Eine Zäsur steht der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen bevor: Die Bildungseinrichtung braucht jetzt eine neue Chefin oder einen neuen Chef, denn die bisherige Rektorin Elisabeth Gutjahr wird die Hochschule in Kürze verlassen. Sie wird zum 1. April die Leitung der renommierten Universität Mozarteum in Salzburg übernehmen.

„Ich freue mich riesig für sie, das ist eine ganz außergewöhnliche, einzigartige Chance – und zeigt, wie sie mit ihrer Arbeit in Trossingen, hier im ländlichen Raum, sehr viel erreicht hat“, sagte der Vorsitzende des Trossinger Hochschulrats, Thomas Albiez, dem SÜDKURIER.

Dafür hat Elisabeth Gutjahr allerdings auch einiges an Geduld und Durchhaltevermögen beweisen müssen. Denn sie wurde bereits im Sommer 2017 zur Rektorin in Salzburg gewählt. Doch um die Stelle wie geplant Anfang 2018 auch antreten zu können, musste sie zusätzlich offiziell vom Universitätsrat ins Amt bestellt werden. Vorgesehen war dafür ein Termin Ende November 2017 – aber dieser platzte. Österreichische Medien berichteten, dass drei Universitätsräte zurücktraten und damit das Gremium beschlussunfähig machten. Dabei soll Uneinigkeit bezüglichder Gehaltsforderungen von Gutjahr eine große Rolle gespielt haben.

Nach diesem Eklat musste der Universitätsrat in Salzburg erst wieder neu formiert werden, was mit weiteren Pannen einherging. Doch gleich in der ersten Sitzung des neuen Unirates am 1. März ging die Bestellung von Gutjahr nun problemlos über die Bühne.

Die gelang wahrscheinlich auch deshalb, weil die Uni Mozarteum inzwischen nach zwei Jahren Vakanz an der Spitze endlich wieder geordnete Verhältnisse will und braucht. Denn der ehemalige Rektor ging laut Medienberichten 2016 wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung und sein bereits gewählter Nachfolger trat die Stelle nicht an. Daraufhin fiel die Wahl in einer neuerlichen Ausschreibung auf Elisabeth Gutjahr.

In Trossingen sei der Hochschulbetrieb von der monatelangen Hängepartie um die eigene Rektorin aber nicht beeinträchtigt worden, versicherte der Hochschulratsvorsitzende Albiez. „Das ist ein Haus mit ganz erfahrenen, sehr guten Mitarbeitern“. Zudem hinterlasse Gutjahr „ein gut bestelltes Haus.“ Daher werde es auch kein Problem sein, die Übergangszeit bis zur Besetzung der Rektoratsstelle zu meistern.

Vorübergehend wird Prorektor Michael Hampel die Hochschulleitung übernehmen. Unterdessen wird Hochschulratsvorsitzender Albiez, von Beruf Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), jetzt die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für Elisabeth Gutjahr in Trossingen als Leiter einer Findungskommission in Angriff nehmen. „Jede Veränderung bietet auch eine Chance“, so Albiez, „und ich freue mich schon auf diese Ausschreibung, ich sehe sehr optimistisch in die Zukunft der Musikhochschule.“

Aus seiner Sicht beruhe das Profil der Hochschule einerseits auf der Pflege bewährter Kompetenzen, etwa im Bereich der klassischen Musik, und andererseits auf der Entwicklung neuer Gebiete, beispielsweise im zur Hochschule gehörenden, neuen Landeszentrum Musik-Design-Performance, das zwischen der Musiktradition und der digitalisierten Welt Brücken bauen will. „Wir brauchen jemanden, der beides überzeugend fortführt“, so Albiez.

 

Besetzungsverfahren

Wie wird man Rektor der Musikhochschule? Zunächst wird die Findungskommission mit zwei Mitgliedern des Hochschulrates, zwei Mitgliedern des Hochschulsenats, einem Vertreter des Wissenschaftsministeriums und der Gleichstellungsbeauftragten zeitnah über den Text der Stellenausschreibung und die Medien, in denen der Text veröffentlicht wird, entscheiden. Einige Wochen später sichtet die Kommission die Bewerbungen, lädt interessante Kandidaten zum Gespräch ein und schickt bis zu drei Vorschläge ans Wissenschaftsministerium. Die vom Ministerium genehmigten Bewerber treten zur Wahl an – diese übernehmen Hochschulrat und -senat gemeinsam. Hochschulkanzlerin Margit Mosbacher schätzt, dass es zeitlich „schon ehrgeizig“ wäre, bis zur Sommerpause einen neuen Rektor zu haben, doch eher werde es zur Nachfolgeregelung wohl bis zum frühen Herbst dauern. (jdr)