Herr Oberbürgermeister, wenn Sie jetzt die Bewerber um Ihre Nachfolge im Wahlkampf erleben, was geht Ihnen da durch den Kopf?

Gottseidank bist Du nicht einer von Ihnen. Meine Frau hat ein paar Mal gesagt, wenn jetzt Wahlkampf wäre, könnten wir nicht so entspannt Urlaub machen. Wahlkampf ist schon sehr stressig. Und: Ich möchte mich nicht mehr auf die umfassende Nutzung der sozialen Netzwerke als Mittel des Wahlkampfs einlassen.

Sie erleben gerade ihre letzte politische Sommerpause in VS. Wie haben Sie diese verbracht?

Ich habe Urlaub gemacht, bin jetzt aber wieder im Dienst.

Wo waren Sie denn?

Ich war mit meiner Frau im Norden Kanadas und Alaskas unterwegs und habe mich mit dem Goldrausch um das Jahr 1900 befasst.

Damit waren sie von den Sorgen von zu Hause ja weit weg?

Einige tausend Kilometer. Das war sehr entspannend und die Natur sehr beeindruckend. Wir haben acht Bären gesehen, zwei Grizzlys und sechs Schwarzbären, darunter auch eine Schwarzbärmutter mit zwei Jungen. Aber, um auf Ihre Frage einzugehen: Zu Hause habe ich ja derzeit nicht so viele Sorgen.

Nun ja: Im Sommerloch in VS ist das Thema Zentralisierung der Verwaltung auf dem Mangin-Gelände höchst kontrovers diskutiert worden. Macht Ihnen das keine Sorgen? Es gibt offenbar einige Widerstände und Ängste aus Schwenningen.

Die Bündelung von großen Teilen der Verwaltung auf dem Mangin-Gelände bringt der ganzen Stadt erhebliche Vorteile. Das hat auch der Gemeinderat schon mehrfach mit breitester Mehrheit so erkannt und entsprechende Beschlüsse gefasst. Allein die erheblichen Zuschüsse in zweistelliger Millionenhöhe für die Sanierung und Neunutzung des Kasernengeländes machen dieses Projekt sehr schnell und vor allem langfristig sehr wirtschaftlich. Durch den Beibehalt der Stadtverwaltung in den beiden Rathäusern bleibt darüber hinaus auch künftig sichergestellt, dass die Verwaltung bei den Bürgern bleibt.

Glauben Sie, dass der Stadtbezirk Schwenningen politisch abgehängt wird, wie dies dort einige Stadträte fürchten?

Ich habe für Emotionen durchaus Verständnis, aber diese Befürchtungen und Ängste entbehren jeglicher Grundlage. Uns steht ja gerade in Schwenningen durch die Hochschulen und Schulen, etwa die Sanierung des Deutenberg-Gymnasiums oder der enormen Erweiterung der Polizeihochschule, sowie durch die Sanierung der Innenstadt mit dem Forum Schwenningen, der Muslenplatz- und Marktplatzsanierung eine äußerst dynamische Entwicklung bevor.

Würde es Sinn machen, im Schwenninger Rathaus ein drittes Dezernat einzuführen, wie die SPD vorgeschlagen hat, um die politische Balance zwischen den großen Stadtbezirken zu wahren?

Darüber muss der Gemeinderat entscheiden. Wichtig ist die Effizienz der Verwaltung und nicht die Zahl der Dezernate.

Braucht unser Gemeinderat einen festen Sitzungssaal auf dem Mangin-Areal? Auch hier gibt es ja Bedenken aus Schwenningen.

Die Frage, wo der Gemeinderat tagt, ist von nachgeordneter Bedeutung. Die Idee, den Ratssaal mit dem Archiv in einem Gebäude zu realisieren, ist durchaus attraktiv, aber in keiner Weise zwingend. Und ich kann verstehen, wenn aus emotionalen Gründen hier eine Verteilung der Sitzungsorte gewünscht wird.

Droht Ihnen bei der Bündelung der Stadtverwaltung ein wichtiges Thema, in das Sie viel Arbeit investiert haben, doch noch zu entgleiten, oder steht die Mehrheit?

Da die Argumente, die bisher ausgetauscht wurden, vom Gemeinderat mehrfach bewertet wurden, kann ich mir nicht vorstellen, dass der Rat nun zu einer neuen Bewertung kommt.

Es gibt noch andere offene Baustellen, die Sie wohl hinterlassen werden. Da wäre das Schwenninger Forum. Kann dieses Projekt noch erfolgreich werden, nach dem die Konkurrenz in Singen demnächst das ECE-Center bauen will?

Ich gehe davon aus, dass dieses Projekt so umgesetzt wird wie zuletzt beschlossen und im nächsten Jahr mit dem Bau begonnen werden kann. Derzeit ist geplant, in diesem Jahr den Bebauungsplan fertig zu machen, so dass 2019 mit den Baumaßnahmen begonnen weden kann.

Bei der laufenden Sanierung des Schwenninger Markplatzes stöhnen der dortige Handel und die Dienstleister über zum Teil 70 Prozent Umsatzrückgang. Droht die Sanierung zum Desaster zu werden?

Eine Sanierung, wir weden das demnächst auch in der Rietstraße in Villingen merken, führt immer zu Belastungen für die Anlieger. Das liegt in der Natur der Sache. Aber wenn man sich entscheidet, etwas zu sanieruen, muss man dies zumindest eine begrenzte Zeit in Kauf nehmen in der Erwartung, dass es dann deutlich besser wird. Ich weiß, dass es hart ist. Die gleichen Diskussionen werden wir wohl auch in der Rietstraße bekommen. Ich habe dafür großes Verständnis. Doch die minimalinvasive Baumaßnahme funktioniert noch nicht.

Bereiten Sie sich schon auf ein Leben ohne Politik vor?

Intensiv! Zum einen geht es um eine mentale Vorbereitung auf einen geänderten Tagesablauf. Zum anderen bereite ich mich natürlich auf meine weiteren Ziele vor. Sie wissen, dass ich mich theologisch auf eine künftige pastorale Tätigkeit in der katholischen Kirchengemeinde Villingen vorbereite und hier bis 2022 Diakon werden will. Außerdem habe ich vor, Integrationskurse für Ausländer zu machen bei der Volkshochschule. Dafür habe ich eine Genehmigung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Was reizt Sie daran?

Ich war schon bisher für Flüchtlinge und Zuwanderung offen und kann diese Aufgabe künftig auf anderer Ebene fortzuführen. Ich denke, es lohnt sich, Menschen die zu uns kommen, zu helfen, hier auch Fuß zu fassen.

Kommt langsam Wehmut auf, dass es nun Abschied von diesem Amt zu nehmen heißt?

Wehmut nicht. Aber ich bin schon ein bisschen gespannt, wie es werden wird! Aber ich bleibe ja in der Stadt, und ich werde hier aktiv und präsent bleiben.