Die wenigsten Menschen machen sich Gedanken über die Abwasserentsorgung ihrer Gemeinde. Dabei ist es ein wichtiges Thema, mit dem sich jede Verwaltung beschäftigen muss. In Unterkirnach kommt seit diesem Jahr eine mobile Anlage zur sogenannte Klärschlammentwässerung zum Einsatz. Die Veränderung wurde nötig, weil die bisherige Entsorgung verboten wurde.

Bisher lief die Entwässerung des Klärschlamms über ein Schilfbecken, erklärt Ralf Scherer, Sachgebietsleiter für Ver- und Entsorgung. Darin sei der Schlamm auf natürliche Weise, über Versickerung und Verdunstung, entwässert worden. Zurück sei eine bröcklige Erde geblieben, die mit Humus vermischt als Düngemittel für die Landwirtschaft verwendet worden sei. Dieser Methode schob das Landratsamt allerdings im vergangenen Jahr einen Riegel vor. Die Höchstwerte an belastenden Stoffen, die die Rückstände haben dürfen, sei heruntersetzt worden, sodass der entwässerte Schlamm nun nicht mehr auf die Felder gebracht werden dürfe, sagt Ralf Scherer. "Wir mussten also schauen, wie wir den Klärschlamm entsorgt bekommen."

Bei einigen Kläranlagen geschehe das mit einer stationären Pressanlage, in der das Wasser aus dem Schlamm gepresst und die Rückstände dann thermisch verwertet, also als Brennmaterial für die Industrie verwendet werden. "Die meisten Kläranlagen haben so etwas aber nicht", sagt Sachgebietsleiter Ralf Scherer. Dort werde stattdessen auf mobile Pressen zurückgegriffen, die mehrmals im Jahr in die Kläranlage gebracht werden und den Klärschlamm entwässern.

Seit Anfang dieses Jahres nutzt auch die Gemeinde Unterkirnach das Angebot einer mobilen Pressanlage. Geplant sei, diese Variante für ein Jahr zu testen, sagt Ralf Scherer. "Dann wissen wir, was uns ein Jahr kostet." Danach soll die mobile Pressanlage zunächst noch zwei bis drei Jahre zum Einsatz kommen, bevor eine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen werden soll. "Wenn der Preis stimmt, wird man das weiter über ein Lohnunternehmen machen", sagt Scherer. Diese Methode sei gerade in Gemeinden mit kleinen Kläranlagen, wie es eben in Unterkirnach auch der Fall sei, alles andere als ungewöhnlich.

Der Einsatz der mobilen Pressanlage kostet etwa 8000 bis 8500 Euro, sagt Scherer. Bei, wie momentan geplant, drei Einsätzen im Jahr, belaufen sich die jährlichen Kosten also auf durchschnittlich 25 000 Euro. "Vielleicht ist es wirtschaftlicher, die Kläranlage mit einer stationären Pressanlage auszustatten", sagt Scherer. Das müsse allerdings ausgerechnet werden, denn die Kosten dafür hängen von Ausstattung, dem beauftragten Unternehmen und den Materialkosten ab. Und auch die Kosten für den weiteren Unterhalt einer solchen Anlage müssten bei der endgültigen Entscheidung beachtet werden.

Mobile Entwässerung

Bei der mobilen Schlammentwässerung wird der Klärschlamm aus den Becken in eine Pressanlage gepumpt. Durch das Pressen werden Feststoffe von Flüssigkeit getrennt. Das ausgepresste Wasser wird danach wieder in das System der Kläranlage geleitet, die Rückstände werden in einem Container gesammelt und verbrannt. (tol)