Ob sich der Gemeinderat einen Gefallen tut, wenn er die Richthofenstraße umbenennt, darf bezweifelt werden. Die Straße heißt seit Jahrzehnten so und ist in Villingen eine fest eingeführte Begrifflichkeit. Jetzt mit einer Umbenennung daher zu kommen, dürfte auf wenig Akzeptanz der Bevölkerung und der Anlieger stoßen. Gewiss ist der Namensgeber der Straße, Manfred von Richthofen, der erfolgreichste deutsche Jagdflieger des Ersten Weltkriegs, später von den Nazis ideologisch vereinnahmt und zum Helden stilisiert worden. Doch dafür konnte er nichts. Er starb 1918 beim Kriegseinsatz mit gerade mal 26 Jahren. In Deutschland sind in zahlreichen Städten, von Freiburg bis Kiel, Straßen nach ihm benannt. Dort werden sie nicht unbenannt. Der Gemeinderat sollte daher die Kirche im Dorf lassen. Was machen wir sonst mit der Tallardstraße oder Obrist-Äscher-Straße? Tallard hat Villingen bombardiert, Äscher hat Schwenningen niedergebrannt. Man könnte weitere Beispiele aufzählen. Alles umbenennen?

Abraten kann man dem Gemeinderat auch, das jetzige Wohngebiet Welvert umzubenennen. Es trägt den Namen des französischen Generals Marie-Joseph-Edmond Welvert, der in Villingen niemand was sagt. Aber im villingerischen Idiom ist das "Wellwert" inzwischen eine feste Größe. Belassen wir es doch bei diesem Namen in Erinnerung an die Zeit französischer Truppen in Villingen. Der Vorschlag der Stadt, die einstigen Kasernenquartiere umzubenennen in "Im Brühl Süd", „Im Brühl Ost" und "Im Brühl West", ist außerdem nur einfältig. Da kann kein Mensch das eine vom andern unterscheiden. Bessere Vorschläge sind gefragt.