Einen schwunghaften Handel mit Cannabis, Kokain, Amphetamin und Ecstasy soll ein 37-jähriger Mann aus Vöhrenbach zwischen Ende 2016 und Ende 2017 im Raum Villingen-Schwenningen betrieben haben. Seit gestern wird eine 23 Punkte umfassende Anklage vor dem Landgericht Konstanz verhandelt. Der 37-jährige ist Angeklagte mit marokkanischen Wurzeln ist deutscher Staatsbürger. Seit knapp neun Monaten sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Rund ein Dutzend Mal soll der Angeklagte auch einem erst 17-jährigen Mädchen in Villingen je 60 Milligramm Kokain zum Sniefen überlassen haben, und einmal eine Portion Haschisch.

Daneben legt ihm die Staatsanwaltschaft Konstanz auch den Handel mit einer Kurzwaffe und einem umgebauten Sturmgewehr zur Last. Im August 2017 soll er zusammen mit einem Mittäter in Villingen einen anderen Mann durch Schläge und Tritte so schwer verletzt haben, dass dieser erhebliche Schmerzen erlitt und mehrmals operiert werden musste. Im gleichen Monat soll der 37-Jährige Goldmünzen im Wert von 8930 Euro und 10 000 Euro Bargeld entweder selbst gestohlen oder von einem anderen Dieb als Hehlerware entgegengenommen haben.

Vor Gericht schilderte der 37-Jährige, der bereits mehrere mehrjährige Haftstrafen abgesessen hat, einen sehr unsteten Lebenslauf. Sein Abitur schaffte er im Gefängnis. Über seine Zukunftsgestaltung hat er sich noch keine Gedanken gemacht: "Das lasse ich auf mich zukommen", meinte er. Zwischen den Gefängnisaufenthalten pendelte er mehrmals zwischen Marokko und Deutschland hin und her. Nach der Hochzeit vor 17 Jahren lebe er inzwischen getrennt, berichtete der Vater von drei Kindern. Bis September 2016 absolvierte er eine Drogentherapie. Danach sei er nur noch auf Reisen gewesen, bis er sich in Villingen bei Bekannten niederließ, berichtete er.

Silvester 2016 soll er laut Anklage in Basel zusammen mit Freunden und einem 80 Gramm schweren Stein Kokain gefeiert haben. Ab Februar soll er dann die gewinnbringenden Drogenverkäufe getätigt haben, mit denen er sein Leben finanzierte. Gegen mindesten drei in die Geschäfte verwickelte Personen laufen ebenfalls Ermittlungsverfahren. Gestern zog sich das Gericht zunächst zu einer internen Beratung zurück, um die Möglichkeit einer Prozessabsprache zu erörtern. Sie kam nicht zustande, weil der 37-Jährige jetzt seine Drogensucht geltend machte und sich zu einer Therapie in einer geschlossenen Anstalt bereit erklärte. Das Gericht muss nun einen psychiatrischen Sachverständigen zur Begutachtung des 37-Jährigen beauftragen. Da dies nicht in der angemessenen Frist möglich ist, ist der Prozess geplatzt. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.