Modernste Beamer-Technik hatte Jürgen Kammerer im Einsatz. Sein Wissen aus den Anfängen der Rundfunktechnik gab er damit am Dienstagabend an einen kleinen Kreis interessierter Bastler weiter. Anhand eines detaillierten Schaltplans eines Konstanz-Automatik-Radios von Saba konnte der Altmeister der Radiotechnik das Zusammenspiel der Bauteile bestens verständlich erläutern.

Jürgen Kammerer und Rolf Schäfer auf Fehlersuche in einem alten Konstanz Automatic 8 von Saba aus Villingen, einem Radiogerät mit automatischem Sendersuchlauf.
Jürgen Kammerer und Rolf Schäfer auf Fehlersuche in einem alten Konstanz Automatic 8 von Saba aus Villingen, einem Radiogerät mit automatischem Sendersuchlauf. | Bild: Jörg-Dieter Klatt
  • Hintergrund: Immer wieder werden defekte Radioapparate aus den 50er Jahren in das Reparaturcafé in den Räumen des Paulus-Gemeindehauses gebracht. Diese Rundfunkempfänger sind in edlen Holzgehäusen untergebracht und wurden weiland von der weltbekannten Firma Saba in Villingen konstruiert, von fleißigen Händen zusammengebaut und erfreuten in den Wohnstuben des Wirtschaftswunderlandes die Menschen. Die Funktechnik, die für den guten Ton sorgte, waren kleine Glaskolben. In denen bargen geheimnisvolle Metallblättchen – kunstvoll nebeneinanderstehend und im Betrieb schwach rot leuchtend – den Schlüssel zum Rundfunkempfang. Aufgrund ihrer Form werden sie landauf, landab als Röhren bezeichnet und dokumentieren eine Technik aus längst vergangenen Zeiten. Allein der Umstand, dass in diesen Röhren ein Bauteil elektrisch auf 800 Grad aufgeheizt werden musste, zeigt, dass diese Technik heute nicht mehr einsetzbar wäre.
Harald Vogelsang (von links), Michael Isak und Jürgen Kammerer schauen nach der Röhrenbestückung eines alten Saba-Rundfunkempfängers.
Harald Vogelsang (von links), Michael Isak und Jürgen Kammerer schauen nach der Röhrenbestückung eines alten Saba-Rundfunkempfängers. | Bild: Jörg-Dieter Klatt
  • Technik-Fan: Jürgen Kammerer trat seine Lehre 1964 bei der Saba an und wurde während der Ausbildung noch mit dieser archaischen Technik konfrontiert. Am Technikhorizont zeichnete sich damals zwar schon die Halbleitertechnik ab, die Radio- und Fernsehgeräte wurden aber noch teilweise mit Röhrentechnik produziert. Das seinerzeit erworbene Wissen überdauerte bei Jürgen Kammerer die letzten Jahrzehnte und gilt heute unter Bastlern als ausgesprochen wertvoll. So interessiert sich auch Harald Vogelsang aus Dauchingen für diese längst überholte Technik mit den Worten: „Beruflich hatte ich es mit der Mechanik zu tun, nun interessiert mich diese interessante Geschichte der Elektronik.“ Auch die übrigen Teilnehmer des Röhrenlehrgangs teilen das Interesse an den glimmenden Glaskolben mit Jürgen Kammerer.
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Jürgen Kammerer erklärt anhand eines Schaltplanes die Funktion eines Röhrenradios aus Villinger Produktion.
Jürgen Kammerer erklärt anhand eines Schaltplanes die Funktion eines Röhrenradios aus Villinger Produktion. | Bild: Jörg-Dieter Klatt
  • Nostalgie: Aufgrund der seinerzeit üblichen Produktionstechnik – die elektronischen Bauteile wurden noch mit Kupferdrähten frei verlötet – wären Fehlersuche und Reparatur unter kommerziellen Bedingungen unbezahlbar. Aus diesem Grund kommt dem Reparaturcafé und der Radiowerkstatt in der Villinger Volkshochschule eine besondere Bedeutung zu. In beiden Einrichtungen pflegen Sabanesen, wie die ehemaligen Mitarbeiter genannt werden, und interessierte Hobby-Elektroniker das Wissen um die kleinen Glaskolben. Sie erwecken die nostalgischen Radiogeräte aus längst vergangenen Zeiten wieder zum Leben. Allein wenn die UKW-Sender abgeschaltet werden, erlöscht auch das rötliche Glühen in den kunstvoll geschreinerten Radioapparaten. Lang- und Mittelwellensender sind heute schon in Deutschland abgeschaltet, sodass nur noch der Kurzwellenbereich mit seinen großen Reichweiten mit solch alten Radiogeräten empfangen werden kann. Inzwischen werden nur noch absolute High-End-Verstärker im Audio-Bereich mit Elektronenröhren bestückt. Viele Musiker lieben den spezifischen Röhrensound ebenfalls.
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