Wie zufrieden sind Sie mit dem Verlauf des vergangenen Jahres?

Sehr zufrieden. Als persönlich optimistisch eingestellter Zeitgenosse tut man gut daran, nicht immer zu klagen, sondern dankbar auf das zurückzublicken, was das Jahr 2019 gebracht hat. Zweifelsfrei war das Festwochenende anlässlich des 775-jährigen Jubiläums von Unterkirnach mein persönliches Highlight im Jahr 2019.

Im vergangenen Jahr hatte Unterkirnach einige Projekte zu stemmen. Wie lautet Ihr Resümee zu den Großprojekten wie dem Baugebiet Sommerberg II, dem Anschluss der Außenbezirke an das Breitbandnetz oder auch dem großen Dorfjubiläum?

Die Erschließung im Baugebiet Sommerberg II als auch der Ausbau des Breitbandnetzes im Außenbezirk waren voll im Soll. Die geplanten Arbeiten im Sommerberg konnten bis auf den finalen Ausbau der Straße vollumfänglich abgeschlossen werden. Auch die langersehnte schnelle Internetverbindung im Außenbezirk ist bei den ersten Häusern mittlerweile vorhanden. Ein Dank allen Beteiligten, welche hier im zurückliegenden Jahr großartige Arbeit geleistet haben. Das Dorfjubiläum war einzigartig. Das herausragende Miteinander und das ehrenamtliche Engagement unserer Dorfgemeinschaft waren hierbei vorbildlich. Hut ab und Chapeau vor dieser gewaltigen Teamleistung. Wir alle können stolz auf das Geleistete sein.

In diesem Jahr wird die Neuschaffung von Kindergartenplätzen in der Gemeinde einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Wie ist diesbezüglich der Stand der Dinge?

Wir werden in Kürze nach Vorlage aller Angebote eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Möglichkeiten ausarbeiten und diese dem Gemeinderat zur Entscheidung vorlegen. Konkret geht es in erster Linie um die Frage, ob es zukünftig eine kommunale Trägerschaft geben wird oder die benötigten beiden Gruppen in einer freien oder kirchlichen Trägerschaft betrieben werden. Wir haben Angebote von drei Trägern angefragt. Bei einer freien Trägerschaft wird es definitiv keinen Naturkindergarten geben. Bei einem kommunalen Betreibermodell wären wir bekanntlich flexibler.

In Unterkirnach wird es damit erstmals wohl Kindergartenplätze in zwei verschiedenen Trägerschaften geben. Besteht auf Dauer die Gefahr einer Konkurrenzsituation zwischen den Trägern der Kindergärten, wenn Eltern beginnen zu vergleichen?

Eine Konkurrenzsituation kann nie ausgeschlossen werden. Doch am Ende geht es uns darum, dass wir im Dorf für alle Kinder bestmögliche pädagogische Angebote vorhalten können und dass es zwischen beiden Trägern ein gutes Miteinander geben wird.

Das Hallenbad Aqualino ist derzeit viel diskutiert. Welche Punkte sind bei einer Entscheidung über dessen Fortbestand zu berücksichtigen?

Der erstmals im Jahr 2020 erstellte Haushalt in doppelter Buchführung, der Doppik, wird unsere Herausforderungen mehr denn je aufzeigen. Wir haben eine, für unser Dorf betrachtet, große Infrastruktur, welche wir in den kommenden Jahren erhalten und pflegen müssen. Hierbei geht es in erster Linie um die Erfüllung der Pflichtaufgaben. Wenn wir wissen, wie wir diese erhalten können, dann können wir uns gerne über die zahlreichen freiwilligen Einrichtungen austauschen.

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Welche konkrete Vorgehensweise streben Sie für das Jahr 2020 an, um eine Entscheidungsfindung bezüglich des Hallenbads voran zu treiben?

Von mir wurde bewusst die Evaluierung des Gemeindeentwicklungskonzeptes angestoßen, um zusammen mit dem Gemeinderat und den Bürgern die Ziele und Möglichkeiten über die kommenden Jahre neu festzulegen. Wenn am Ende dieses Prozesses herauskommt, dass wir das Hallenbad erhalten können, dann freue ich mich. Wenn wir es uns nicht leisten können, dann bedarf es in jedem Falle um die Klärung der Frage, was passiert bei einer möglichen Schließung.

Um Einnahmen in die Gemeindekasse zu spülen, muss die Erschließung und Vermarktung des Gewerbegebiets Im Abendgrund erfolgen. Wie soll das neue Gewerbegebiet dort aussehen?

Zunächst einmal werden wir den Bebauungsplan anpassen und eine parzellierte Erschließung vornehmen. Das Gelände soll für die Erweiterung heimischer Firmen als auch für kleinere und mittelständische Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Die Erschließung soll im Sommer 2020 realisiert werden.

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Wie realistisch sehen Sie zum Beispiel im Hinblick auf die schwierige Verkehrsanbindung des Gebiets die Vermarktung?

Die Anbindung an die Fernstraßen ist in der Tat nicht optimal. Doch heutzutage geht es den Firmen in erster Linie um qualifizierte und vor allem flexible Fachkräfte. Hier nehmen wir mit unserem Angebot im Kindergarten und der Grundschule eine Spitzenposition ein. Diese gilt es durch flexiblere Angebote auch in den Ferien noch weiter auszubauen und zu stärken. Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Ich bin überzeugt, dass wenn die Fläche erstmal erschlossen ist, wir zügig auch weitere Betriebe des Handwerks und des Mittelstandes hier ansiedeln können. Gerade die erst kürzlich verbesserte Anbindung des ÖPNV macht den Standort Unterkirnach wieder ein stückweit mehr attraktiver.

Gibt es bereits konkrete Interessenten für den Abendgrund?

Immer wieder gibt es Interessenten für die Flächen im Abendgrund. Wichtig wird sein, das Gelände nun zeitnah zu erschließen, um auch Flächen wieder veräußern zu können.

Zur Generierung von Haushaltsmitteln streben Sie eine Erhöhung der Einwohnerzahl um rund 200 auf 2800 an. Wie möchten Sie das angehen?

Ganz klar durch eine Nachverdichtung. Wir benötigen Konzepte, bei denen wir bewusst bezahlbaren und zeitgemäßen Wohnraum im Geschossflächenbau realisieren. Die Zeiten, in den große Baugebiete geschaffen werden und riesige Flächen versiegelt werden, ist vorbei. Eine Fläche wie der momentane Reisemobilstellplatz eignet sich ideal, um Wohnraum zu schaffen. Dieses stärkt die Ortsmitte und bringt neben Einwohnern auch eine zusätzliche Ertragskraft mit ins Dorf.

Welche weiteren Ideen haben Sie, um die Einnahmenseite des Gemeindehaushalts zu verbessern?

Für mich ist die Evaluierung des Gemeindeentwicklungskonzeptes von immenser Wichtigkeit. Entweder wir konzentrieren uns auf das Wesentliche und versuchen auch das ein oder andere noch einzusparen oder durch interkommunale Zusammenarbeit zu lösen, oder aber müssen wir uns auch darauf einstellen, dass es den Erhalt der Infrastruktur nicht gänzlich zum Nulltarif geben wird, was durchaus auch eine Erhöhung der Grundsteuer nach sich ziehen kann.

Fragen: Cornelia Putschbach