Es ist kein Geheimnis, dass der angekündigte Weggang der Firma Wahl eine erheblich Lücke in die Finanzen der Gemeinde reißen wird. Wie hoch diese aber jährlich ausfällt, war bislang noch unklar. Nun stellte die Verwaltung konkret vor, wie hoch die finanziellen Auswirkungen des Weggangs des größten Gewerbesteuerzahlers aussehen werden. "Wir wollen nichts verheimlichen", sagte dazu Bürgermeister Andreas Braun.

Die nun vorgestellten Zahlen beruhen auf den Jahresabschlüssen der Firma Wahl aus dem Jahr 2016, die auf der Internetseite des Bundesanzeigers öffentlich und kostenlos zugänglich sind. Demnach machte das Unternehmen im genannten Jahr einen Gewinn von rund 15 Millionen Euro. Daraus ergibt sich eine geleistete Gewerbesteuer von rund 1,8 Millionen Euro. Mit dieser Summe habe man auch in Jahr 2018 gerechnet, erklärte Bürgermeister Andreas Braun. Insgesamt rechne man 2018 mit Gewerbesteuereinnahmen von 2,27 Millionen Euro von etwa 55 Gewerbesteuerzahlern. Somit fallen durch den Wegzug der Firma Wahl auf einen Schlag rund 80 Prozent der Gewerbesteuer weg. Hinzu kommt, dass die Gewerbesteuer mit rund 30 Prozent den laut Haushaltsplan größten Einzelposten unter den Einnahmequellen der Gemeinde ausmachen.

Man rechne damit, dass die Steuerzahlungen der Firma Wahl ab dem Jahr 2021 wegfallen, erklärte Kämmerer Lutz Kunz. In den ersten beiden Jahre, also 2021 und 2022, entfallen dadurch dann voraussichtlich jeweils rund 1,44 Millionen Euro. Grund für die Differenz ist, dass die Gemeinde dann auch keine Gewerbesteuerumlage zahlen muss. Im dritten und vierten Jahr nach dem Wahlweggang, in dieser Rechnung die Jahre 2023 und 2024, greife dann der Länderfinanzausgleich. Die Gemeinde erhält eine höhere Schlüsselzuweisung bei gleichzeitig niedrigeren Kreis- und Finanzausgleichsumlage. "Es fehlt uns dann nichts mehr", erläuterte der Kämmerer. Errechnet wurde ein geringes Minus von rund 5000 Euro.

Ab dem fünften Jahr, das Jahr 2025, fehlen dann rund 434 000 Euro jährlich. Es sei denn, bis dahin wächst die Bevölkerung oder neues Gewerbe siedelt sich an, betonte Kämmerer Kunz. "Das Gute ist, dass wir das jetzt schon wissen. Wir können uns vorbereiten." So soll die Finanzlücke der ersten beiden Jahre in Höhe von gesamt 2,8 Millionen Euro möglichst über die Rücklagen ausgeglichen werden, die bis dahin aufgebaut werden sollen. Rund 1,5 Millionen seien bereits sicher.

Um diese Wenigereinnahmen zu kompensieren muss die Gemeinde Vorkehrungen treffen, Mehreinnahmen an andere Stelle und Ausgaben verringern. "Wir müssen jetzt alles auf den Prüfstand stellen", sagte Bürgermeister Braun. Die Gemeinde habe Pflichtaufgaben, wie den Kindergarten, die Schule, die Feuerwehr und auch Verwaltungsaufgaben, bei denen Einsparungen kaum möglich sind.

Auf der anderen Seite leistet die Gemeinde freiwillige Aufgaben, zu denen das touristische Angebot gehört. Zu den größten Ausgaben, die Unterkirnach stemmen muss, gehört das Schwimmbad, das im Durchschnitt rund 200 000 Euro Zuschussbedarf im Jahr hat. Daher steht die Zukunft der Einrichtung zur Disposition. Auch bei den Personalkosten gebe es laut Gemeindeverwaltung Einsparpotenzial.

Auf der anderen Seite seien Mehreinnahmen beispielsweise durch Steuererhöhungen generierbar. So sei die Grundsteuer zum letzten Mal im Jahr 2011 erhöht worden, berichtete Bürgermeister Braun. Durch die Entwicklung des Baugebiets Sonnenberg entstehen Bauplätze. Dadurch könne wiederum Zuzug generiert werden, was sich positiv auf die Schlüsselzuweisungen auswirken würde, die die Gemeinde Unterkirnach erhält.

Ende April kündigte die Geschäftsführung von Wahl an, die gesamte Produktion und die 240 Arbeitsplätze von Unterkirnach in den St. Georgener Stadtteil Peterzell verlegen zu wollen. Der Entscheidung vorausgegangen war ein zweijähriger Prozess, in dem nach Expansionsmöglichkeiten am derzeitigen Standort gesucht wurde. Am Ende entschied sich die Unternehmensleitung aber für den Umzug nach St. Georgen auf das Grässlin-Areal im Hagenmoos. Dort plant der Hersteller für Haarschneidemaschinen eine neue Produktionshalle mit rund 9000 Quadratmeter und einen Bürotrakt mit 3000 Quadratmeter Nutzungsfläche. Fertiggestellt sein soll die Halle bis Ende 2020. Für das Bürogebäude ist ein Bauende im Jahr 2021 geplant.