Am Sonntag erlebten die Mitglieder des Unterkirnacher Vereins für Heimat- und Orchestriongeschichte einen denkwürdigen Tag. Mit der Enthüllung eines vom Unterkirnacher Wolfgang Blessing im zurückliegenden Jahrhundert gebauten Orchestrions ging ein lange gehegter Wusch in Erfüllung. Bis dahjn war es allerdings ein langer Weg. 

Gebannt blicken die Besucher zum enthüllten Instrument. Vorne in der Bildmitte sitzt Fritz Steimer, der mit virtuosem Spiel dem Klavier beste Töne entlockt.
Gebannt blicken die Besucher zum enthüllten Instrument. Vorne in der Bildmitte sitzt Fritz Steimer, der mit virtuosem Spiel dem Klavier beste Töne entlockt. | Bild: Werner Müller

Fünf Helfer im wöchentlichen Einsatz

Roland Dufner, Vorsitzender des Vereins, hatte die Mitglieder in die Heimatstube zur Präsentation des Instruments eingeladen. „Was lange währt wird endlich gut“, sagt er und den treuen Helfern ist anzumerken, dass dieser Nachmittag auch für sie eine Erlösung ist. Knapp vier Jahre haben Wolfgang Armbruster als leitender Kopf, Hugo Weißer, Manfred Ragg, Roland Dufner und Johann Storz jeden Montag insgesamt 2255 Stunden aufgewendet, bis das Orchestrion instandgesetzt war. Dabei sei „die Geduld bis an die äußerste Grenze strapaziert worden“, lächelt Dufner.

Wolfgang Armbruster stellt sich als leitender Kopf des Restaurations-Teams heraus. Im Bild zeigt er auf die sieben neu angefertigten Relais zur Ansteuerung der einzelnen Orchestrion-Funktionen.
Wolfgang Armbruster stellt sich als leitender Kopf des Restaurations-Teams heraus. Im Bild zeigt er auf die sieben neu angefertigten Relais zur Ansteuerung der einzelnen Orchestrion-Funktionen. | Bild: Werner Müller

Viele Betteltouren notwendig

Er spricht von einer „Betteltour„ die angeschoben wurde, um das nötige Geld zusammen zu bekommen für den Kauf des Orchestrions, Es stand in der Werkstatt von Freddy Künzle in Lichtensteig im schweizerischen Kanton St. Gallen. „Bereits 2015 haben wir ein Angebot erhalten, doch hat uns der genannte Preis schockiert.“ Verhandlungen folgten und Ende 2015 wurde der Kauf abgeschlossen, zahlbar in drei Raten. Eine weitere Betteltour wurde gestartet, so Roland Dufner.

Abenteuerliche Abholung in der Schweiz

Auch von der abenteuerlichen Abholung des Orchestrions berichtet Dufner. Die Schweizer Polizei vermutete, dass die Papiere nicht korrekt seien. Nach geklärter Situation kam das Orchestrion zurück an den Ort seiner Entstehung. Eine weitere Betteltour brachte schließlich das noch dringend benötigte Geld in die Vereinskasse.

Mord führt zu weiteren Problemen

Die Geschichte wäre bis hierhin gut gelaufen. Doch kurz nach dem Kauf fiel Freddy Künzle einem Verbrechen zum Opfer und die als Pfand hinterlegten Musikrollen, die mit der zweiten Ratenzahlung zur Übergabe fällig geworden sind, waren noch in der Schweiz. Bange Wochen erlebten die Orchestrionfreunde darauf. Es hat dann geklappt, der Nachlassverwalter gab das ersehnte Gut heraus.

„Hoch Badner Land“ erklingt

Heute könne gesagt werden, dass sich das nun wieder spielbare Orchestrion wohl in einer besseren Verfassung präsentiert als direkt nach dessen Entstehung. Wolfgang Armbruster enthüllte mit Freunden das verpackte Orchestrion. Dabei war ein langgedehntes „Ah“ im Raum zu vernehmen. Schließlich steht nun in der Heimatstube ein fast 100 Jahre altes Unterkirnacher Produkt, das ehemals in die Schweiz verkauft wurde. Wolfgang Armbruster legte schnell die Rolle mit dem „Hoch Badner Land“ in die Abspieleinrichtung.

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Damit kam der nächste „Aha-Moment“. Niemand von den Anwesenden Mitgliedern hatte zuvor das Instrument zu Gehör bekommen. Was zu hören war, wurde regelrecht vom Publikum aufgesogen. Auch die Weihnachtslieder taten den Menschen gut. Der Minutenwalzer von Frederic Chopin tat sein Übriges, Von der automatischen Rückspuleinrichtung waren die Betrachter begeistert.

Hälfte der Teile ausgetauscht

Hier ein Blick auf die elektrische Anlage und den Vibrato-Blasebalg. Zu sehen sind die Klaviersaiten und die Luftröhren, die über die Schleiflade die Pfeifen erklingen lassen.
Hier ein Blick auf die elektrische Anlage und den Vibrato-Blasebalg. Zu sehen sind die Klaviersaiten und die Luftröhren, die über die Schleiflade die Pfeifen erklingen lassen. | Bild: Werner Müller

Aus dem Gespräch mit Wolfgang Armbruster ergab sich, dass rund 50 Prozent der Bauteile erneuert wurden. Holzteile waren verschlissen und wurden ersetzt. Allein rund 150 kleine Blasebälge sind erneuert. Auch eine extern ausgelagerte Windlade musste ebenfalls neu gebaut werden. Die Schweizer Elektroanlage musste ausgebaut werden, um mit deutschen Steckdosen arbeiten zu können. Der Originalantrieb ist noch vorhanden. Lediglich das Riemenrad auf der Motorwelle musste durch ein neues ersetzt werden.

Abenteuerlich war das Instandsetzen der Windlade. „Neunmal haben wir das Bauteil zusammengebaut und auseinandergenommen, so Armbruster. Daraufhin wurde eine neue Windlade aus Ahornholz angefertigt. Sieben Relais zur Ansteuerung der Flöten und Violinenpfeifen mussten neu gebaut werden.