Die Digitalisierung dürfe man in Unterkirnach auf keinen Fall verschlafen – darüber waren sich Gemeinderat und Bürgermeister einig. Dennoch entbrannte in der Sitzung des Gremiums eine grundlegende Diskussion über die Umsetzung des Digitalisierungsprojekts "WE@UK", was für "Wir in Unterkirnach" steht. Für Bürgermeister Andreas Braun und dem Projektbegleiter Martin Müller gab es dabei heftigen Gegenwind.

Als eine von 64 Kommunen in Baden-Württemberg bewarb sich Unterkirnach um eine Förderung in Höhe von 45 000 Euro zur Entwicklung ihrer Digitalisierungsstrategie. Als einzige Gemeinde aus dem Landkreis erhielt Unterkirnach den Zuschlag. Die Bewerbung erfolgte vor Bekanntwerden des Weggangs der Firma Wahl und damit bevor klar wurde, dass die Gemeinde personell und finanziell große Herausforderungen stemmen muss. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr ausgelegt. Es endet am 30. Juni 2019. Die Projektfinanzierung besteht zu 80 Prozent aus Landesfördermitteln. Die Gemeinde Unterkirnach hat jeweils hälftig in 2018 und 2019 einen Eigenanteil von von knapp 7400 Euro zu tragen. Weil dieses Projekt auch dem Tourismus zugutekomme, könne durch Steuerersparnis der Eigenanteil weiter reduziert wurden, so Kämmerer Lutz Kunz.

Martin Müller von der Social Agentur Lebenswerke, wurde durch die Gemeindeverwaltung bereits als Projektbegleiter auserwählt. Er möchte "im Rahmen eines Quadrologs zwischen Politik, Bürgerschaft, Verwaltung und Wirtschaft entsprechende Digitalisierungsformen des gemeinsamen Miteinanders und der Beteiligung möglichst vieler entwickeln." Für einzelne Maßnahmen sollen weitere Profis mit der Umsetzung beauftragt werden. Weiter wird das Ziel verfolgt, "engagierte Bürger für die Entwicklung der Gemeinde zu begeistern, bestehende Netzwerke sowie schon begonnenen Wege und Potentiale zu nutzen." Unter anderem plant Martin Müller mit Schülern der Roggenbachschule kleine Videofilme zu drehen, die später im Tourismusmarketing verwendet werden können. Zwölf bis 15 Tabletcomputer und Smartphones sollen dafür angeschafft werden. Laut Projektbeschreibung sollen außerdem Gemeinderat und "erfahrene Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen der Unterkirnacher Verwaltung" einbezogen werden.

Unter anderem an diesem Punkt entzündete sich schließlich die Diskussion. So fragte sich Michael Klafki, ob das Projekt nicht zu allgemein gehalten sei und ob man wirklich dazu beitragen wolle, mit "Videobotschaft den Ort digital zuzumüllen." Birgit Kodet verwies darauf, dass die sie Zeitschiene des Projekts für "sehr ambitioniert" halte. Schließlich könne man konkret erst nach den Sommerferien beginnen. Außerdem müsse man "in der jetzigen Situation besonders schauen, wofür das Geld ausgegeben wird."

Andrea Blessing, die Rektorin der Roggenbachschule, machte deutlich, das Projekt müsse für die Schüler einen "pädagogischen Mehrwert" haben. Die Projektziele müssten betreffend der Mitwirkung der Schule auf den Bildungsplan abgestimmt und die Tabletcomputer sowie Smartphones für die Schüler sicher und gut zu verwenden sein. Luitgard Straub legt Wert darauf, dass für die Mitarbeiter der Verwaltung keine zusätzliche Belastung anfallen dürfe. Auch die Gemeinderäte seien an der Belastungsgrenze angelangt.

Wenig Verständnis brachte Projektbegleiter Martin Müller für einige der Einwendungen auf. "Es ist blöd aus Zeitgründen nicht mitzumachen", gab er dem Gemeinderat mit auf den Weg und er habe es noch nie erlebt, dass ein Bürgermeister eine Förderung von 30 000 Euro mitbringe und der Gemeinderat so reagiere. Für den Start des Projekts sprach sich Bernhard Kuberczyk aus. Er möchte dessen Umsetzung mit Hilfe von Fachbürgern verwirklichen. Wolfgang Rahn mahnte, man dürfe nicht jede Entwicklung wegen der Personalkosten behindern.

Am Ende der Diskussion stimmte der Gemeinderat mit Gegenstimmen von Luitgard Straub und Armin Simmerer der Umsetzung des Projekts mit der Maßgabe die Kosten auf 36.890 Euro zu deckeln zu. Gleichzeitig erging der Appell an die Bürger, sich in das Digitalisierungsprojekt und eine verbundene Bürgerwerkstatt einzubringen.