Am Sonntag in einer Woche sind die Bürger aufgerufen, an die Wahlurnen zu treten, um neben der Europa- und der Kreistagswahl auch den Gemeinderat neu zu wählen. Wie bei kaum einer anderen Wahl können die Wahlberechtigten unmittelbaren Einfluss darauf nehmen, wer in Amt, Würden und Verantwortung gewählt wird und somit für das Wohl der Gemeinde verantwortlich ist. Zeit also, einen Blick auf die großen Themen der letzten fünf Jahre zu werfen und einen kleinen Ausblick auf die kommende Legislaturperiode zu werfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Das Wahl-Desaster steckt noch in den Knochen

Vor etwa einem Jahr platzte jene Bombe, die die Entwicklung von Unterkirnach auf Jahre hinaus prägen wird. Die Firma Wahl, mit 240 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber und Gewerbesteuerzahler, verlegt seine gesamte Produktion und alle Arbeitsplätze nach Peterzell. Der Umzug soll 2020 abgeschlossen sein, die Bauarbeiten in Peterzell sind bereits in vollem Gange. Für die Gemeinde hat der Wegzug gravierende finanzielle Konsequenzen. Wahl zahlte bislang einen Gutteil der knapp zweieinhalb Millionen Euro Gewerbesteuern.

Das könnte Sie auch interessieren

400 000 Euro fehlen in Zukunft

Im Rathaus rechnet man nun mit einem Loch von 400 000 Euro – ein riesiger Betrag für die kleine Kommune. Bürgermeister Braun, der sich intensiv für einen Verbleib eingesetzt hatte, verhängte zwischenzeitlich einen Ausgabenstopp und ließ intern die anstehenden Ausgaben und mögliche Einsparmaßnahmen ermitteln. Die Finanzknappheit durch den Verlust an Gewerbesteuern wird auch die Kommunalpolitik der nächsten Jahre massiv prägen. Aktivposten, die bisher als selbstverständlich angesehen wurden, sind nicht mehr unantastbar. Der Schlussstrich unter dieser Rechnung ist noch lange nicht gezogen.

Erhalt der Nahversorgung hat höchste Priorität

Stünde eine Gebetsmühle hinter dem Unterkirnacher Rathaus – sie wäre wahrscheinlich mit dem Thema Nahversorgung beschriftet. Der Erhalt der öffentlichen Infrastruktur zählt zu den zentralen Herausforderungen beinahe jeder ländlichen Kommune. Damit das in der Praxis gelingt, müssen die Bürger die Angebote auch nutzen, angefangen vom Einkauf beim Nahversorger über das Tanken an der Tankstelle im Ort bis hin zum Besuch des Hallenbades. Deshalb wiederholt Andreas Braun dieses Mantra bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Dass hinter dem Appell nicht nur wohlmeinende Worte, sondern auch handfeste Taten stecken, hat Braun in den letzten Jahren bewiesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Gemeinde kann einige Erfolge verbuchen

Positiv haben sich Landmarkt und Schlossbergstuben entwickelt. Ersterer wurde durch den Nahkauf übernommen, nachdem die Gemeinde, namentlich der Bürgermeister, seit November 2015 den Betrieb übernommen hatte. Auch, dass es im Ort noch eine Tankstelle gibt, kann sich die Gemeindeverwaltung auf die Fahnen schreiben. Diese hatte die Tankstelle zwischenzeitlich übernommen, bis neue Pächter gefunden waren. Mittlerweile ist der Betrieb für die nächsten Jahre gesichert. Auf Eis gelegt wurde hingegen das Jufa-Projekt, das zuletzt eher schleppend vorangekommen war. Durch den Weggang von Wahl müssten Prioritäten gesetzt werden, da passe es nicht zusammen, ein risikobehaftetes Projekt vorangetrieben werde, hieß es aus dem Rathaus.

Unterkirnach wächst: Der Blick aus der Vogelperspektive zeigt das Neubaugebiet Sommerberg II, für das die Gemeinde reges Interesse verzeichnet.
Unterkirnach wächst: Der Blick aus der Vogelperspektive zeigt das Neubaugebiet Sommerberg II, für das die Gemeinde reges Interesse verzeichnet. | Bild: Werner Müller

Was wird aus dem Aqualino?

Das Unterkirnacher Hallenbad bleibt 2019 zunächst geöffnet. Das ist eine Erkenntnis aus dem intensiven Dialog, den die Gemeinde zu diesem Thema vorangetrieben hat. Enttäuschung herrschte vor allem Anfang des Jahres, als Andreas Braun rückläufige Besucherzahlen vorlegte. Im Durchschnitt hatten zwischen Dezember und Februar 44,8 Personen täglich das Aqualino besucht.

Das Aqualino soll auch langfristig erhalten bleiben.
Das Aqualino soll auch langfristig erhalten bleiben. | Bild: Cornelia Putschbach

Das entspricht einem Rückgang von 3,5 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 46,4 Personen pro Tag. Keine optimalen Voraussetzungen, wenn um Wohl oder Wehe des Schwimmbades diskutiert wird. Dennoch ist mittlerweile klar, dass um den Erhalt gekämpft werden soll. Damit das gelingt, hat der Bürgermeister jüngst einen ganzen Maßnahmenkatalog vorgelegt. So ist das Bad ab Juni donnerstags bis 21 Uhr geöffnet. Eine Werbekampagne soll folgen. Die Erhöhung der Eintrittspreise um 15 Prozent muss vom neuen Gemeinderat beschlossen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Im Juli wird erst mal gefeiert

Dass man sich die Laune trotz der vielen Herausforderungen nicht vermiesen lässt, werden die Unterkirnacher im Juli beweisen. Dann wird ein verlängertes Wochenende lang das 775-jährige Bestehen gefeiert. Seit mehr als einem Jahr wird die große Party geplant, Shuttlebusse aus dem gesamten Landkreis werden organisiert, Speisen, Getränke und Livemusik angeboten. Möglich wird das Dorfjubiläum durch das ehrenamtliche Engagement der vielen Helfer, die unter Beweis stellen, dass Unterkirnach eine Kommune mit einer aktiven Dorfgemeinschaft ist.

Spannender Ausblick: Bei den Kommunalwahlen entscheiden die Bürger, wer in den nächsten fünf Jahren für die Geschicke von Unterkirnach verantwortlich ist. Das Dorf steht vor großen Herausforderungen.
Spannender Ausblick: Bei den Kommunalwahlen entscheiden die Bürger, wer in den nächsten fünf Jahren für die Geschicke von Unterkirnach verantwortlich ist. Das Dorf steht vor großen Herausforderungen. | Bild: Hans-Juergen Goetz