Wenn mitten in einer Gemeinde eine Ruine neu aufgebaut wird, dann muss es damit schon eine ganz besondere Bewandtnis haben. So auch in Unterkirnach: Auf der Wiese neben dem Betreuten Wohnen, dort, wo bis vor einigen Jahren das alte Rathaus stand, gibt es jetzt wieder eine Ruine. Sandsteine bilden eine kleine Mauer und rahmen eine alte Hinweistafel ein. Für den Denkmalschutz sollte diese Ruine ausnahmsweise nicht interessant sein, wohl aber für die Besucher Unterkirnachs.

Das könnte Sie auch interessieren

Noch lange vor dem alten Rathaus stand etwa an dieser Stelle der Roggenbacher Hof mit seiner Kapelle. 1219 wurde der Hof, der heute als Keimzelle der Gemeinde gesehen wird, erstmals urkundlich erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg niedergebrannt, wurde er 1650 zusammen mit der Kapelle wiederaufgebaut. Bereits 1714 brannte er erneut völlig ab. Die damalige Besitzerin sah sich nicht in der Lage, den Hof wieder aufzubauen und verkaufte ihn an die Stadt Villingen. Die Stadt baute den Hof im gleichen Jahr wieder auf, allerdings nicht am bisherigen Standort, sondern am heutigen Platz. Die Bürger geben ihm bald den Namen Stadthof, den er bis heute trägt.

Die alte Gedenktafel aus dem Jahr 1650, die jetzt in der neuen Ruine umrahmt von Sandsteinen vom Sommerberg im Fokus steht, befand sich bis zum Abbruch des alten Unterkirnacher Rathauses dort, gut versteckt, eingebaut im unteren Flur unter Rigipsplatten. Beim Abbruch im Jahr 2013 wurde die Platte gesichert.

Das könnte Sie auch interessieren

Im Rahmen der Eröffnung des Qualitätswanderweges „Geschichtspfad Unterkirnach„ im vergangenen Jahr wurde der Platz am alten Rathaus durch eine Tafel mit der Erläuterung der Geschichte Unterkirnachs für Bürger und Gäste wieder sichtbar gemacht. So recht überzeugen wollte diese Lösung aber nicht. Werkhofleiter Manfred Riehle wurde deshalb zum Ruinenerbauer.

Im Rahmen der im Herbst neu konzipierten theatralischen Mühlen- und Ortsführungen, bei denen den Besuchergruppen von Laienschauspielern sowohl die Mühle als auch die Geschichte Unterkirnachs erzählt wird, kann „Bauer Joseph“ jetzt inmitten seines ehemaligen Hofes Anekdoten von seinem Anwesen berichten. Die alte Gedenktafel erfreut sich dabei besonderer Aufmerksamkeit. Sie ist mittlerweile ein beliebtes Fotomotiv.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €