Der Weggang der Firma Wahl und das weitere Vorgehen beim Gewerbegebiet Abendgrund I, ehemals Gutmann-Areal, sind derzeit zwei der bedeutendsten Themen in der Gemeinde. Entsprechend groß war das Interesse bei der am Donnerstag einberufenen Einwohnerversammlung. Rund 200 Bürger waren der Einladung von Bürgermeister Andreas Braun gefolgt, verfolgten seine Hintergrunds- und Sachstandsberichte und stellten Fragen.

  • Konkrete Zahlen: Genauer wissen wollte es der ehemalige Gemeinderat Horst Belz. Er habe Angaben darüber vermisst, was die Gemeinde für das Gutmann-Areal gezahlt hat und wie hoch die Zuschüsse sein werden. Den genauen Kaufpreis verriet Bürgermeister Braun nicht. Nur, dass er sich zwischen einer und zwei Millionen Euro bewegt hat. Diese seien zum Teil über die Rücklagen, aber auch über Kredite finanziert worden. Der bewilligte Zuschuss belaufe sich derzeit auf 700 000 Euro, wobei dies nicht die finale Summe sei. Für das Abtragen und die Entsorgung des Asbests werde es aber keine Förderung vom Land geben.
Die Fragerunden werden ausgiebig genutzt. Hier stellt Horst Belz eine Frage über die die bisherigen Kosten für die Gemeinde.
Die Fragerunden werden ausgiebig genutzt. Hier stellt Horst Belz eine Frage über die die bisherigen Kosten für die Gemeinde. | Bild: Cornelia Putschbach
  • Juristische Schritte angekündigt: "Das werden wir nicht mit uns machen lassen", kündigte der Bürgermeister deswegen an. Die Gemeinde habe sich mit einer Altlastenuntersuchung vor dem Kauf des Areals absichern wollen. "Wir wollten sicherstellen, dass das, was wir kaufen, sauber ist." Der nun doch gefundene Asbest verursache Mehrkosten zwischen 200 000 und 250 000 Euro. Die Gemeinde werde sich deshalb juristische Schritte gegenüber dem Gutachter vorbehalten. Die Frage von Gerhard Graf, wie hoch die Erfolgsaussichten stehen, wollte Braun mangels Fachwissen nicht beantworten. "Wir haben einen guten Fachanwalt zurate gezogen", sagte er. Die Forderung von Andreas Günter, auch die Verkäufer der Grundstücke in die Verantwortung zu nehmen, blockte Braun allerdings ab. Er sehe da keine großen Erfolgsaussichten.
  • Anfragen von Gewerbe: In eine andere Richtung ging die Frage von Ingeborg Wimmer, die wissen wollte, ob es bereits Anfragen für den Abendgrund I gebe. "Ich weiß nicht, was an dieser Stelle attraktiv sein soll", sagte sie. Es habe bereits Anfragen gegeben, bestätigte Andreas Braun. Angesichts der sehr guten Konjunktur bestehe eine große Nachfrage an Gewerbeflächen. Er sei überzeugt, dass die Gemeinde die Flächen gut vermarkten kann. Dass bei der Vermarktung auch die richtige Strategie angewandt werden muss, sagte Berthold Frisch. Es sollte vermieden werden, an einen einzelnen großen Gewerbetreibenden zu verkaufen. "Man hätte dann wieder das Klumpenrisiko." Was denn mit den Wahl-Gebäuden in Unterkirnach passieren soll, wollte Robert Köstner wissen. Auf diese Frage blieb Bürgermeister Braun eine konkrete Antwort schuldig. Es sei noch zu früh, dass zu sagen, sagte er. Er stehe aber im Austausch mit Wahl. Deswegen sei es ihm auch wichtig, in der restlichen Zeit ein gutes Miteinander zu pflegen, um involviert zu bleiben.
  • Wahl-Weggang kostet Millionen: Neben dem Gewerbegebiet Abendgrund I kamen auch der Weggang der Firma Wahl und die damit verbundenen finanziellen Auswirkungen für die Gemeinde zur Sprache. Die Firma Wahl mache derzeit 90 Prozent der Gewerbesteuer im Ort aus, sagte Bürgermeister Braun. In den ersten zwei Jahren nach Wahl werden rund 2,9 Millionen Euro fehlen. Im Jahr drei und vier profitiere die Gemeinde dann vom kommunalen Finanzausgleich, wodurch die Finanzlücke gestopft wird. Ab dem fünften Jahr fehlen dann aber rund 430 000 Euro pro Jahr. Dies sei aber der schlimmste Fall, wenn sich nichts verändert. Also wenn es keine neuen Einnahmequellen, beispielsweise durch neues Gewerbe, oder Einsparungen gibt.