Alle zwei Jahre heißt es für die Fische: umziehen! Dazu brauchen die Mitglieder der Villinger Anglergesellschaft am Eisweiher jedoch keine Kartons und Kisten. Sie benötigen Kescher und Eimer und Wassertanks, haben Neoprenhosen an den Beinen und Gummistiefel an den Füßen.

Durch den Schlamm geht es zu den Wasserlachen in der Mitte des Weihers.
Durch den Schlamm geht es zu den Wasserlachen in der Mitte des Weihers. | Bild: Andreas Block

Die „Kinderstube für unsere Besatzfische“ nennt Christian Haas, Vorsitzender der Anglergesellschaft, das idyllische Gewässer an der Villinger Waldstraße bei der Aktion am Samstag.

Rund 10.000 Fische holen die Mitglieder der Anglergesellschaft aus dem Eisweiher. Darunter sind viele sehr kleine, wie Rotaugen, aber auch viele große Tiere.
Rund 10.000 Fische holen die Mitglieder der Anglergesellschaft aus dem Eisweiher. Darunter sind viele sehr kleine, wie Rotaugen, aber auch viele große Tiere. | Bild: Nathalie Göbel

So übersichtlich der Weiher ist, umso mehr wuselt das Leben unter der Wasseroberfläche: Schuppenkarpfen, Hechte, Rotaugen, Bitterlinge – sie alle wachsen hier etwa zwei Jahre heran, bevor sie abgefischt und in Pachtgewässer gebracht werden, unter anderem in die Donau.

Video: Andreas Block

Mit 30 Helfern sind die Angler an diesem Morgen angerückt. Das Wasser wurde schon in den Tagen zuvor sukzessive abgelassen. Was bleibt: viel Schlamm und einzelne tiefere Wasserlachen, aus denen die Mitglieder die Fische klauben. „Sozusagen unsere Ernte“, scherzt Gewässerwart Michael Gut.

Normalerweise sammeln sich die Fische nach dem Ablassen des Wassers in diesem Bereich, in der Nähe des „Mönch“ genannten Ablaufs. In diesem Jahr haben sie es sich allerdings am nordwestlichen Ufer bequem gemacht.
Normalerweise sammeln sich die Fische nach dem Ablassen des Wassers in diesem Bereich, in der Nähe des „Mönch“ genannten Ablaufs. In diesem Jahr haben sie es sich allerdings am nordwestlichen Ufer bequem gemacht. | Bild: Andreas Block

Normalerweise sammeln sich die die Fische nach dem Ablassen des Weihers Ablauf – „Mönch“ genannt – im Bereich der kleinen Insel. Nicht so in diesem Jahr. Ein guter Teil der Tiere hat es sich in den Wasserlachen am anderen Ende des Weihers gemütlich gemacht.

Video: Block, Andreas

Also heißt es auch für die Angler umziehen: Auf Anhängern werden die Wassertanks an die andere Seite gebracht, um den Rest der Fische einzusammeln. Immer mit dabei: Eine Pumpe, durch die Frischwasser in die Tanks sprudelt: die Fische brauchen Sauerstoff.

Mit Keschern und Eimern werden die Fische aus dem Eisweiher geholt.
Mit Keschern und Eimern werden die Fische aus dem Eisweiher geholt. | Bild: Andreas Block

Rund 10 000 Tiere werden am Ende in den Tanks gelandet sein. Darunter viele kleine Exemplare, aber auch einige große Hechte und Schuppenkarpfen. Sie werden sortiert: Jede Art kommt in ein am besten für sie passendes Gewässer.

Eine Tafel zeigt, welche Fische im Eisweiher leben. Auch große Hechte sind darunter. Bild: Andreas Block
Eine Tafel zeigt, welche Fische im Eisweiher leben. Auch große Hechte sind darunter. Bild: Andreas Block | Bild: Block, Andreas

„Rotaugen und andere Weißfischen vermehren sich explosionsartig, sie werden aber auch von den Hechten gefressen“, sagt Christian Haas. Die Hechte wiederum werden nach zwei Jahren umgesetzt: „So haben sie einen besseren Start und werden nicht gleich selbst gefressen.“

Gewässerwart Michael Gut zeig einen Schuppenkarpfen. Bild: Nathalie Göbel
Gewässerwart Michael Gut zeig einen Schuppenkarpfen. Bild: Nathalie Göbel | Bild: Göbel, Nathalie

Ein Problem, beispielsweise an der Donau, seien Raubvögel wie Kormorane. Ein Kormoran verspeist pro Tag etwa ein halbes Kilo Fisch, mehr als 180 Kilo im Jahr.

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Die vereinseigene Fisch-Kinderstube beschert nicht nur den Jungtieren einen besseren Start, sondern spart auch Geld: „Kleinere Besatzfische sind deutlich günstiger“, sagt der Vorsitzende.

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Manchmal landen auch „Besatzfische“ im Weiher, die hier so gar nichts verloren haben. Goldfische seien ein Klassiker, sagt Christian Haas. „Da wird immer wieder mal ein Gartenteich entleert.“

Manch ein Besucher macht es sich mit Stuhl am Ufer bequem.
Manch ein Besucher macht es sich mit Stuhl am Ufer bequem. | Bild: Andreas Block

Zwar würden sich die Tiere im Weiher wohlfühlen, für die Stammbewohner können sie aber zur Gefahr werden. „Parasiten können ein ganzes Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen“, erklärt der Vorsitzende. Mit dem Herpes-Virus befallene Koi-Karpfen etwa hätten schon mehrfach große Fischsterben verursacht.

Schlammige Aussichten: Der Eisweiher wurde für das Abfischen abgelassen.
Schlammige Aussichten: Der Eisweiher wurde für das Abfischen abgelassen. | Bild: Andreas Block