Wie geht es in Unterkirnach weiter? Diese Frage wollte Bürgermeister Andreas Braun bei der Einwohnerversammlung in der Schlossberghalle beantworten. Die Gemeinde muss durch den voraussichtlichen Weggang der Firma Wahl in zwei Jahren erhebliche finanzielle Einbußen verkraften. Diese gilt es aufzufangen.

  • Finanzielle Lage: Zunächst gab der Bürgermeister den gut 200 Zuhörern einen Überblick über die finanzielle Lage der Gemeinde. Dabei gab er unter anderem an, man benötige für die beiden ersten Jahre nach dem Wahl-Weggang, also 2021 und 2022, zusammen rund 2,88 Millionen Euro. Dies bedinge "unangenehme Ausgabeneinsparungen und notwendige Einnahmeerhöhungen". Ein Teil dieses Betrages, nämlich rund 1,13 Millionen Euro, sei bereits als Rücklage vorhanden. Darüber hinaus habe man das verwertbare Vermögen der Gemeinde durch Grundstückskäufe erhöht. Weil diese allerdings über Darlehn finanziert wurden, steige die Pro-Kopf-Verschuldung auf rund 500 Euro.
     
Wünsche und Anregungen an die Gemeinde können die Teilnehmer der Einwohnerversammlung auf einer Stellwand notieren. Die Zahl der angehefteten Zettel bleibt am Ende überschaubar.
Wünsche und Anregungen an die Gemeinde können die Teilnehmer der Einwohnerversammlung auf einer Stellwand notieren. Die Zahl der angehefteten Zettel bleibt am Ende überschaubar. Bild: Cornelia Putschbach
  • Gewerbeansiedlung: Die Gemeinde möchte auf gesamt rund fünf Hektar im Abendgrund I und II sowie den dann erneut zu besiedelnden Flächen der Firma Wahl Gewerbeflächen veräußern und neues Gewerbe ansiedeln. 200 Arbeitsplätze sollen damit geschaffen werden.
  • Mehr Einwohner: Durch die Veräußerung von Bauplätzen soll die Einwohnerzahl auf rund 2800 erhöht werden. Verkaufserlöse und Zuweisungen für die weiteren 200 Einwohner werden die Einnahmen begründen.
     
Am Ende der Einwohnerversammlung in der Schlossberghalle in Unterkirnach gibt es von den gut 200 Zuhörern Beifall für den Vortrag von Bürgermeister Andreas Braun. Trotz notwendiger Sparmaßnahmen wollen viele Einwohner als Dorfgemeinschaft positiv in die Zukunft blicken. Bilder: Cornelia Putschbach
Am Ende der Einwohnerversammlung in der Schlossberghalle in Unterkirnach gibt es von den gut 200 Zuhörern Beifall für den Vortrag von Bürgermeister Andreas Braun. Trotz notwendiger Sparmaßnahmen wollen viele Einwohner als Dorfgemeinschaft positiv in die Zukunft blicken. Bild: Cornelia Putschbach
  • Hallenbad: Das Hallenbad ist, so der Bürgermeister, für einen Jahresverlust von rund 250 000 Euro verantwortlich. Diesen gelte es zu verringern. Auch wenn das Bad "von vielen heiß geliebt werde", müsse man diese Position kritisch prüfen und gegebenenfalls sogar eine Schließung des Bades in Betracht ziehen. Ausgaben könnten unter anderem durch einen weiteren Schließtag, die Schließung der Sauna im Sommer oder den Wegfall des Warmbadetages gesenkt werden. Zur Einnahmeverbesserung könne eine Umlage pro Übernachtungsgast und Nacht erhoben werden. Einen Betrag von knapp unter einem Euro hält Andreas Braun hier für realisierbar. Zudem stünden Eintrittspreise und die Entgelte für auswärtige Vereine auf dem Prüfstand. Ein externer Experte sei zudem mit der Ermittlung eines mittelfristig notwendigen Sanierungsaufwandes beauftragt. Eine klare Aufforderung des Bürgermeisters an die Einwohner lautet: "Nutzen Sie das Bad, dann steigen die Einnahmen."
  • Personal: Auch vor den Personalkosten macht die Suche nach Einsparmöglichkeiten keinen Halt. Entlassungen wolle man vermeiden. Konkret wird aber eine unbesetzte Stelle im Werkhof eingespart. Das habe allerdings Auswirkungen beispielsweise auf den Winterdienst oder die Pflege von Grünflächen.
Das könnte Sie auch interessieren
  • Was noch? Recht allgemein blieb der Bürgermeister bei weiteren Optionen. So sollen beispielsweise Übernachtungszahlen erhöht und Ausgaben in der Verwaltung eingespart werden. Nicht ausschließen wollte der Bürgermeister zudem eine Grundsteuererhöhung. Im kommenden Jahr werde es eine weitere Einwohnerversammlung geben, auf der eine durch den Gemeinderat beschlossene konkrete Maßnahmenliste vorgestellt werde.
  • Positives ist gefragt: Im Rahmen der anschließenden Fragerunde forderten gleich mehrere Zuhörer, das Positive der Gemeinde Unterkirnach wieder mehr in den Fokus zu stellen. So möchte Ingeborg Wimmer Ideen sehen, die die Gemeinde wieder attraktiver machen. Michael Walter wünscht sich, dass Unterkirnach "kulturell in besseres Licht gerückt wird" und unter viel Beifall forderte Berthold Frisch seine Mitbürger auf, wieder mehr über die schönen Dinge Unterkirnachs zu sprechen.