Die Gemeinde Unterkirnach wird künftig drastisch sparen müssen. Grund ist der Wegzug der Firma Wahl nach St. Georgen-Peterzell und der daraus resultierende Verlust an Gewerbesteuereinnahmen. In seiner Sitzung am Mittwochabend beschloss der Gemeinderat einstimmig die Streichung von Haushaltsresten aus den Vorjahreshaushalten. Dies ist eine erste von mehreren Maßnahmen, um den Haushalt auch künftig in der Balance halten zu können.

  • Gewerbesteuer: Im Haushalt des laufenden Jahres rechnet die Gemeinde Unterkirnach mit Einnahmen in Höhe von knapp 2,3 Millionen Euro aus der Gewerbesteuer. Ein erheblicher Anteil davon wurde bislang von der Firma Wahl gezahlt. Wenn das Unternehmen seinen Sitz nach Peterzell verlegt, werden diese Gewerbesteuern künftig nach St. Georgen fließen und dem Gemeindesäckel von Unterkirnach fehlen.
  • Haushaltreste: Als Haushaltsreste werden diejenigen Ausgaben und Einnahmen bezeichnet, die im Haushalt eines Jahres bereits fest vorgesehen, dann aber nicht benötigt wurden. Sie werden in den Gemeindehaushalt des Folgejahres übertragen. In Unterkirnach wurden im Haushalt des Jahres 2017 im Verwaltungshaushalt Haushaltsreste in Höhe von 211 000 Euro und im Vermögenshaushalt in Höhe von 2,2 Millionen Euro gebildet. Insgesamt beschloss der Gemeinderat jetzt eine Streichung von Haushaltsresten in Höhe von rund 327 000 Euro.
  • Verwaltungshaushalt: Im Verwaltungshaushalt werden unter anderem die vorgesehenen Gelder für die Renovierung der Fassade der alten Schule in Höhe von 33 000 Euro gestrichen. Vorerst weiter berücksichtigt bleiben die knapp 5000 Euro für die Sanierung des Minigolfplatzes. Allerdings soll die Anlage nicht mehr grundlegend erneuert, sondern nur noch optisch aufgehübscht werden. Der genaue Umfang der Arbeiten wird nach einem Gespräch mit den neuen Pächtern der Schlossbergstube festgelegt. Irgendwo müsse man ja schließlich anfangen, stellte Gemeinderat Michael Klafki (CDU) fest und ließ damit ansatzweise durchblicken, wie schwer sich der Gemeinderat die Entscheidungen hinter verschlossenen Türen macht.
  • Vermögenshaushalt: Mit 101 000 Euro die mit Abstand größte gestrichene Position betrifft die Aktivierung des Schlossbergs. Diesen Posten zieht die Gemeinde schon über mehrere Haushalte mit. Hier war zum Beispiel einmal eine Biberstation angedacht.

Verzichtet wird beispielsweise auch auf sanitäre Anlagen und einen Stromkasten am Reisemobilstellplatz (21 500 Euro), Zuschüsse zur Familienförderung von Familien mit sechs oder mehr Kindern (30 000 Euro) und eine Erneuerung der Brücke am Einlauf des Talsees (16 000 Euro). Entgegen dem ersten Vorschlag der Verwaltung einigte man sich aber darauf, den Haushaltsrest von 1000 Euro für die Installation einer Webcam für die Homepage stehen zu lassen. Auch der Zuschuss für die Schaffung oder Modernisierung von Gästebetten wird nicht komplett gestrichen, sondern von 15 000 auf 7000 Euro gekürzt.

  • Weitere Einsparvorschläge: Parallel zu dem jetzt gefassten Beschluss über den Wegfall von Haushaltsresten befasst sich der Gemeinderat hinter verschlossenen Türen mit der Ausarbeitung von Einsparvorschlägen.

Bürgermeister Andreas Braun hält sich bislang bedeckt. Im Gemeinderat erklärte er: "Die Verwaltung hat im Rahmen einer Klausurtagung alle Gemeinderäte mit der zukünftigen Finanzsituation vertraut gemacht. Darüber hinaus gab es eine intensive Bestandsaufnahme. Nächster Schritt wird die Priorisierung und Festlegung zukünftiger Schwerpunkte und der Aufgaben der Gemeinde Unterkirnach für die kommenden Jahre sein. An dieser Stelle möchte ich den Damen und Herren Gemeinderäten für ihre engagierte Mitarbeit herzlich Danke sagen. Die Zusammenstellung und Aufbereitung von Einsparvorschlägen ist das momentan allumfassende Thema innerhalb der Verwaltung. Immer wieder werden neue Ideen und Anregungen diskutiert, wieder verworfen oder mit Zahlen aufbereitet. Ziel der Verwaltung ist es, für den Bürger verträgliche Einschnitte zu präsentieren, ohne die Lebensqualität im Dorf zu schmälern."