Über einen massiven Fall von Verstoß gegen die Corona-Restriktionen mit heftigen Folgen informierte Landrat Stefan Bär am Freitag bei der wöchentlichen Pressekonferenz über die aktuelle Situation im Landkreis Tuttlingen.

Zwei Firmenbelegschaften in Gefahr gebracht

In einer Donautalgemeinde seien am Samstag, 16. Januar, insgesamt 14 Personen als Wandergruppe gemeinsam unterwegs gewesen und durch den Ort gegangen. Anschließend habe man sich zu einer geselligen Einkehr in einer Hütte getroffen. Als Folge dieses Zusammenseins gab es 21 positive Corona-Fälle und mindestens 28 Kontaktpersonen. Zwei der Erkrankten seien danach zur Arbeit gegangen und hätten damit die Mitarbeiter in zwei Unternehmen gefährdet.

In Hochhaus treffen sich zwei Familien

Bär: „Das sind Straftatbestände und die Betreffenden müssen die volle Konsequenz tragen.“ Unter anderem werde das Landratsamt Bußgelder verhängen. „Es war eine Rücksichtslosigkeit andern gegenüber, die ihresgleichen sucht“, so Bär weiter. In diesem wie in anderen Fällen würden Behörden inzwischen hinsichtlich der Kontaktpersonen vermehrt angelogen, klagte er. Der Landrat berichtete weiter über Verstöße gegen die Quarantäneregeln in zwei großen Hochhäusern mit 24 Einheiten. Die Mitglieder zweier Familien seien dort nicht in ihren Wohnungen geblieben, so dass es zu Ansteckungen kam. Ein Asylbewerberheim in Trossingen habe man nach 78 Tests und Feststellung von sechs positiven Fällen komplett unter Quarantäne gestellt.

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Der Landkreis Tuttlingen führt landesweit bei der Inzidenz immer noch die Flächenlandkreise an. Mit rund 125 liegt der Kreiswert beinahe doppelt so hoch wie im Land mit 76. Bis Freitagmittag waren 28 neue Infizierte gemeldet. In den Pflegeheimen sanken die Positivfälle auf 76, darunter 43 Bewohner und 33 Mitarbeiter. In der Klinik werden zwölf Coronakranke behandelt, ein 49- und ein 63-Jähriger intensiv. Kreisweit wurden in 71 Kindergärten 176 Notgruppen eingerichtet, zwei in Tuttlingen und eine in Trossingen mussten bereits wieder schließen.

Vielleicht verschieben sich die Lockerungen

Die Mutation des Virus ist laut Bär im Kreis Tuttlingen noch nicht bestätigt worden, er zweifelt jedoch nicht daran, dass sie sich dennoch verbreiten wird. Wegen der nach wie vor hohen Inzidenz im Kreis fürchtet der Landrat, dass Tuttlingen womöglich nicht von eventuell nach dem 14. Februar anstehenden Lockerungen profitieren könnte. Mit Hinweis, dass auch Sport-, Musik- und andere Vereine wegen der Coronalage nicht ihrem Vereinsleben nachgehen konnten, appellierte Stefan Bär an die Narrenvereine, Verständnis wegen des Ausfalls von Fasnachtsveranstaltungen zu zeigen und sich an die Regeln zu halten.