In Unterkirnach hat das Glück viele Gesichter. 55, um genau zu sein. So viele Glücksbringer wurden von Bürgerinnen und Bürgern vorgeschlagen, nachdem die Gemeinde dazu aufgerufen hat, dass jeder Bürger seinen persönlichen Glücksbringer in der Corona-Zeit benennen soll. Jetzt bedankte sich die Gemeinde mit einem Abendessen für alle jene Personen, die in der Corona-Krisenzeit besonderes Engagement für ihre Mitmenschen zeigten.

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Eines hatten alle Glücksbringer gemeinsam: die Überraschung, von Bürgern für ihre uneigennützigen Taten nominiert zu werden, weil sie ihr Tun für selbstverständlich halten. Dafür ließen sich die Geehrten jetzt, verteilt in den fünf Unterkirnacher Gaststätten, ein leckeres Menü schmecken. Einige der Glücksbringer erzählten nach dem spendierten Abendessen in einem der Unterkirnacher Gastronomiebetriebe ihre Geschichte. Wie Karina Auber.

Karina Auber, Erzieherin
Karina Auber, Erzieherin

Karina Auber, Erzieherin

Die Erzieherin im Unterkirnacher Kindergarten hat sich überlegt, wie man den Kindern das Coronavirus und die damit verbundenen Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen erklärt. „Es ist schwierig, Kindern zu erklären, weshalb sie nicht mehr in den Kindergarten kommen und ihre Freunde nicht mehr sehen durften und weshalb alle Spielplätze geschlossen waren“, sagt Karina Auber. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen kam sie auf die Idee, eine Bilderbuchgeschichte über das Coronavirus zu schreiben. Und die Fragen und Erklärungen von kleinen tierischen Protagonisten erzählen zu lassen.

Helga Dufner, Glücksbringerin
Helga Dufner, Glücksbringerin

Helga Dufner, Einsatz für Senioren

Aber nicht nur Kinder, auch Erwachsene mussten lernen, mit der veränderten Situation zurechtzukommen. Besonders betroffen waren die älteren Bürger, die plötzlich keinen Besuch mehr von ihren Kindern oder Enkeln empfangen durften. In dieser Zeit hat Helga Dufner dafür gesorgt, dass die Seniorinnen und Senioren nicht ganz vergessen wurden. Sie arbeitete früher bei der Sozialstation und weiß deshalb genau, worüber sich Senioren freuen. „Bei einem Waldspaziergang kam mir der Gedanke, dass ich den Senioren einen Brief schreibe“, erklärt Helga Dufner, wie sie auf die Idee gekommen ist.

Vier solcher Briefe hat sie bislang geschrieben und diese an rund 30 Senioren geschickt. Und was stand in den Briefen? „Mal waren es kleine Gedichte, mal Witze, einfach etwas, worüber sich die Menschen freuen konnten“, so Dufner. Vor Kurzem gab es zudem eine besonders leckere Überraschung, als sie, zusammen mit einigen Helferinnen, den Senioren ein Stück Kuchen vorbei brachte.

Helmut Scholl, Landmarkt Nahkauf
Helmut Scholl, Landmarkt Nahkauf

Helmut Scholl, Landmarkt Nahkauf

Die Lebensmittelversorgung war in den ersten Wochen der Corona-Pandemie ein wichtiges Thema. Die Angst der Bürger, dass bestimmte Lebensmittel oder Gebrauchsartikel ausgehen könnten, veranlasste zu Hamsterkäufen. „Völlig unbegründet. Es gab nie einen Engpass in der Lebensmittelversorgung“, sagt Helmut Scholl, Inhaber des Landmarktes Nahkauf, dem einzigen Vollsortimenter in Unterkirnach. Gemeinsam mit seinem Team hat Scholl extrem anstrengende Wochen hinter sich. „Während viele Betriebe geschlossen waren, hatten wir durchgehend geöffnet.“ Dabei war ein deutlich höheres Einkaufsvolumen pro Kunde festzustellen. „Besonders die Nachfrage nach Mehl, Hefe und Toilettenpapier stieg sprunghaft an“, so Scholl. Doch mit seinem motivierten Team habe er auch diese schwierige Zeit gewuppt. „Wir haben nichts anders gemacht als sonst auch. Wir geben immer 100 Prozent, ob mit oder ohne Corona„, so der Chef.

Benedikt Stauber, Pflegedienstleiter Sozialstation
Benedikt Stauber, Pflegedienstleiter Sozialstation

Benedikt Stauber, Sozialstation

100 Prozent Leistung haben auch die Pflegekräfte und Nachbarschaftshelferinnen der Sozialstation gegeben. Pflegedienstleiter Benedikt Stauber zollt den Mitarbeiterinnen seinen Respekt. „Alle haben durchgehalten und bis heute mitgezogen.“ Bei den Pflegekräften habe es bislang keinen coronabedingten Krankheitsausfall gegeben. Und auch die Nachbarschaftshelferinnen, die auf ehrenamtlicher Basis arbeiten und jederzeit wegen des Risikos ihren Dienst hätten einstellen können, haben sich zu jeder Zeit um die von ihnen zu betreuenden Personen gekümmert. Unterstützt wurde die Sozialstation zudem vom Gemeindehilfeverein Unterkirnach, der im Hintergrund wirkte.

Ein begeisterter Bürgermeister

Bürgermeister Andreas Braun ist von der Glücksbringeraktion begeistert. „Es hat gezeigt, dass unsere Gesellschaft im Dorf auch in solche einer Situation bravourös zusammenhält und füreinander da ist.“ Einfach mal Danke zu sagen und zugleich die heimische Gastronomie mit einzubeziehen, die es in den vergangenen Monaten ebenfalls nicht einfach hatte, sei eine gute Idee gewesen. „Ich glaube, dass es uns gelungen ist, gerade in dieser außergewöhnlichen Zeit wieder etwas Mut und Optimismus zu verbreiten.“