegleiter bekommen einen Sender in die Hand (links), der im Notfall gedrückt wird. Dann ertönt an der Empfängerbox (rechts), die im Führerhaus installiert wird, ein lauter Klingelton. Der Fahrzeugführer stoppt darauf das Fahrzeug. Bild: Jochen Hahne
  • Notfallknopf: Mit dem Notfallschalter soll gewährleistet werden, dass eine Zugmaschine sofort das Fahrzeug stoppt, wenn die obligatorischen Fahrzeugbegleiter der Umzugswagen ein Signal ins Führerhaus geben. Damit soll verhindert werden, dass Personen von den Umzugswagen überrollt werden. Dahinter steckt vor allem die Sorge, dass ein Kind bei der Jagd nach den von den Wagen ausgeworfenen Süßigkeiten unter ein Fahrzeug geraten oder ein Wagen beim Ausschwenken in einer Kurve einen Zuschauer erfassen und einklemmen könnte.
  • Nachrüstung Pflicht: Derzeit sind die Zünfte, die mehrere Umzugswagen besitzen, dabei, ihre Fahrzeuge umzurüsten, was auch mit einigem finanziellen Aufwand verbunden ist. Vor allem die Wagenbauer der Villinger Katzenzunft sind gefordert. Sie allein müssen 16 Fahrzeuge nachrüsten. "Wer dies nicht macht, darf am Umzug nicht fahren", berichtet Anselm Säger.
    Er ist nicht nur Zunftmeister der Historischen Narrozunft als größtem Fastnachtsverein der Stadt, sondern auch stellvertretender Vorsitzender der Zuggesellschaft Villingen, der Vereinigung der umzugsbeteiligten Fastnachtsvereine. Säger und seine Vorstandskollegen von den anderen Zünften sind fest entschlossen, diese Selbstverpflichtung durchzuziehen. "Wir Vereine wollen damit ein Zeichen setzen, dass wir hinter dieser Sache stehen", betont der Zunftmeister.
  • Erleichtert über Kompromiss: Denn die Fastnachtsvereine sind halbwegs erleichtert, dass es vergangenes Jahr gelungen sei, beim Sicherheitskonzept mit der Stadtverwaltung vernünftige Kompromisse zu erzielen und manche Vorschläge des externen Sachverständigen, eines Anwalts aus Konstanz, abzuwenden. Beispielsweise rückte die Stadt von der Auflage ab, dass jedes einzelne Pferd der stolzen Kavalleristen der Villinger Bürgerwehr künftig von einem extra Pferdebegleiter am kurzen Zügel geführt werden muss, damit nichts passiert. Der Notfallknopf für die Umzugswagen wurde indes von allen Verantwortlichen als sinnvoll betrachtet. Allerdings verwarf man die ursprüngliche Idee, dass per Knopfdruck die Motoren automatisch ausgeschaltet und die Fahrzeuge eine Vollbremsung hinlegen. Viel zu gefährlich für die Personen, die sich auf den Umzugswagen befinden, lautete das Urteil der Praktiker.
  • Hexenzunft mit Funkklingel: Eine erste technische Lösung hat die Villinger Hexenzunft bereits bei der letzten Fastnacht umgesetzt, die offenbar gut funktioniert. Die Hexen haben ein kostengünstiges Klingelsystem auf Funkbasis angeschafft. Wie das funktioniert, schildert Roland Nopper, der Fahrzeugverantwortliche der Hexenzunft. Die Wagenbegleiter, die den großen Hexenwagen eskortieren (jeweils zwei pro Achse), werden mit einem Funksendegerät ausgestattet. Im Notfall drücken sie auf den Sender, und im Führerhaus der jeweiligen Zugmaschine ertönt aus der dort installierten Empfangsbox ein lautstarker Klingelton. Der Fahrzeugführer ist dann gehalten, sofort zu stoppen. Eine simple und günstige Lösung. Mehrere andere örtliche Fastnachtsvereine haben sich bereits für dieses System interessiert und wollen es übernehmen, berichtet Nopper.

  • Appell an die Zuschauer: Die Narrozunft Villingen will ihre vier motorisierten Umzugswagen in den nächsten Tagen nachrüsten. Die technische Ausrüstung sei bereits geliefert, müsse aber noch aktiviert werden, berichtet Schirrmeister Michael Reiser. Doch bei aller Technik appelliert Reiser auch an die Eigenverantwortung der Zuschauer. Vor allem, findet er, müssten Eltern auf ihre eigenen Kinder achten, damit diese nicht in gefährliche Situationen geraten. Schön wäre es, wenn die Besucher die Verantwortung nicht nur an die Veranstalter abgeben sondern auf sich und die anderen Menschen in ihrem Umfeld achten würden, so der Appell von Reiser. An den Eckpunkten des neuen Sicherheitskonzepts wird sich ansonsten dieses Jahr nicht viel ändern. Wie bereits im letzten Jahr wird auf die Absperrung der Umzugsstrecke mit Kordeln verzichtet. Die Seile stellen eher Stolperfallen dar, befand das Bürgeramt. In den Kurven werden indes Gitter aufgestellt. Die verschärften Auflagen für das Feuerwerk der Glonki-Gilde bleiben bestehen. Hier müssen größere Abstände zum Publikum eingehalten werden und mehr Feuerwehrleute vor Ort sein.
  • Malzerauswurf reguliert: Im Namen der Sicherheit wird selbst der Malzerauswurf reguliert. Die Vereine sind gehalten, ihre Süßigkeiten vom Wagen weiter nach hinten zu werfen, damit die Zuschauer nicht zu nahe an die Fahrzeuge drängen. Klarer Vorteil also für die Süßigkeitenjäger in den den hinteren Reihen. Auch in den Innenkurven sollen aus Sicherheitsgründen keine Malzer ausgeworfen werden.