Zum Bauvorhaben einer Minihausanlage im Unterkirnacher Gewann Ackerloch und der Kritik dazu nimmt Bürgermeister Andreas Braun jetzt Stellung. Er sagt: „Zunächst einmal erachte ich es als völlig legitim, wenn sich Bürger einer Gemeinde kritisch äußern und einem neuen Projekt ablehnend gegenüberstehen. Ob jedoch die Initiierung einer Petition, ohne sich selbst informiert zu haben und bevor die von der Gemeinde bewusst gewählte Form der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit überhaupt begonnen hat, die richtige Vorgehensweise ist, halte ich für fraglich.“

Mit einer Onlinepetition wollen Simone Adam, Edeltraud Simmerer, Jürgen Adam und Armin Simmerer (von links) das Minihaus-Projekt verhindern. Familie Simmerer wohnt in unmittelbarer Nähe. Bild: Cornelia Putschbach
Mit einer Onlinepetition wollen Simone Adam, Edeltraud Simmerer, Jürgen Adam und Armin Simmerer (von links) das Minihaus-Projekt verhindern. Familie Simmerer wohnt in unmittelbarer Nähe. | Bild: Cornelia Putschbach

Aufgrund der Ungewissheit, wann wieder eine öffentliche Veranstaltung möglich sei, habe die Verwaltung ganz bewusst den Weg eines Aufstellungsbeschlusses zu einem Flächennutzungsplanverfahren gewählt. Das sei sinnvoll, um die frühzeitige Beteiligung aller zu ermöglichen. Das Verfahren läuft bis zum 24. Juli. In dieser Zeit werde eine vollumfängliche Information definitiv möglich sein, verspricht der Bürgermeister.

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Zum Projekt selbst sagt Braun: „Es ist eine große Chance, das touristische Standbein von Unterkirnach weiter auszubauen und somit zum Erhalt der Infrastruktur beizutragen.“ Er fügt an: „Aus meiner Sicht ist es durchaus nachvollziehbar, dass die überwiegende Mehrheit des Gemeinderates solch einer Investition erst einmal positiv gegenübersteht. Solch ein Projekt kann in einer ersten Ausbaustufe von 13 Mini-Häusern bis zu 10 000 Übernachtungen jährlich erzielen. Diese sind notwendig, um wegfallende Ferienwohnungen durch fehlende Nachfolgeregelungen zu kompensieren, aber auch, um zusätzliche Angebote und Zielgruppen zu erschließen. Allein unsere rund 95 000 Übernachtungen pro Jahr sorgen für eine Wertschöpfung von über vier Millionen Euro im Dorf.“

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Drei Ziele seien als Schwerpunkte im Gemeindeentwicklungskonzept Unterkirnachs festgeschrieben. Das sei ein bedarfs- und zeitgemäßes Beherbergungsangebot, die Steigerung der Übernachtungszahlen und der deutliche Ausbau der Übernachtungsmöglichkeiten. „Dieses Ergebnis wurde in den Jahren 2015 und 2016 in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat sowie den Bürgern offen und völlig transparent erarbeitet“, betont Andreas Braun. Eine für das Jahr 2020 geplante Evaluation habe aufgrund der Ausnahmesituation noch nicht begonnen werden können. Zur Beteiligung hieran lade er ausdrücklich ein.

Bild: Rodgers, Kevin

Bei der Investition in ein touristisches Projekt sei die Lage wohl wichtiger denn je, sagt Andreas Braun. Hinzu komme, dass ein potenzielles Grundstück verfügbar sein müsse. Beides sei im Ackerloch derzeit gegeben. „Dass hierzu teilweise eine derzeit landwirtschaftliche genutzte Fläche weichen muss, ist sicher bedauerlich. Das von den Investorinnen geplante Projekt wird aufgrund der Größe der Baukörper jedoch nur eine sehr geringe Flächenversiegelung aufweisen. Ich bin sicher, dass durchaus ein Teil der Fläche landwirtschaftlich weitergenutzt werden kann oder eine Fläche mit einem ökologischen Mehrwert entstehen wird“, so der Bürgermeister.

„Mit dem Projekt auseinandersetzen“

„Bei aller Begeisterung für dieses touristische Vorhaben sehe ich meine Verantwortung darin, unser Dorf nicht nur touristisch, sondern ganzheitlich weiter zu entwickeln. Keinesfalls liegt mir etwas daran, unser Dorf durch solch ein Projekt zu spalten“, erklärt Bürgermeister Braun weiter. Gleichzeitig fordert er von den Bürgern aber ein, dass diese sich vor einer kritischen Haltung „zumindest einmal mit dem Projekt, den Investorinnen sowie dem zweifelsohne touristischen Mehrwert konstruktiv, gerne auch kritisch auseinandersetzen“. Weiter fordert er: „Unabhängig von diesem Projekt muss uns klar sein, dass wir für weitere zeitgemäße und qualitative Übernachtungsangebote auch andere geeignete Flächen zur Verfügung stellen müssen. Diese Verlässlichkeit ist für einen Gemeinderat und eine Verwaltung von entscheidender Bedeutung.“

Das ist gelebte Demokratie

Wenn am Ende dieses Prozesses ein Bürgerentscheid die Entscheidung bringen solle, dann sei auch dies für ihn gelebte Demokratie, sagt Andreas Braun. Zuvor könne er sich allerdings auch vorstellen, ein Schaugerüst auf der Fläche aufzubauen, so dass sich jeder einen persönlichen Eindruck von der Dimension eines oder mehrerer Minihäuser verschaffen könne.

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