100 Jahre im Einsatz für die Schwachen der Gesellschaft: Der Gemeindehilfe-Verein Unterkirnach feierte sein Jubiläum bei einem Festgottesdienst in der St.-Jakobus-Kirche, wo parallel das Patrozinium der Gemeinde begangen wurde. Bürgermeister, Pfarrer und die Vorsitzende des Vereins blickten zurück und würdigten das bis heute ungebrochene Engagement vieler Ehrenamtlicher.

Unweigerlich sind die Europa durchziehenden Jakobuswege als Pilgerpfade mit ihrem Endziel Santiago die Compostela verbunden, wo sich einer Legende nach unter der dortigen Kathedrale das Grab des Heiligen befindet. Das Gehen und Wandern ist quasi ein Erkennungsmerkmal des Jakobus. Pfarrer Dominik Feigenbutz schlägt hier die Brücke: „So gehen auch Sie, geehrter Gemeindehilfe-Verein, seit mehreren Generationen unbeirrt ihren Weg im Dienste für Soziales.“

In Unterkirnach ist an dem Verein kein Vorbeikommen. Bereits zu seiner Gründung am 21. Januar 1917 hatte er 154 Mitglieder, das waren seinerzeit 20 Prozent der Bevölkerung. 100 Jahre später sind es etwa 450 Mitglieder, ebenfalls fast ein Fünftel aller Unterkirnacher. Die größte Baustelle ist heute wohl die finanzielle und ideelle Unterstützung der Unterkirnacher Sozialstation.

Gegründet wurde der Verein, um dem Elend des Ersten Weltkrieges begegnen zu können. Schwestern kümmerten sich in der damals noch Elisabethen-Verein genannten Truppe um die Alten und Kranken der Gesellschaft. Innerhalb der Sozialstation tun das heute fünf Pflegefachkräfte. Ohne Rückendeckung des Vereins wäre der Alltag schwieriger. Die drei Dienstfahrzeuge für die Krankenpflege der Sozialstation sind durch vom Verein organisierte Spenden finanziert. Ein weiteres Husarenstück ist die Freigabe von 30 000 Euro aus Rücklagen des Vereins vor drei Jahren, um dem Pflegeteam das Beziehen eines Büros im Pfarrhaus zu ermöglichen.

Das Aufgabenfeld der Mitglieder reicht heute weit über die Sozialstation hinaus. Anfang der 70-er Jahre erhält der Verein in seiner Neuausrichtung und Funktion für den örtlichen Kindergarten seinen heutigen Namen. Bis dato sind die Bande zum Kindergarten stark. Des öfteren fließen Spenden etwa in neues Spielzeug.

Fast 30 Ehrenamtliche leisten bei etwa 180 Stunden monatlich Nachbarschaftshilfe. Vor allem aber die Seniorennachmittage sind stark frequentiert. „Sie bieten älteren Menschen oftmals die einzige Chance, die eigene Wohnung zu verlassen“, bedankt sich Bürgermeister Andreas Braun bei den Akteuren. Bei den Seniorennachmittagen werden die älteren Teilnehmer zu Hause abgeholt. „Mir bleibt an dieser Stelle nur, an unseren ehemaligen Vorsitzenden Walter Strobel zu erinnern. 34 Jahre lenkte er uns, erhielt die Bürgermedaille unserer Gemeinde und die Stauffermedaille des Landes. Das sagt auch Vieles über unseren Verein aus“, entlässt die Vorsitzende Elfriede Dufner die Festgesellschaft zum anschließenden Umtrunk.

Ehrennadel für Köstner

Im Zuge der Jubiläumsfeier wurde der Kassenverwalter des Gemeindehilfe-Vereins, Hubert Köstner, von 1989 bis 1994 auch Gemeinderat, mit der Landesehrennadel Baden-Württemberg ausgezeichnet. Der Gemeindehilfe-Verein unterstützt die Sozialstation Unterkirnach, deren Träger die katholische Pfarrgemeinde ist.