Es steht nun endgültig fest: Die Firma Wahl, mit rund 240 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler in Unterkirnach, verlegt seine gesamte Produktion und alle Arbeitsplätze in den St. Georgener Stadtteil Peterzell. Mit dieser Nachricht hat Wahl-Geschäftsführer Jörg Burger nun Klarheit in einer Sache geschaffen, die in den vergangenen Tagen für Diskussionen und Unsicherheit gesorgt hat. Der Umzug soll im Jahr 2020 abgeschlossen sein.

"Uns ist wichtig, dass es jetzt offiziell geklärt ist", sagte Jörg Burger. Es habe in den vergangenen Tagen Unsicherheit auch in der Belegschaft gegeben. "Wir haben Fakten geschaffen." Die Entscheidung sei von der Konzernleitung in den USA und der Geschäftsleitung vor Ort getroffen worden. "Es wurde entschieden, dass es nach St. Georgen geht", so der Geschäftsführer. Bürgermeister Andreas Braun sei über den Entschluss, den Standort Unterkirnach aufzugeben, telefonisch unterrichtet worden.

Die Planungen mit St. Georgen sollen nun mit Hochdruck vorangetrieben werden, berichtete der Wahl-Geschäftsführer. Man wolle noch im Jahr 2018 das Grässlin-Gebäude abreißen. Im April oder Mai 2019 sollen dann die Arbeiten am Wahl-Neubau beginnen, sofern der Bebauungsplan bis dahin steht, betonte Burger. "Da sind wir zuversichtlich." Der vollständige Umzug sei für das Jahr 2020 geplant.

Auf dem derzeitigen Grässlin-Areal in Peterzell sollen eine Produktionshalle mit Logistik und ein Verwaltungsgebäude entstehen, erklärte Jörg Burger. Ein Parkhaus, wie es noch in Unterkirnach im Gespräch gewesen ist, sei nicht nötig. Man könne ausreichend Parkplätze einrichten. Die 240 momentan Beschäftigten werden in den neuen Standort übernommen.

Der Geschäftsführer bestätigte nun auch die jüngsten Gespräche zwischen der Gemeinde Unterkirnach und der Firma Wahl. Es habe eine Anfrage gegeben, ob es eine letzte Option in Unterkirnach gibt. "Die gab es kurzfristig nicht", sagte Jörg Burger. "Das Thema kurzfristig ist uns schon wichtig." Daher sei am Ende die Entscheidung gefallen, die zuvor angekündigte Verlagerung der Produktion umzusetzen.

Als Ende April bekannt wurde, dass die Firma Wahl den Standort Unterkirnach aufgeben wird, sorgte die Nachricht für Bestürzung und Diskussionen. Als dann kurz darauf bekannt wurde, dass es für das Grässlin-Areal in Peterzell keinen Bebauungsplan gibt und dass es ein weiteres Gespräch zwischen Bürgermeister Andreas Braun und Wahl gegeben hat, kam die Hoffung auf, dass die Firma womöglich doch in der Gemeinde gehalten werden kann. Eine Hoffnung, die nun endgültig geplatzt ist.

Für die Gemeinde Unterkirnach bedeutet dies nun, dass sie sich definitiv auf erhebliche finanzielle Auswirkungen einstellen muss. Daher hatte Bürgermeister Braun einen Ausgabenstopp verhängt und ließ intern die anstehenden Ausgaben und mögliche Einsparmaßnahmen ermitteln. Diese Ergebnisse und der finanzielle Stand der Gemeinde im Allgemeinden sollen bei einer Einwohnerversammlung im September oder Oktober 2018, die anstelle des Sommerempfangs des Bürgermeisters stattfinden wird, der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Für St. Georgen ist diese finale Entscheidung der Firma Wahl hingegen eine gute Nachricht. Dort freue man sich auf das Unternehmen, wie Bürgermeister Michael Rieger nach Bekanntwerden der Umzugspläne betonte. "Ein Unternehmen von diesem Kaliber heißen wir mit offenen Armen willkommen." Er zeigte sich zuversichtlich, dass es mit dem Bebauungsplan keine Probleme geben werde.

 

Firma Wahl

Das Unternehmen Wahl stellt Haarschneidemaschinen für Mensch und Tier her. Die Wurzeln in Unterkirnach liegen in der 1946 gegründeten Firma Kuno Moser. 1996 wurde die damalige Moser Elektrogeräte GmbH vom US-amerikanischen Unternehmen Wahl Clipper Corporation mit Sitz in Sterling im Bundesstaat Illinois übernommen. Seit 2002 wurde in Unterkirnach als Wahl GmbH produziert. Die Firma beschäftigt in Unterkirnach derzeit rund 240 Mitarbeiter, davon etwa 40 aus Unterkirnach. Damit ist sie der größte Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler im Ort. Nach eigenen Angaben exportiert Wahl in über 100 Länder.