Das Interesse bei den Bürgern Unterkirnachs an der möglichen Zukunft des Stadthofs ist groß. Rund 60 Besucher kamen in den großen Saal im Obergeschoss des über 300 Jahre alten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes in der Ortsmitte, um sich die Ausführungen von Planer und Projektentwickler Willi Sutter zu drei denkbaren Konzepten anzuhören.

  • Ist-Zustand: Seit über 300 Jahren gibt es das Gasthaus zum Stadthof in Unterkirnach. Die Lage und Größe des Anwesens machen es bedeutsam für die Gemeinde. Der Eigentümer Josef Hug führt den Gastronomiebetrieb im Moment noch gerne weiter und plant in unmittelbarer Zukunft auch keine Änderung. Allerdings ist eine Nachfolgeregelung für den 66-Jährigen nicht in Sicht. Deshalb beauftragte er das Büro des erfahrenen Projektentwicklers und Planers Willi Sutter aus Kirchzarten mit der Erarbeitung einer Konzeption. Dieser veranschlagt nach einer sehr genauen Bestandsaufnahme allein den Sanierungsbedarf des Stadthofs an Dach, Fenstern, Böden, der Heizungsanlage sowie der Be- und Entlüftung mit rund 500 000 bis 700 000 Euro. Hinzu kämen für einen Erwerber die Kosten des möglichen Kaufs der Liegenschaft und Ausgaben für die Neuausstattung von Gastronomie und Hotelzimmern.
  • Konzepte: Drei denkbare Nutzungskonzepte für den Erhalt der Gastronomie und des Saals hat Willi Sutter erarbeitet. Bei Variante eins sind sanierte Gastronomie und Gästezimmer in der Hand eines Betreibers. Der Saal im bestehenden Gebäude wird von der Kommune betrieben.
    Variante zwei geht von einem hochwertigen Hotelbetrieb mit dem Neubau eines Saals in Richtung Rathaus aus. Als gelungenes Beispiel für eine ähnliche Sanierung zieht Willi Sutter das Areal Rainhof in Kirchzarten heran. Die Einstellung des Hotelbetriebs, aber immer noch möglich eine Gaststätte, mit einer Wohngruppen für Senioren und weiteren Wohnungen in den Obergeschossen sowie ebenfalls einem Anbau für den Saal, liegt Variante drei zu Grunde. Die Birkenhofscheune ebenfalls in Kirchzarten erfuhr bereits einen ähnlichen Umbau.
  • Kosten: Für die erste Variante kalkuliert Willi Sutter Kosten in Höhe von insgesamt drei Millionen Euro. Davon würden rund 700 000 Euro auf die Kommune für den Saal mit Ausstattung entfallen. Bei Variante zwei geht Willi Sutter von rund vier Millionen Euro Kosten für den Umbau des Stadthofs und weiteren 800 000 Euro für den Saalanbau aus. Variante drei wäre mit 3,4 Millionen Euro Kosten für den Stadthof mit den Wohnungen sowie ebenfalls 800 000 Euro für den Saalbau etwas günstiger. Bei allen drei Varianten könnten Fördermittel in unterschiedlicher Höhe aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum des Landes fließen.
    Ebenfalls Bestandteil der Ausführungen von Willi Sutter waren die mögliche Finanzierung der Varianten sowie später laufende Kosten und damit verbunden die Rentabilität des Objekts.
  • Fazit: Für Variante eins geht der Fachmann davon aus, dass diese „aller Voraussicht nach so nicht rentabel umgesetzt werden kann“. Die Lärmquelle Saal behindere die Nutzung der Flächen im Ober- und Dachgeschoss. Die gute Nutzbarkeit der Gästezimmer sei aber unverzichtbar für die Rentabilität. Variante zwei ist der Favorit von Willi Sutter, weil „am attraktivsten für Unterkirnach“. Die Verlagerung des Saals aus dem Gebäude heraus mache die Flächen im Ober- und Dachgeschoss gut nutzbar. Ein Investor oder Betreiber könne so am ehesten gefunden werden. Für Variante drei wären Standort und Flächen ebenfalls ideal.
  • Anliegen der Zuhörer: Nur wenige Fragen kamen aus den Reihen der Zuhörer. Die Zahl der Parkplätze im Umfeld des Anwesens sei auf jeden Fall ausreichend für ein Hotel plus Saal. Weichen müsste in Zukunft der Imbiss. Für Bustouristen sei eher das eventuell entstehende Jufa-Hotel geeignet und man sei durchaus zuversichtlich für das attraktive Projekt Stadthof – unter anderem mit Unterstützung der Unterkirnacher Bürger – einen Investor und Betreiber zu finden, erläuterten Bürgermeister Andreas Braun und Willi Sutter den Zuhörern.