Landauf landab ist die Badische evangelische Landeskirche zum Sparen gezwungen. Durch den Mitgliederschwund brechen der Kirche die liquiden Mittel aus den Kirchensteuereinnahmen weg. Was bleibt, sind Gebäudewerte: 30 Prozent der Gemeindehausflächen sollen landeskirchenweit reduziert werden. Das hat die badische Kirchenleitung beschlossen und Unterkirnach könnte direkt davon betroffen sein.

Gemeindelandschaft in Villingen wird vereinheitlicht

Der Christuskirche, die vor nicht einmal 30 Jahren gebaut wurde, droht die Schließung. Kirchengemeinderatsvorsitzender Klaus Büch stellte der Gemeindeversammlung der vier Pfarreien Johannes, Markus, Lukas und Paulus am Montag im Paulus-Gemeindehaus in Villingen einen Entwurf vor, der die Reduzierung der Gemeindehausflächen möglich machen soll.

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Überlegung: Kirche und Grundstück verkaufen

Darin eingeschlossen ist die Überlegung, die Christuskirche in Unterkirnach samt Gelände zu verkaufen. Allerdings nur, wenn es alternative Räumlichkeiten gebe, wo Gottesdienst gefeiert werden könne, betonte Büch auf Nachfrage des SÜDKURIER. „Kirche wird weiterhin stattfinden, das ist die Voraussetzung.“

Trübe Aussichten am Dienstag: Die Christuskirche in Unterkirnach droht, dem Rotstift zum Opfer zu fallen. Nur wenige Gläubige kommen hier zum Gottesdienst.
Trübe Aussichten am Dienstag: Die Christuskirche in Unterkirnach droht, dem Rotstift zum Opfer zu fallen. Nur wenige Gläubige kommen hier zum Gottesdienst. | Bild: Hanna Mayer

Das Gotteshaus ist erst 30 Jahre alt

Die Fläche des Paulus-Gemeindezentrums in der Kalkofenstraße könnte auch betroffen sein und von 385 auf 200 Quadratmeter, also knapp auf die Hälfte der Fläche, reduziert werden. Andreas Braun, Bürgermeister der Gemeinde Unterkirnach, äußerte sich im Gespräch mit dem SÜDKURIER zu den Plänen: „Es ist natürlich nicht schön, wenn eine Einrichtung wegbricht, für die sich Menschen vor 30 Jahren eingesetzt haben.“ Knapp 500 evangelische Gemeindemitglieder zählt der Ort. Trotzdem findet Braun die Überlegung, die Christuskirche zu schließen, nachvollziehbar.

„Es ist kein schöner Moment, aufgrund der wenigen Kirchenbesucher ist es aber nachvollziehbar.“ Andreas Braun, Bürgermeister
„Es ist kein schöner Moment, aufgrund der wenigen Kirchenbesucher ist es aber nachvollziehbar.“ Andreas Braun, Bürgermeister | Bild: Putschbach

In der Kirche fänden nur zweimal im Monat Gottesdienste statt, die zudem nur mäßig besucht werden: „Zehn Leute an einem Sonntag sind viel.“ Die Festgottesdienste würden allesamt in der katholischen Kirche abgehalten werden. „Unterkirnach ist ein katholisches Dorf und eine katholische Gemeinde.“ Als Kommune sei Unterkirnach dazu bereit, alternative Räumlichkeiten für Gottesdienste und die Pfadfinder, die sich zweimal wöchentlich in der Christuskirche treffen, bereitzustellen, so Braun. Vorstellbar seien die Aussegnungshalle oder der sanierte Pfarrsaal. „Es wird eine Lösung geben.“ Wie die Kirche künftig genutzt werden soll, sei noch unklar.

Der Kirchengemeinderat stimmt im November ab

Am Dienstag, 19. November, soll laut Braun der Entwurf zur Reduzierung der Gemeindehausflächen vor den Kirchengemeinderat gebracht und darüber abgestimmt werden.

Auch St. Georgen war im Jahr 2018 von der Entwicklung betroffen. Die Kirchengemeinde St. Georgen-Tennenbronn musste die Hälfte der ehemals gut 2100 Quadratmeter Nutzfläche in den Gemeindehäusern in St. Georgen, Langenschiltach, Peterzell und Tennenbronn abbauen. Im Zuge dessen wurde im Oktober 2018 das alte Gemeindehauses in Peterzell verkauft.

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