Klimaschutz ja. Aber wie? Den Überblick über alle Technologien und Möglichkeiten zu behalten, fällt nicht immer leicht. In loser Serie stellen wir Menschen und Möglichkeiten vor, wie Klimaschutz im Alltag funktionieren kann. Heute im Fokus: Der Bau von drei Mehrfamilienwohnhäusern nahezu komplett in Holzbauweise in Unterkirnach.

In jedem der drei jeweils dreigeschossigen Mehrfamilienhäuser im Unterkirnacher Baugebiet am Sommerberg II werden sieben Wohneinheiten entstehen. Die Häuser entstehen aus einem Baustoff, der in unserer Region zuhause ist: aus Holz. Baubeginn wird im kommenden Frühjahr sein.

Die Premiere für einen Fachmann

Bauherren sind Planer Roman Weißer und Jürgen Weißer mit ihrer Gesellschaft „Bau.Werk WZW Bauträger GmbH“. Der Bau mit Holz ist insbesondere für Jürgen Weißer, der in Unterkirnach Mitinhaber einer Zimmerei/Schreinerei ist, nicht Neues. Eine solch große Baueinheit ist aber auch für ihn Premiere.

Was sind die Vorteile von Holz?

Die Vorteile beim nachwachsenden Rohstoff Holz liegen für die beiden Bauherren auf der Hand. Holz ist ein nachhaltiger, ökologischer und natürlicher Baustoff. Im Holz wird Kohlendioxid gebunden und es werden Emissionen gespart. Zudem herrsche in Holzhäusern ein ausgewogenes Wohnklima, denn Holz reguliert zum Beispiel die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen.

Auch beim Brand- und Schallschutz stünden diese Mehrfamilienhäuser denjenigen in konventioneller Bauweise nicht nach. „Das lässt sich baulich ähnlich umsetzen wie bei konventioneller Bauweise, indem Wände und Decken entkoppelt werden“, betont Roman Weißer.

Äußerlich werden sich die Holzhäuser kaum von in konventioneller Bauweise errichteten Mehrfamilienhäusern unterscheiden. Die Fassade der beiden unteren Stockwerke wird verputzt. Die Fassade der Panthäuser wird mit veredelter Weißtanne verkleidet. Visualisierung: Bau.Werk WZW Bauträger GmbH
Äußerlich werden sich die Holzhäuser kaum von in konventioneller Bauweise errichteten Mehrfamilienhäusern unterscheiden. Die Fassade der beiden unteren Stockwerke wird verputzt. Die Fassade der Panthäuser wird mit veredelter Weißtanne verkleidet. Visualisierung: Bau.Werk WZW Bauträger GmbH | Bild: Cornelia Putschbach

Verwendet werden für die Häuser am Sommerberg ausschließlich heimische Hölzer. „Die Konstruktion von Außenwänden und anderen tragenden Bauteilen erfolgt mit Brettsperrholz aus Fichte. Gedämmt wird mit Zellulose. Soweit bei der Außenverkleidung Holz sichtbar ist, wie bei den Treppenhäusern oder der Fassade der Penthäuser, ist das Weißtanne, deren Oberfläche zwar sägerau, aber gegen die sonst erfolgende Verfärbung veredelt ist. Bodenbeläge schlagen wir aus Eiche vor“, so Roman und Jürgen Weißer.

Die Mehrfamilienhäuser in Unterkirnach werden im Standard „KFW 40 Plus“ gebaut. Bei diesem Standard muss der Strom aus einer erneuerbaren Energiequelle stammen, direkt auf dem Grundstück des Effizienzhauses erzeugt und überwiegend im Gebäude selbst genutzt werden.

Die Unterkirnacher Häuser werden über eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach verfügen. Darüber hinaus fordert der Gebäudestandard die Inbetriebnahme eines Stromspeichers im Haus. Die Photovoltaik-Module werden deshalb an eine Speicherbatterie angeschlossen.

Die Wärme kommt aus 200 Metern Tiefe

Der Strom der Photovoltaik-Anlage wird als Allgemeinstrom zum Beispiel für die Gewinnung der Erdwärme mit ihren drei rund 200 Meter tiefen Bohrungen verwendet. „Heizung und Erzeugung von Warmwasser erfolgen damit durch den Strom der Photovoltaik-Anlage. Nur für den Haushaltsstrom können wir die Anlage nicht nutzbar machen“, bedauert Jürgen Weißer. Der Grund ist ein rechtlicher. Es müsste einen eigenen Betreiber der Photovoltaik-Anlage geben, der im Mehrfamilienhaus als Energieversorger auftreten müsste.

Und noch etwas muss in einem Effizienzhaus 40 Plus zwingend vorhanden sein und wird in die Unterkirnacher Häuser eingebaut: eine Lüftungsanlage mit mindestens 80 Prozent Wärmerückgewinnung.

Das könnte Sie auch interessieren

Einzigen Kompromiss, den Planer und Bauherr eingehen müssen, ist die Tiefgarage. Sie wird konventionell aus Beton erstellt. „Auch für eine Tiefgarage gäbe es inzwischen tatsächlich die Möglichkeit, sie aus Holz zu bauen. Wir wollen bei den Häusern aber kein Experiment eingehen. Die Tiefgarage aus Holz müsste aufwendig mit einer sogenannten Schwarzen Wanne gebaut werden, um das Holz zu schützen. Wenn es da nur eine kleine Undichtigkeit gibt, leidet das Holz ungemein“, zeigt Roman Weißer eine Grenze der Holzbauweise auf.

Das könnte Sie auch interessieren

Preislich könnten die drei Unterkirnacher Mehrfamilienhäuser mit denen in konventioneller Bauweise mehr als mithalten. „Die Wohnungen werden pro Quadratmeter ab 3800 Euro kosten. In Villingen werden für Wohnungen in neuen Mehrfamilienhäusern im Moment Preise aufgerufen, die über diesem Betrag liegen“, so Jürgen Weißer.

Österreicher sind bei dem Thema weiter

Bleibt die Frage, warum solche Mehrfamilienhäuser in Holzbauweise in unserer Region bislang kaum gebaut wurden. „Die Bauträger, die hier in der Gegend ansonsten aktiv sind, haben sich auf die konventionellen Bauweisen spezialisiert“, sagt Jürgen Weißer. Zudem gibt es hier bislang, mit einer Ausnahme am Hochrhein, kein Werk, in dem die Außenwände und die tragenden Wände gefertigt werden können. „Die Österreicher sind da wesentlich weiter“, so Jürgen Weißer.