Sie kommen bald für einen Auftritt nach Unterkirnach, was verbinden Sie mit dem Schwarzwald?

Samuel Koch: Mein Opa ist in Donaueschingen geboren. Auf und um den Feldberg habe ich – in dieser Reihenfolge – Schlitten-, Ski- und Snowboardfahren erlernt. In Sigmaringen habe ich meine Grundausbildung absolviert und mit meinen Kameraden bei minus 20 Grad im Schnee gelegen.

Der Erlös Ihres Auftritts kommt dem Integrationsbetrieb Fohrenhof zu Gute, Sie sind auch Schirmherr des Projekts. Warum ist es Ihnen wichtig, sich dafür zu engagieren?

Weil ich es kann! – Ich weiß, das klingt wie eine Floskel. Ich meine es aber ganz ernst. Der Fohrenhof in Unterkirnach schafft Arbeitsplätze. Allein das wäre schon ein Grund. Die Arbeitsplätze sind zum Teil für Menschen, die andere Fähigkeiten haben als im 'normalen' Arbeitsleben verlangt werden. Insgesamt kommt ein Betrieb heraus, der wertvoll für unsere Gesellschaft ist. Wenn ich diese Arbeit unterstützen kann, in meinem ersten Buch habe ich über 'die Schönheit der Nützlichkeit' geschrieben, gefällt mir das natürlich. Ich bin nicht nur auf Hilfe angewiesen, sondern kann auch helfen. Das ist schön. Zwar kann ich – außer vielleicht mit einer Veranstaltung wie am 19.Oktober nicht direkt helfen, aber einen Scheinwerfer und damit hin und wieder die Aufmerksamkeit auf den Fohrenhof richten.

Was erwartet die Besucher an dem Abend in Unterkirnach?

Es gibt sowohl Ernstes, wie Heiteres, Schönes und Unschönes, Absurdes und Tiefgreifendes und wer nicht nur Worte und Inhalte mag, kann sich von seinen Gefühlen leiten lassen oder einfach zweckfrei der Musik lauschen. Sicher wird es die Gelegenheit für interessante, nette Gespräche geben.

Sie stehen seit Jahren in der Öffentlichkeit. In welchen Momenten würden Sie sich lieber zu Hause verkriechen?

Wenn es draußen kalt ist. Nein, im Ernst. Als Schauspieler muss man das Rampenlicht mögen und auch die Öffentlichkeit – doch es gibt auch an der Person dahinter, an Samuel Koch, ein öffentliches Interesse, was nicht immer nur angenehm ist. Trotzdem habe ich für mich festgestellt, es lohnt sich, seinen Wohlfühlbereich und seine barrierefreien vier Wände zu verlassen! Auch wenn es Überwindung kostet und demütigend sein kann. Nach wie vor bin ich abenteuerlustig und gespannt auf Begegnungen mit Menschen. Mein engster Freundeskreis hat von mir die Lizenz, mich anzutreiben, falls mir etwas zu mühsam erscheint, zum Beispiel mich in den fünften Stock zur WG-Party hochtragen zu lassen. Hinterher bin ich froh und denke: 'es war ein schöner Abend mit netten Menschen'.

Sie haben mal gesagt, dass sie manchmal mystisch überhöht werden. Was ist damit gemeint? Und, in Abgrenzung dazu, wer ist Samuel Koch? Wie wollen Sie wahrgenommen werden?

Es gibt so viele Menschen, die ihre schwere Situation meistern. Meine besondere Situation ist in der Öffentlichkeit bekannt, daher bekomme ich reichlich Zuschriften, Kommentare, die manchmal bis zur Bewunderung reichen. Das empfinde ich als unangenehm. Wenn eine Begegnung mit mir, ob direkt oder indirekt über Medien einen positiven Effekt hat, wenn jemand für sich etwas Gutes mitnehmen kann, freu ich mich, aber diesen Anspruch will ich nicht erheben.

Sie sind Schauspieler. Welche Rolle würde Sie sich geben, wenn Sie sich eine ausmalen dürfen?

Ich freue mich, einen Beruf zu haben, bei dem man mit Stimme, Geist und Fantasie die Menschen zum Lachen, Weinen oder Nachdenken anregen kann. Am Staatstheater Darmstadt haben wir entschieden, dass ich wie die anderen Schauspieler mal den Faust spiele, mal Peter oder Erwin. Nicht die naheliegenden Opferrollen. Wir suchen auch gerne nach neuen Möglichkeiten für eine Performance. Etwas Neues versuchen, Altes besser machen darin liegt für mich der Reiz der Schauspielerei.

Wie groß ist Ihre Hoffnung auf Heilung?

Ich würde sagen, ein heimliches, stilles, unterbewusstes Hoffen.

Welche Rolle spielt dabei, weil sie ein gläubiger Mensch sind, die Religion?

Das Wort Religion teilt meiner Meinung nach zu sehr in Gruppen ein. Ich spreche, wenn ich gefragt werde, lieber von Glauben. Und das ist etwas Intimes, was man nicht so gut erklären kann. Manchmal schaffe ich mir Raum, um allein zu sein und diskutiere mit dem Erfinder des Rückenmarks. Der Glaube ist für mich nicht nur ein psychologische Konstrukt (was eine Religion sein kann), sondern eine lebenserhaltende Maßnahme.

Was gibt Ihnen in Ihrem Alltag am meisten Kraft?

Der Beantwortung dieser mir am häufigst gestellten Frage habe ich – auch deshalb – ein ganzes Kapitel in meinem Buch gewidmet. Vielleicht lese ich davon ein Stück im Fohrenhof.

 

Person und Vorverkauf

  • Samuel Koch, 30, ist ein in Neuwied geborener Schauspieler. Bekannt wurde er, als er sich im Dezember 2010 bei „Wetten, dass“ schwer verletzte. Seitdem ist er vom Hals abwärts gelähmt. Im Februar 2014 schloss er sein Schauspielstudium ab. Danach wurde er festes Ensemblemitglied am Staatstheater Darmstadt.
  • Karten für die Veranstaltung können über die Internetseite des Fohrenhofs reserviert und an der Abendkasse abgeholt werden. Im Vorverkauf gibt es Karten in Villingen bei der Buchhandlung Osiander, Rietstraße 8, bei der Caritas, Gerwigstraße 6, in Unterkirnach im „Fohrenhof“, Am Wald 37, und in der Tourist-Info. Der Eintritt kostet regulär 15 Euro und zehn Euro ermäßigt. Der Einlass zur Veranstaltung ist ab 17.30 Uhr, die Lesung beginnt um 18.30 Uhr. (pga)