Teuer zu stehen kommt dem Villinger Spitalfonds die Zeche für die fristlose Entlassung der ehemaligen Heimleiterin des Heilig-Geist-Spitals im Jahre 2016. Für eine Abfindung sowie noch ausstehende Leistungen muss die städtische Stiftung, die das Seniorenheim betreibt, an die ehemalige Heimleiterin nach SÜDKURIER-Informationen rund 85 000 Euro überweisen.

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Damit ist die juristische Auseinandersetzung für teures Geld erledigt. Zuvor war die Geschäftsführung der städtischen Stiftung, vertreten durch Geschäftsführer Günter Reichert und Hausanwalt Karl Kellner, mit ihren Anschuldigungen gegen die leitende Angestellte in zwei Instanzen des Arbeitsgerichts juristisch auf ganzer Linie gescheitert. Sie hatten im Juli 2018 auch das Beharren der entlassenen Heimleiterin auf ihrem Rechtsanspruch auf Wiedereinstellung zurückgewiesen (wir berichteten). So blieb der Stiftung am Ende nur noch die Option, den Rechtsstreit durch eine Entschädigung zu regeln. Die Stadträte im Aufsichtsgremium des Spitalfonds, dem Stiftungsrat, sollen Ende letzten Jahres der Abfindung zugestimmt haben.

Rückblick

Der Spitalfonds hatte Ende 2016 die Heimleiterin und einen weiteren Mitarbeiter wegen des Vorwurfs von Unregelmäßigkeiten bei der Beschaffung von Nahrungsergänzungsmitteln zum Nachteil der Heimbewohner fristlos gekündigt. Die beiden Gekündigten klagten dagegen vor dem Arbeitsgericht. Die Heimleiterin siegte in zwei Instanzen. Mit dem anderen Mitarbeiter hat sich der Spitalfonds, als auch dieser Prozess zu verloren zu gehen drohte, außergerichtlich verglichen. Wie teuer dieser Vergleich ausfiel, ist nicht bekannt. Auch mit seiner Strafanzeige gegen die beiden Ex-Mitarbeiter scheiterte der Spitalfonds. Die Staatsanwaltschaft stellte ein Ermittlungsverfahren mangels Beweisen ein.

Personalabgänge

Inzwischen ist die Heim- und Hausleitung im traditionsreichen Heilig-Geist-Spital neu aufgestellt worden. Denn seit gut einem Jahr gibt es zwei Häuser: den Altbau in der Schertlestraße 2 sowie das neue Pflegeheim am Warenbach. Allerdings kehrt in der Einrichtung keine Ruhe ein. Vor Weihnachten haben sich mehrere Mitarbeiter vertraulich an den SÜDKURIER gewandt, und brachten ihre Unzufriedenheit über das Arbeitsklima in der einstigen Vorzeigeeinrichtung zum Ausdruck. Nach deren Schilderungen haben angeblich sechs oder sieben Pflegefachkräfte und drei Pflegehilfskräfte das Seniorenheim in den Wochen vor Weihnachten verlassen, die meisten seien auf eigene Initiative gegangen. Zwei Personen, erfahrene Pflegefachkräfte, seien von der Geschäftsführung in der Probezeit gekündigt worden. Die Kündigungen seien ohne Ankündigung per Post kurz vor Weihnachten zugestellt worden, berichten die Betroffenen. In der letzten Sitzung des Stiftungsrates soll die prekäre Personalsituation in der Einrichtung ebenfalls diskutiert worden sein. Nach SÜDKURIER-Informationen soll Geschäftsführer Reichert und die Verantwortlichen der Heimleitung die Entlassungen der Fachkräfte mit deren angeblichem Fehlverhalten begründet haben. In den Raum gestellt wurden auch Aussagen, dass Mitarbeiter Geld kassiert hätten, um Beschäftigte für anderen Einrichtungen abzuwerben.

Die Mitarbeiter-Sicht

Von den Mitarbeitern des Heilig-Geist-Spitals, die sich an unsere Redaktion gewandt haben, wird die hohe Fluktuation im Hause indes anders erklärt. Die Ursachen seien keineswegs nur durch externe Faktoren wie dem allgemeinem Personalmangel in der Pflege zu erklären, sondern seien auch hausgemacht, sagen Mitarbeiter, die aus Angst vor Sanktionen namentlich nicht genannt werden wollen. Besonders mit der Eröffnung des neuen Pflegeheims am Warenbach, so schildern sie, sei der ohnehin hohe Arbeitsdruck auf die Belegschaft noch einmal spürbar gewachsen. Wer nicht mitziehe, Fehler mache oder sich kritisch äußere, werde gemaßregelt, es hagle förmlich Abmahnungen. Einige hätten Konsequenzen gezogen und seien gegangen. Die Lücken würden nun mit Freiberuflern und Zeitarbeitskräften aufgefüllt. Die Stimmung sei im Keller, äußert eine Fachkraft, die dafür auch den autoritären Führungsstil "von oben" dafür verantwortlich macht.

Fehlende Wertschätzung beklagt

Ein anderer Mitarbeiter beklagt, es gebe von der Leitung "keine Wertschätzung" für die Mitarbeiter, die Menschlichkeit bleibe auf der Strecke. Ebenso sieht dies jene Pflegefachkraft, der vor Weihnachten in der Probezeit gekündigt wurde. Ihr sei vorgeworfen worden, sie habe "Unruhe in den Betrieb" gebracht. Die wahre Ursache sei wohl gewesen, dass sie bei einer Dienstbesprechung auf einige Missstände hingewiesen habe. "Wer den Mund aufmacht, fliegt", sagte die Entlassene. Der SÜDKURIER hat versucht, der anderen Seite Gelegenheit zu geben, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Geschäftsführer Günter Reichert, vom SÜDKURIER zu den Anschuldigungen befragt, lehnte eine Stellungnahme indes ab. "Wir äußern uns nicht zu internen Personalangelegenheiten", betonte er.