Unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen hat gestern die Verhandlung um ein grausames Verbrechen vor dem Landgericht Rottweil begonnen, das ein junger Mann in Trossingen begangen haben soll. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 5. September 2015 in Trossingen eine 45-jährige Frau erstochen zu haben.

Weil der Mann, ein 25-jähriger Student aus Moskau, offenbar unter einer paranoiden Schizophrenie leidet, sei er wohl schuldunfähig gewesen. Im Sicherungsverfahren geht es darum, zu entscheiden, ob er in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird, oder ob er doch schuldfähig wäre und eine Haftstrafe erhielte.

Die Zuhörer wurden beim Betreten des Gerichtssaals kontrolliert, die zahlreichen Pressevertreter mussten sich ausweisen oder dem Gericht bekannt sein. Der Andrang war aber letztlich geringer als erwartet. Das Gericht unter Vorsitz von Karl-Heinz Münzer beschloss mit Einverständnis der Staatsanwaltschaft, der Nebenklagevertreter und des Verteidigers die Öffentlichkeit in den Bereichen des Verfahrens auszuschließen, wenn es um die Erkrankung des Beschuldigten P. K. geht. So hörte die Öffentlichkeit nur die Angaben zur Person, die der 25-Jährige mithilfe zweier Dolmetscherinnen mit leiser Stimme gab. Er sei am 8. Juni 1990 in Moskau geboren, ledig, habe keinen Beruf, bestätigte aber auf Nachfrage des Richters, er sei Student in Moskau.

Oberstaatsanwältin Sabine Mayländer verlas anschließend die Antragsschrift, in der sie die Tat am 5. September schilderte. Demnach habe der Beschuldigte seinem Opfer in der Steppachstraße in Trossingen am Abend aufgelauert und sei von der gegenüberliegenden Straßenseite hinübergelaufen. Als die Frau ihre Haustüre öffnen wollte, habe er sie angegriffen. Als die Frau schrie, habe er mit zwei Küchenmessern mit 18 und 17 Zentimeter langen Klingen auf die Frau eingestochen. „Eine Vielzahl von Stichen in Hals, Kopf, Nacken und einer ins Herz“ habe das Opfer erlitten, die Frau sei noch am Tatort verstorben. Der Täter habe die Hosentaschen und die Einkaufstaschen nach Wertsachen durchsucht und dann auch versucht, ihre Hose zu öffnen. Mayländer warf ihm daher neben heimtückischem Mord aus Habgier auch versuchten Raub und Befriedigung des Geschlechtstriebs vor.

Da der Beschuldigte unter einer paranoiden Schizophrenie leide, sei er wahrscheinlich schuldunfähig. Es handle sich aber um schwere Straftaten und es seien Wiederholungstaten zu erwarten, weshalb er für die Allgemeinheit gefährlich sei. Richter Münzer verkündete nach einer kurzen Unterbrechung die Entscheidung, die Öffentlichkeit während der Aussagen des Beschuldigten zur Tat, seiner aus Russland angereisten Mutter und bei der Verlesung der Aussagen des Beschuldigten vor dem Ermittlungsrichter auszuschließen.