Die Stichworte lauten „online, persönlich und informativ“, wenn die Wirtschaftsförderung und der Rotary Club Triberg-Furtwangen über mögliche Handlungsfelder in der von Corona geprägten Zeit diskutieren. Auch gelte es, die Region als „Marke“ zu stärken.

Welche Themen und Projekte die Wirtschaftsförderung (Wifög) Schwarzwald-Baar-Heuberg in Villingen-Schwenningen 2021 beschäftigen werden, dazu berichtete Henriette Stanley, Geschäftsführerin der Wifög zwölf Mitgliedern des Rotary Clubs (RC) Triberg-Furtwangen. Die Themen reichen von der Flächenvermarktung über Ärztemangel im ländlichen Raum bis hin zur Stärkung der Region als Marke, so teilt der RC mit.

Erstes Kennenlernen

Ein erstes Kennenlernen fand jetzt zwischen Wifög-Geschäftsführerin Henriette Stanley und einem zwölfköpfigen Team des RC Triberg-Furtwangen statt. „Online, dennoch persönlich und in jedem Fall informativ für beide Seiten“, berichtete Stanley. Nach der Begrüßung durch Uwe Vollmer, dem Präsidenten des RC starteten alle Teilnehmer in eine Diskussions- und Fragerunde.

Es gibt immer weniger Ärzte in ländlichen Regionen. Dabei ist eine flächendeckende medizinische Versorgung für eine gute Lebensqualität unabdingbar. Aber es ist schwer, die Versorgungslücken zu verhindern und eine wohnortnahe medizinische Versorgung zu gewährleisten. Viele Nachwuchsmediziner zieht es eher in die Metropolen.

Keine Lust auf Einzelkämpfer-Arzt

Ein Einzelkämpferdasein auf dem Land möchte keiner – wie Dr. Gerhard Adam, ehemaliger ärztlicher Leiter und Chefarzt der Asklepios-Klinik Triberg, kommunizierte: „In großen Städten lohnt es sich für Fachkräfte weitaus mehr; auf dem Land ist es vor allem für Nischengebiete schwer, da es oftmals nicht genügend Patienten im Einzugsgebiet gibt.“

Medizinerinnen haben andere Vorstellungen

Hausärzte seien auf dem Land eher „stand-alone“-Betriebe. Eine unattraktive Option. „Zudem sind inzwischen 70 Prozent der Nachwuchsärzte weiblich. Frauen im Ärzteberuf benötigen andere Rahmenbedingungen. Denn sie legen den Fokus nicht nur auf die Karriere, sondern auch auf die Familie. Geld verdienen steht nicht an erster Stelle. Frauen können und wollen demnach nicht immer 100 Prozent arbeiten und tendieren daher eher zum Angestelltenverhältnis und Teilzeitmodellen“, erklärt Adam weiter.

Hohe Dienstbelastung

Für viele Ärzte sei es auch die hohe Dienstbelastung auf dem Land, sofern eine entsprechend hohe Patientendichte vorhanden ist, die eher als Nachteil betrachtet würde, sagt Karl Josef Burger, pensionierter Arzt für Innere Medizin, auf die Frage, ob er jungen Kollegen raten würde, aufs Land zu gehen. Dazu würde auch eine entsprechende Infrastruktur betrachtet werden, bei der unter anderem auch Schulen und Einkaufsmöglichkeiten direkt vor Ort liegen sollten.

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„Wenn sich heutzutage noch jemand als Hausarzt auf dem Land niederlässt, dann muss es definitiv seine Berufung sein. Denn Ärzte sind auch Unternehmer. Für eine Niederlassung müssen sie oft viele Schulden aufnehmen, obwohl die Entwicklung oft ungewiss ist und dieser Schritt eine große Verantwortung bedeutet“, so Burger.

Kaum einer entscheidet sich noch dazu, sich als Allgemeinmediziner ausbilden zu lassen. Heutzutage entscheiden sich die jungen Ärzte eher für ein Spezialgebiet. Allgemeinmediziner hingegen müssen ein breit gefächertes Wissen mitbringen, sodass dies eher ein Thema für ältere Ärzte mit langjähriger Erfahrung bleibt.

Spannend fanden die Zuhörer die neuen Vermarktungsmöglichkeiten für die landwirtschaftlicher Betriebe.

Selbstvermarkter präsentieren sich

Die Geschäftsführerin stellte „vom-bauern-sbh“ vor, eine neue Webseite, auf der Selbstvermarkter aus Schwarzwald-Baar-Heuberg kostenfrei ihre Angebote online stellen können. „Gerade die landwirtschaftlichen Betriebe sind sehr wertvoll für unsere Region“, so Stanley. „Über die Seite können sie ihre Produkte vermarkten und neue Zielgruppen ansprechen. Eine App ist gerade in der Entwicklung, damit man demnächst noch leichter mit den Höfen Kontakt aufnehmen kann.“

Markt-Event ab März geplant

Sie stellte auch den neuen „Markt in der Halle“ vor. Diese Mischung aus Markt und After-Work-Event wird ab März – je nach Pandemiebedingungen – in Schwenningen auf dem Alten Schlachthofareal stattfinden.

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Interessierte Selbstvermarkter können sich gerne direkt bei der Wirtschaftsförderung melden. Durch das monatlich geplante Format bietet sich eine langfristige Plattform. „Eine Unterstützung der Direktvermarkter kommt direkt bei den Betrieben an, dieses Angebot müssen wir in die Region hineintragen“, freute sich Ute Duffner vom Reinertonishof in der Runde.

Die Region Triberg-Furtwangen habe viel zu bieten, so der RC. Viele Firmen des produzierenden Gewerbes würden dafür sorgen, dass Triberg ein hervorragender Wirtschaftsstandort ist. Alle starken Faktoren müssten nun in einer Marke abgebildet werden. „Lassen Sie uns die Mosaiksteine zusammenfügen und kommunizieren“, so Robert Laschke, Mitglied des RC Triberg-Furtwangen.

Dies könnte zum Beispiel als Kopie der Plattform vom-bauern-sbh erfolgen, nur dass dies auch für andere Branchen umgesetzt werden würde. „Unternehmen können sich hier vorstellen, wichtige Informationen kommunizieren und dadurch präsenter werden. Wir würden auch dadurch die Region mehr stärken.“

Enthusiasmus gefragt

Dabei sei es wichtig, einen „enthusiastischen Spirit“ in die Region hineinzutragen, der sich nicht nur auf bürokratische Abwicklungen, sondern auch auf die Bedienung verschiedener Felder konzentriere. „Wir müssen, so wie die Wirtschaftsförderung es vormacht, die Motivation spürbar machen“, formuliert es Vollmer zum Abschluss.