Seit einem halben Jahrhundert wohnt, arbeitet und engagiert sich Michael Klafki in der Gemeinde Unterkirnach. In diesen 50 Jahren hat sich der Ort spürbar verändert. Mit dem SÜDKURIER blickte der Lehrer im Ruhestand auf seine Zeit in dem Ort zurück, den er erst hat lieben lernen müssen.

"1968 kam ich von Karlsruhe her", erinnert sich der 73-Jährige. Eigentlich wollte er nach Mannheim, wurde dann aber nach dem Studium an die Schule nach Unterkirnach versetzt. "Ich hatte von dem Ort davor nie gehört", sagt Michael Klafki. "Kein Kino, keine Disko. Ich habe gedacht, hier bleibe ich nicht lange." Unterkirnach sei damals kleiner gewesen, als heute. Nur den heutigen Ortskern um das Rathaus habe es damals gegeben. "Der ganze Sommerberg war noch leer."

Auch seine ersten Erfahrungen an der Schule waren alles andere als einfach, wie er erzählt. Als 23-Jähriger und frisch vom Studium sei er vor eine Klasse mit 36 Schülern gestellt worden. Vom ersten Tag an habe er unterrichten müssen, es gab keine Eingewöhnungszeit zusammen mit anderen Lehrern. "Ich wurde ins kalte Wasser geworfen", erinnert sich Klafki.

Von den anfänglichen Zweifel an Unterkirnach ist heute nichts mehr übrig. 40 Jahre lang unterrichtete Michael Klafki an der Roggenbachschule, bevor er im Jahr 2008 in den Ruhestand ging. Doch auch danach blieb er an der Schule aktiv, kümmert sich weiterhin um die Sichtung und Bestellung von Schulbüchern, ist Vorsitzender des Fördervereins der Schule. "Unterkirnach war mein Schicksal", sagt der 73-Jährige. "Ich würde nie wieder in die Großstadt ziehen." Er habe schätzen gelernt, dass man auf dem Land jeden kennt, schnell ins Gespräch kommt. In einer Großstadt wäre das für ihn undenkbar. Und auch auf seine erste Klasse, mittlerweile sind seine ehemaligen Schüler Anfang 60, blickt er mit Freude zurück. Daher freue er sich auch auf ein geplantes Klassentreffen.

Wehmütig wird Michael Klafki nur, wenn er an die Zeit zurückdenkt, in der die Roggenbachschule noch Grund- und Hauptschule war. Doch die Schülerzahlen gingen zurück. In den 1990er Jahren seien nach der Wiedervereinigung und dem Mauerfall 350 Schüler, viele davon Russlanddeutsche, von 33 Lehrern unterrichtet worden. Heute sind es noch rund 100 Schüler und acht Lehrer. Den Lehrmethoden von damals trauert er allerdings weniger hinterher. Früher sei dieser sehr Lehrerorientiert gewesen, heute lasse man die Schüler viel mehr selbstständig arbeiten.

Ans Aufhören denkt Michael Klafki noch nicht. Er will sich weiter an der Roggenbachschule und dem Förderverein engagieren. "Das ist eine gute Kombination. Ich weiß, was die Schule braucht." Auch auf der Liste der CDU für die Kommunalwahl im kommenden Jahr wird sein Name wieder zu finden sein. Er könne jedem empfehlen, es ihm gleichzutun. "Als Gemeinderat weiß man alles, was läuft." Man lerne viele Menschen kennen und könne der Gemeinde etwas zurückgeben.